Ein neuer Auszubildender kommt: Wie Sie den ersten Tag nutzen, um in eine erfolgreiche Ausbildung zu starten und den Lehrling an den Betrieb zu binden.
Am 1. August startet das Ausbildungsjahr und viele neue Auszubildende erleben ihren ersten Tag im Handwerksbetrieb. „Arbeitgeber sollten nicht unterschätzen, wie wichtig es für die Auszubildenden ist, sich willkommen zu fühlen“, sagt Sabine Bleumortier, Ausbilderberaterin aus München. Gleichzeitig hilft ein warmer Empfang, Ängsten und Unsicherheiten der Azubis zu begegnen – und bietet Ihnen die Chance, sie an das Unternehmen zu binden. „Am Beginn der Ausbildung können Sie den Grundstein legen, dass die Auszubildenden Ihren Betrieb gar nicht mehr verlassen wollen“, sagt Bleumortier. Sie hat vier Tipps, wie Sie den ersten Ausbildungstag zum Erfolg machen.
Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Tag in der Ausbildung? Die Aufregung war sicher spürbar. Ganz ähnlich geht es Ihren Azubis heute. Deshalb: „Schicken Sie Ihren neuen Auszubildenden vorab alle wichtigen Informationen zum ersten Tag“, rät Bleumortier. Dazu gehört:
Um das Ganze noch persönlicher zu gestalten, können Sie Fotos vom Spind, vom wichtigsten Werkzeug oder der Arbeitskleidung mitschicken, die auf den oder die Neue warten. „Auch ein Team-Foto ist denkbar“, sagt die Ausbilderberaterin. „Damit vermitteln Sie das Gefühl: Ich bin willkommen.“
Welche Form Sie dabei wählen – digital, per Post oder auch telefonisch –, bleibt Ihnen überlassen. „Es empfiehlt sich, den Kanal zu nutzen, auf dem auch bisher kommuniziert wurde“, sagt Bleumortier. Ein wichtiges Argument aber spreche bei einzelnen Aktionen für die Post: „Dann bekommen auch die Eltern mit, dass der Betrieb sich kümmert.“
Der erste Tag bricht an und Ihre Aufgabe – oder die des Ausbilders – ist jetzt: Gestalten Sie einen gelungenen Empfang. „Sie müssen kein Willkommensfest feiern“, sagt Bleumortier. „Aber es entscheiden Kleinigkeiten darüber, ob sich jemand wertgeschätzt fühlt.“
Seien Sie also anwesend, wenn der Auszubildende kommt, und nehmen Sie sich Zeit für eine persönliche Begrüßung. „Sie können auch ein Herzlich-Willkommen-Banner aufhängen, dann wissen alle Bescheid, dass jemand Neues heute anfängt“, so Bleumortier.
Eine kleine Rundtour durch den Betrieb und ein Kennenlernen des Teams runden die Begrüßung ab. Stellen Sie diejenigen vor, die sich insbesondere um den Azubi kümmern werden. „Wenn es passt, kann ein gemeinsames Frühstück stattfinden, zum Beispiel mit dem Betreuer und den Azubis, die schon länger dabei sind“, sagt die Ausbilderberaterin. Erklären Sie auch, wie die ersten Wochen im Betrieb ablaufen werden und welche Aufgaben warten.
Ebenso wichtig ist, dass alle Arbeitsmittel vorhanden sind. „Nichts ist peinlicher, als zugeben zu müssen, dass keine passende Arbeitskleidung vorhanden ist oder das Werkzeug fehlt“, sagt Bleumortier.
Die Auszubildende kennt sich bereits ein wenig aus, weil sie ein Praktikum absolviert hat? „Trotzdem sollte spürbar sein, dass jetzt etwas Neues beginnt“, sagt Bleumortier. „Denn auch wenn der Betrieb bekannt ist, kommen jetzt viele neue Dinge und Aufgaben hinzu.“
“Auch wenn der neue Azubi schon ein Praktikum im Betrieb absolviert hat, sollte am ersten Ausbildungstag klar sein: Jetzt beginnt etwas Neues.”

Viele Informationen prasseln am ersten Tag auf die Azubis ein. „Das wird sich niemand merken können“, gibt Bleumortier zu bedenken. Deshalb rät sie, den Neuen eine Einführungsmappe mit den wichtigsten Informationen zu überreichen. Darin sollten unter anderem zu finden sein:
„Die Erfahrung zeigt, dass die gedruckte Form in einem Ringbuchordner am ehesten von den Auszubildenden gelesen wird“, sagt Bleumortier. Aber auch digitale Formen wie eine Web-App oder ein Azubilaufwerk sind möglich. Mit der Mappe können Sie auch ein kleines Begrüßungsgeschenk überreichen, etwa Give-aways des Betriebs, eine persönliche Kaffeetasse oder ein Werkzeug.
In Befragungen klagen Auszubildende immer wieder über Generationenkonflikte im Betrieb. Kein Wunder, bringt doch die Generation Z eine ganz andere Erziehung und Erfahrung mit als die Älteren: Diese haben ihre Ausbildung oft als Zeit erlebt, in der ihre Meinung nicht gefragt war und sie auch sonst wenig zu melden hatten.
„Das ist bei den jungen Leuten anders“, sagt Bleumortier. Sie seien es von der Schule und von zu Hause gewohnt, dass ihre Meinung gehört werde und sie viel Feedback bekämen. „Dafür sollten Sie das Team sensibilisieren“, empfiehlt die Ausbilderberaterin.
Das bedeute nicht, auf jede Erwartung von Auszubildenden einzugehen, stellt sie klar. Aber: „Die Botschaft sollte lauten: Wir müssen sie ernst nehmen, die Umsetzung prüfen und, wenn etwas nicht möglich ist, den Sinn gut erklären. Dann zeigen die meisten Auszubildenden auch Verständnis.“

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