Nachts aufwachen und nicht wieder einschlafen können. Viele leiden darunter, nicht durchschlafen zu können. Doch es gibt Wege aus der Schlafstörung.
Ob Termindruck, fehlende Fachkräfte, überbordende Bürokratiepflichten oder die trübe wirtschaftliche Situation: Viele Chefinnen und Chefs im Handwerk nehmen ihre Sorgen mit ins Bett. Allerdings leidet häufig der Schlaf, wenn nachts die Gedanken um den Betrieb kreisen. Mit diesem Problem sind Unternehmer im Handwerk nicht allein.
Eine aktuelle Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI) belegt, dass hierzulande jeder Dritte Probleme beim Durchschlafen hat und etwa jeder sechste Erwachsene über Probleme beim Einschlafen berichtet. Darüber hinaus geht aus der Analyse hervor, dass rund jeder achte Erwachsene sowohl von Ein- als auch von Durchschlafproblemen betroffen ist. Das RKI macht darauf aufmerksam, dass regelmäßige Schlafprobleme über einen längeren Zeitraum die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität beeinträchtigen und eine sogenannte Insomnie (Schlafstörung) vorliegt.
Dr. med. Hartmut Grüger, der unter anderem Facharzt für Schlafmedizin und Innere Medizin und Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin Düsseldorf Grand Arc ist, gibt eine Einordnung zur Analyse des RKI. „Wenn ein Drittel der Bevölkerung chronisch schlecht durchschläft, ist das kein individuelles Befindlichkeitsproblem mehr, sondern ein relevantes, gesellschaftliches und gesundheitsökonomisches Phänomen.“
Eine weitere, im Februar 2026 veröffentlichte Studie im „European Journal of Neurology“ schätzt die jährlichen gesellschaftlichen Kosten von Schlafstörungen in Deutschland auf rund 106 Milliarden Euro. Damit liege Deutschland auf Platz eins von insgesamt 30 Ländern, die in der Studie untersucht wurden. Daran beteiligten sich unter anderem Forscherinnen und Forscher aus Deutschland.
Selbstständigen Handwerksunternehmerinnen und -unternehmern empfiehlt der Schlafmediziner Grüger verschiedene Maßnahmen, um die Ein- und Durchschlafstörungen zu beheben:
Die kognitive Verhaltenstherapie ist der häufigste und gleichzeitig der effektivste Behandlungsansatz bei Schlafstörungen, insbesondere bei Durchschlafproblemen. Dieser Ansicht ist neben Hartmut Grüger auch die Stiftung Gesundheitswissen.
Die Therapie fokussiert sich vor allem auf die Ursachen der Durchschlafprobleme. Im Rahmen der Therapie werden Gedanken, Gefühle und das eigene Verhalten reflektiert und Alternativen erarbeitet. Techniken wie das Lernen von anderen Menschen in einer Gruppe oder das gezielte Aussetzen einer Problemsituation sind Bestandteile der Therapie.
Schlafmediziner verstehen unter der Schlafhygiene alle Gewohnheiten und Umgebungsbedingungen, die einen gesunden und erholsamen Schlaf fördern. „Viele Schlafstörungen sind hausgemacht, weil die Schlafhygiene missachtet wird“, so Hartmut Grüger. Das blaue Licht von Smartphones oder Tablets im Bett würde dem Gehirn signalisieren, dass es Tag ist. Auch Alkohol als vermeintliches Einschlafmittel sei wenig förderlich für einen gesunden Schlaf. Es helfe beim Einschlafen, beschädige allerdings die Schlafarchitektur in der zweiten Nachthälfte. Zudem beeinflusst die Raumtemperatur das Ein- und Durchschlafen. „Ideal sind 16 bis 18 Grad Celsius“, so Grüger. Wer seine Schlafhygiene optimiert, nehme den Schlafstörungen oft schon den ersten Wind aus den Segeln.
Wie die Stiftung Gesundheitswissen mitteilt, sind es bereits kleine Änderungen in den Gewohnheiten, die zu einer besseren Schlafhygiene führen und für ein besseres Ein- und Durchschlafen sorgen. Dazu zählt ein ruhiges und dunkles Schlafzimmer. Neben der richtigen Raumtemperatur sollten vor allem die Fenster mit Rollläden oder blickdichten Vorhängen verdunkelt und sämtliche Elektrogeräte verbannt werden. Zudem würde Musik zum Einschlafen oder Lesen zu den Maßnahmen gehören. Das betont auch Hartmut Grüger. „Das Abendritual signalisiert dem Körper den Übergang in die Ruhephase.“

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