Nach dem Start ins neue Ausbildungsjahr sind auch 2026 noch viele Stellen unbesetzt: Umso größer ist die Kritik daran, dass das bewährte Programm „Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen“ bald ersatzlos wegfallen soll.
Deutschlandweit waren 162.000 Ausbildungsplätze zum Start ins neue Ausbildungsjahr am 1. September 2026 noch unbesetzt. Das sagte Andrea Nahles, Chefin der Bundesagentur für Arbeit, gegenüber dem Deutschlandfunk im August. Auch im Handwerk waren zuletzt noch viele Lehrstellen offen. So wurden laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) Ende Juli allein über die Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern noch Auszubildende für 20.460 offene Ausbildungsstellen gesucht.
Gleichzeitig zeigt der Berufsbildungsbericht 2026, dass viele junge Männer und Frauen vergeblich nach einem Ausbildungsplatz suchen. Zum Stichtag des Berichts, am 30. September 2025, waren noch 39.900 Bewerberinnen und Bewerber unversorgt – so viele waren es noch nie, seit der Bericht 2009 jährlich erstellt wird, heißt es vom zuständigen Bundesministerium für Bildung, Familie, Frauen, Senioren und Jugend.
Große Kritik entzündet sich daran, ein erfolgreiches Förderinstrument für eine bessere Vermittlung zwischen Jugendlichen und Betrieben ersatzlos auslaufen zu lassen. Wie das in diesem Fall zuständige Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) bestätigte, wird angesichts der Sparmaßnahmen im Haus das Förderprogramm „Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen“ nicht verlängert. Gefördert wurden Beratungskräfte, beispielsweise bei den Handwerkskammern, die Betriebe bei der Suche und der Einstellung von Auszubildenden unterstützen. Dabei konzentriert sich das Modul „Willkommenslotsen“ auf ausländische Jugendliche, „passgenaue Besetzung“ auf angehende Azubis in Deutschland.
Wie erfolgreich diese Angebote sind, schreibt das BMWE selbst auf seiner Website. Demnach haben 2025 über 4.400 Betriebe sowie mehr als 4.600 junge Menschen (davon 1.529 Geflüchtete) eine Beratung in Anspruch genommen. Insgesamt konnten rund 4.900 Vermittlungen in Ausbildung, Arbeit und Einstiegsqualifizierung realisiert werden, davon 1.405 mit geflüchteten Personen sowie jungen Menschen aus EU- und Drittstaaten.
“Wir brauchen verlässliche Strukturen, die Jugendliche und Betriebe zusammenbringen.”
Zudem ergab eine im Mai und Juni 2025 durchgeführte Befragung von Unternehmen, die Unterstützung durch die Beratungskräfte erhalten hatten, große Zustimmung:
„Dass auf der einen Seite viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben und auf der anderen Seite junge Menschen ohne Ausbildung oder Job sind, ist vor allem ein Passungsproblem, beruflich und regional“, sagt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. Jetzt komme es darauf an, Berufsorientierung und Vermittlung weiter zu stärken, jungen Menschen Mobilität zu ermöglichen und sie beim Erwerb notwendiger Grund- und Sprachkompetenzen zu unterstützen.
„Dafür brauchen wir verlässliche Strukturen, die Jugendliche und Betriebe zusammenbringen“, betont Schwannecke. „Gerade deshalb ist es völlig unverständlich, dass mit dem Programm ‚Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen‘ ausgerechnet ein bewährtes Instrument Ende 2027 auslaufen soll. Das ist angesichts der bestehenden Passungsprobleme nicht nur der falsche Zeitpunkt, sondern politisch widersinnig.“
Vom BMWE heißt es, man könne angesichts des erheblichen Konsolidierungsdrucks nicht mehr so breit fördern wie zuvor. Vor allem auslaufende Förderprogramme seien bei einer Prüfung aller Maßnahmen besonders berücksichtigt worden, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage. Zurückziehen wolle sich das BMWE aber nicht aus allen Maßnahmen für ein besseres Zusammenspiel von Jugendlichen und Betrieben. So würden unter anderem die Allianz für Aus- und Weiterbildung und die Vernetzung von Ausbildungsbotschafterinitiativen weiter unterstützt.

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