Wer alle Auseinandersetzungen unterdrückt, sorgt nur vermeintlich für gute Stimmung. Ungelöste Konflikte können Ihren Betrieb gefährden. Drei Tipps, die Ihnen helfen.
Auch wenn Sie es friedlich lieben: Als Chef oder Chefin kommen Sie immer mal wieder in die Situation, einen Konflikt austragen zu müssen. „Jeder Mensch hat feste Werte, die sich nicht so leicht ändern“, sagt Meike Müller, Führungscoach und Autorin. „Wenn dann unterschiedliche Vorstellungen, etwa zur Arbeitsmoral oder der Einhaltung von Absprachen, aufeinanderprallen, kommt es zu Konflikten.“ Ihre Aufgabe als Führungskraft sei es, die eigenen Werte im Betrieb durchzusetzen. „Da kann es schon passieren, dass Sie eine unpopuläre Entscheidung treffen müssen – und es dann auch aushalten sollten, dass andere sie ablehnen“, so Müller.
Nicht jedem fällt es leicht, in einen Konflikt zu gehen. „Oft steckt die Angst dahinter, ein wichtiger Mitarbeiter könnte kündigen, das Betriebsklima Schaden nehmen oder ein Kunde abspringen“, beschreibt Müller mögliche Gründe.
Grundsätzlich sei es in Ordnung, wenn man auch als Chef gerne Harmonie um sich habe, betont die Trainerin. „Die Erkenntnis, dass man so gestrickt ist, kann entlasten.“ Doch es droht die Harmoniefalle, wenn aus dieser Selbsteinschätzung heraus Auseinandersetzungen generell vermieden werden.
Die Entlastung, die aus diesem Verhalten folge, sei nur kurzfristig, warnt Müller. „Konflikte einfach laufen zu lassen, ist gefährlich. Sie verschwinden nicht von allein.“ Stattdessen koste es viel Energie, die unliebsamen Themen immer wieder wegzudrücken, die sich trotzdem immer weiter ausbreiten.
„Auch die Außenwirkung kann verheerend sein: Wer mitbekommt, dass sich ein Kollege nicht an die Regeln halten muss, weil die Chefin den Konflikt lieber vermeidet, fühlt sich ungerecht behandelt und verliert den Respekt“, betont Müller. So ruinieren Sie nicht nur Ihr Betriebsklima, sondern verlieren im schlimmsten Fall zwar nicht den Verursacher des ungelösten Konflikts, dafür aber die Kollegen, die darunter leiden.
Doch Konflikte auch einmal durchzustehen, kann man lernen, sagt die Führungscoachin. Drei Tipps helfen Ihnen dabei.
Führungskraft zu sein, ist eine Rolle unter vielen, die Sie in Ihrem Leben haben. Mit der Familie oder Freunden verhalten Sie sich schließlich anders als im Betrieb. „Diese Rolle kann Ihnen als Schutz dienen“, betont Müller. Es spreche nichts dagegen, das in einem Konfliktgespräch auch so deutlich zu sagen: „Ich fühle mich selbst unwohl mit der Situation, aber als Chefin muss ich das jetzt ansprechen“, nennt die Trainerin eine mögliche Formulierung.
„Wichtig ist, dass Sie Ihre Rolle als Chef und Ihre Werte für sich klar definiert haben“, betont sie. „Sie sind nicht dafür verantwortlich, dass alle immer glücklich sind. Sie tragen die Verantwortung dafür, stabile Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Betrieb zu schaffen.“
Ihnen steht ein schwieriges Gespräch bevor, aber Sie würden sich am liebsten drücken? „Im ersten Schritt kann es hilfreich sein, sich Fragen zu stellen“, rät Müller. „Was könnten die Folgen sein, wenn ich diesen Konflikt laufen lasse? Wem schade ich, wenn ich ein schwieriges Thema nicht anspreche?“ Dabei sollten Sie zwischen kurzfristigen und langfristigen Folgen unterscheiden.
„Die zweite Frage dreht die Perspektive“, erläutert die Trainerin. „Wenn jetzt alle meine Ängste verschwunden wären: Was würde ich tun? Was könnte ich dabei gewinnen?“ Oder Sie fragen sich: „Was würde ich in dieser Situation von meinem Chef erwarten?“
Es helfe, sich eine Waage vorzustellen, sagt Müller. Auf der einen Seite die kurze Erleichterung. Auf der anderen Seite der langfristige Nutzen. „Und dann entscheiden Sie, welche Seite für Sie den Ausschlag gibt.“

Üben hilft – das gilt auch für Konflikte. „Suchen Sie sich einen anderen Kontext, zum Beispiel in der Familie, und tun Sie etwas, was für die anderen ungewohnt und vielleicht unangenehm ist“, schlägt Müller vor. Vielleicht holen Sie mal keine Brötchen am Sonntag oder haben nicht – wie sonst immer – den Grill vorbereitet, bevor die anderen aus dem Schwimmbad kommen. Reklamieren Sie in einem Geschäft einen Artikel und bestehen auf Barauszahlung statt Gutschein. „Sie werden feststellen: Vielleicht ist jemand genervt, aber die Welt geht nicht unter“, sagt Müller.
Auch eine andere Erkenntnis könnten Sie gewinnen: „Vielleicht ist auch die Reaktion der anderen gar nicht so stark wie befürchtet – also der Konflikt gar nicht so schlimm“, meint die Trainerin. Dann gibt’s halt Toast statt Brötchen, um den Grill kümmert sich jemand anders und im Geschäft gibt’s anstandslos das Geld zurück.
„Es muss nicht immer alles harmonisch sein“, betont Müller. „Fairness und Klarheit sind in der Führung wichtiger.“ Nicht zuletzt können Sie über eine klare Haltung Profil gewinnen. „Wer immer Ja und Amen zu allem sagt, der wird weniger ernst genommen – auch unter seinen Mitarbeitenden.“