Die Rentenkommission hat ihre erarbeiteten Reformvorschläge vorgelegt. Das Handwerk sieht in zentralen Punkten Anpassungsbedarf. Ein Überblick.
Die Vorschläge der Rentenkommission liegen nun offiziell vor. Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas haben eine vollständige Umsetzung der Empfehlungen angekündigt.
Zu den wichtigsten Empfehlungen der Kommission gehört:
Das Handwerk bewertet viele Vorschläge der Rentenkommission positiv: die Einschränkung der Frühverrentung, die Wiedereinführung eines Nachhaltigkeitsfaktors und den Einstieg in die Kapitalrente. „Ebenfalls richtig ist eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige“, sagt Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).
Aber der ZDH sieht auch Punkte, an denen die Politik „nachsteuern“ müsse:
Die Empfehlungen der Rentenkommission könnten für mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen im Rentensystem sorgen, so Dittrich. Die Koalition müsse nun den Mut aufbringen, das Gesamtpaket „als Ganzes umzusetzen“. Zugleich müsse sie für Entlastung der Wirtschaft an anderer Stelle sorgen, damit diese „wieder in Schwung“ kommt. Denn durch die Rentenreform würden „Betriebe ebenso wie die Beschäftigten zunächst erneut massiv belastet“.
Auch der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) spricht sich für eine zügige Umsetzung der Rentenreform aus.
Nicht alle Lösungen seien ideal, weder für Arbeitgeber noch für Mitarbeitende. Doch lange Diskussionen über einzelne Vorschläge würden „nur dazu führen, dass das Zeitfenster für Reformen verpasst wird“, sagt ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. „Lieber ein guter Kompromiss als gar keine Reform.“
Positiv bewertet der ZDB die verpflichtende Kapitalrente. Problematisch sei jedoch die Finanzierung über zusätzliche Beiträge. Das Baugewerbe sei längst mit einer eigenen tarifvertraglichen, kapitalgedeckten Vorsorge vorangegangen. Für diese würden Arbeitgeber ab 2028 bundeseinheitlich 3,2 Prozent zusätzlich zum Bruttolohn aufwenden.
Daher müsse es Anrechnungsmöglichkeiten für Branchen geben, die bereits eigene kapitalgedeckte Altersvorsorgesysteme aufgebaut haben. Sie dürften “jetzt nicht dafür bestraft werden, dass sie Vorreiter waren“, betont Pakleppa.
Kritik kommt indes auch vom Bundesverband der Arbeitgeber (BDA). „Insgesamt hätten wir uns mehr Ambition vorstellen können“, sagt BDA-Präsident Rainer Dulger zu den Empfehlungen der Rentenkommission:
„Alle Elemente dieses Reformpakets müssen jetzt zügig umgesetzt werden“, sagte Merz nach der Übergabe des Berichts in Berlin. Man könne es sich nicht erlauben, einzelne Maßnahmen herauszunehmen oder abzulehnen, so der CDU-Politiker.
Die Maßnahmen würden ineinandergreifen und sich gegenseitig ausbalancieren. „Sie bilden ein Gesamtkonzept, das nur in seiner Gesamtheit funktioniert“, sagte der Kanzler. Die Koalition sei sich daher einig, das Paket „vollständig“ umzusetzen.
Merz würdigte die Vorschläge als „ausgewogenes Paket“. „Diese Empfehlungen sind von allergrößter Bedeutung“, sagte der CDU-Vorsitzende. Sie könnten den Trend umkehren und dazu führen, dass das Rentenniveau steigt und die Beiträge sinken.
Merz versprach: Kürzungen von Rentenleistungen werde es nicht geben. Bisher seien nur kleine Korrekturen am Rentensystem vorgenommen worden, dies sei nun eine große Reform. "Es ist allerhöchste Zeit. Nichtstun ist keine Option“, sagte Merz.
Bundesarbeitsministerin Bas sieht mit den Vorschlägen der Expertenkommission zur Zukunft der Rente auch eine Perspektive für heute junge Menschen. Durch den empfohlenen paritätisch finanzierten Kapitalstock werde das Rentenniveau steigen, sagte die SPD-Politikerin zur Entgegennahme des Abschlussberichts der Regierungskommission in Berlin. Damit werde die junge Generation später eine höhere Rente haben als die Rentner heute. Sie werde nicht vergessen. Es sei gelungen, ihr eine Perspektive aufzumachen.
Bas betonte mit Blick auf die insgesamt 33 Vorschläge: „Es gibt jetzt kein Rosinenpicken, es ist ein Gesamtkunstwerk.“ In dem Paket greife alles ineinander, so dass man nicht das eine oder andere weglassen könne. Für die Umsetzung müssten sicherlich noch die Koalitionsfraktionen mitgenommen werden. Sie sei sehr zuversichtlich, dass dies gelingen könne. (kaf/jw/dpa)

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