Rund ein Drittel der Ausbildungsverträge im Handwerk wird vorzeitig gelöst. Die Gründe dafür sind vielfältig. Doch nur wer sie kennt, kann wirksam gegensteuern.
Der Start in die Ausbildung schien gelungen, doch neuerdings wirkt der Azubi verändert. Es kommen kaum Fragen zu seinen Aufgaben, in der Berufsschule läuft es offenbar auch nicht so gut. Und warum ist er eigentlich schon wieder krank? Der Betrieb ist unzufrieden, der Jugendliche frustriert.
In solchen Situationen steht ein Ausbildungsabbruch im Raum. „Rund 30 Prozent der Ausbildungsverträge im Handwerk werden vorzeitig gelöst“, sagt Goran Miladinovic, Fachbereichsleiter Berufsbildung bei der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Vertragslösungen während der Ausbildung seien aber selten auf nur eine Ursache zurückzuführen: „Meist gibt es verschiedene Gründe, die zu einem Ausbildungsabbruch führen. Manchmal ist es für den Jugendlichen der falsche Beruf, manchmal gibt es Konflikte im Ausbildungsgeschehen.“
Deshalb bedeute eine Vertragsauflösung auch nicht unbedingt, dass der junge Mensch am Ende ohne Abschluss dastehe, so Miladinovic: Je nach Grund für den Abbruch setzten Jugendliche oft ihre Ausbildung in einem anderen Betrieb fort oder versuchen es in einem anderen Beruf.
Zuweilen bringt auch der Auszubildende nicht die Fähigkeiten mit, die in der Ausbildung verlangt werden. „Nicht alles, was im Elternhaus oder in der Schule vernachlässigt wurde, kann im Betrieb aufgefangen werden“, betont er. In den meisten Fällen seien aber Abbrüche frühe Neujustierungen im Suchprozess, die zu Neuorientierungen führen und damit „auch ein Stück weit normal“.
Doch aus welchen Gründen auch immer – für den ausbildenden Betrieb ist eine vorzeitige Trennung ärgerlich und teuer. Deshalb lohne es sich, auf Warnzeichen zu achten und den Gründen für möglichen Frust des Auszubildenden auf den Grund zu gehen.

Viele Fehltage, schlechte Noten in der Berufsschule und eine hohe Fehlerquote können wichtige Warnzeichen dafür sein, dass der Auszubildende über einen Ausbildungsabbruch nachdenkt. Doch neben diesen, eher auf die Leistung bezogenen Auffälligkeiten, gebe es auch die eher integrativen Warnzeichen, sagt Miladinovic. „Wirkt der Auszubildende freudlos? Wie ist er integriert? Sitzt er oder sie beispielsweise immer allein in der Mittagspause? Scheint das Interesse an den beruflichen Aufgaben erloschen? Gibt es Konflikte mit Kollegen und Vorgesetzten?“, nennt er Beispiele.
Wichtig sei es, den Ursachen für das Verhalten des Jugendlichen auf die Spur zu kommen – denn nur dann könne der Betrieb auch tatsächlich unterstützen, sagt Miladinovic. „Ausbilder sollten daher von Anfang an ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Auszubildenden aufbauen, um in schwierigen Zeiten auch Themen besprechen zu können, die etwas abseits von den beruflichen Aufgaben liegen.“
Denn es geht ans Eingemachte: „Man muss unterscheiden zwischen Gründen, die in der Person des Jugendlichen liegen, und denen, die im Betrieb liegen“, sagt der Ausbildungsexperte. Wenn also zum Beispiel der Beruf eigentlich nur an zweiter oder dritter Stelle auf der Wunschliste stand, kann der Betrieb häufig wenig ausrichten.
Anders sieht es aus, wenn es eher um die Leistungsfähigkeit geht. „Ist der Azubi beispielsweise im Betrieb gut integriert, hat aber in der Berufsschule zu kämpfen, können Nachhilfe oder auch Sprachkurse eine gute Lösung sein“, nennt Miladinovic Beispiele. Auch eine assistierte Ausbildung mit spezieller Unterstützung durch einen Ausbildungsbegleiter kann helfen.
Nicht nur Überforderung, auch Unterforderung durch monotone und vermeintlich sinnlose Aufgaben kann Jugendliche frustrieren. In solchen Fällen kommt es auch auf das Mindset im Betrieb an. „Die Ausbilder sollten sich fragen, ob Ausbildungsqualität und Ausbildungskultur stimmen“, sagt Miladinovic. „Aufgabe der Betriebe ist es, berufliche Kompetenzen mit einer geeigneten Didaktik zu vermitteln“, betont er.
“Alle im Betrieb sollten bereit sein, ihr Wissen weiterzugeben.”
Ebenso wichtig sei die Ausbildungskultur: „Es kommt ein junger Mensch in den Betrieb, der ganz am Anfang seiner beruflichen Laufbahn steht“, beschreibt Miladinovic die Situation. „Und nicht nur der Ausbilder, sondern alle im Betrieb sollten bereit sein, ihr Wissen weiterzugeben.“ Dabei gehe es auch um Kenntnisse, die nicht unbedingt von der Ausbildungsordnung erfasst werden: das „stille Wissen“, das sich jeder Handwerker mit Berufserfahrung aufgebaut hat.
Gleichzeitig sei eine gewisse Offenheit wichtig. „Es kann schon passieren, dass die jungen Leute Bedürfnisse haben, die auf der eigenen Werteskala nicht sehr weit oben stehen“, sagt Miladinovic. Feedback und regelmäßige Gespräche fänden dann nicht unbedingt aus Überzeugung statt. „Kommunikation ist aber zentral, um Vertrauen aufzubauen“, betont er.
Miladinovic appelliert zudem an die Betriebe, sich bei Problemen in der Ausbildung Unterstützung zu suchen. „Erste Anlaufstellen sind die Ausbildungsberater bei den Handwerkskammern“, sagte er. „Sie können mit viel Erfahrung unterstützen.“

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