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Vermögensverteilung zwischen Ehegatten

Schenkungsteuer sparen mit der Güterstandsschaukel

Bei der Übertragung größerer Vermögen wird oft Schenkungsteuer fällig. Ehepaare vermeiden das per Güterstandsschaukel – auch zugunsten ihrer Kinder.

4 Min.22.09.2026, 14:43 Uhr
Von
Jörg Wiebking
Jörg Wiebking
Jörg Wiebking
Eheringe und eine Rolle Geldscheine
Nach der Hochzeit gehört alles beiden zusammen? Steuerlich ist das nicht so einfach, wenn einer von beiden deutlich mehr verdient. Doch dafür gibt es eine Lösung: die Güterstandschaukel. stadtratte - Fotolia.com

Zitiervorschlag

Schenkungsteuer sparen mit der Güterstandsschaukel . In: /steuern-und-finanzen/schenkungsteuer-sparen-mit-der-gueterstandsschaukel, 22.09.2026, /steuern-und-finanzen/schenkungsteuer-sparen-mit-der-gueterstandsschaukel (abgerufen am: 06.11.2026)

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Auf einen Blick

Die Güterstandsschaukel ist ein legaler Weg, Steuern bei der Übertragung großer Vermögen an Ehegatten zu sparen. Durch den Wechsel zwischen Zugewinngemeinschaft und Gütertrennung vermeiden Ehepaare auch, dass das Finanzamt vielleicht später vermeintlich gemeinsames Vermögen als steuerpflichtige Schenkung behandelt.

Auf diesem Weg lassen sich sogar Vermögen schneller auf die eigenen Kinder übertragen – auf dem Umweg über den Ehegatten.

Nur ein Hindernis gibt es: Wenn Betriebsvermögen im Spiel ist, sollte der Ausgleich nicht durch Betriebsanteile erfolgen.

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Jörg Wiebking
Jörg Wiebking

Freier Autor für Betriebsführung, Recht und Steuern & Finanzen

Rekordeinnahmen durch Erbschaft- und Schenkungsteuer: 21,4 Milliarden Euro haben die deutschen Finanzämter 2025 festgesetzt, ein Plus von 60,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, meldet das Statistische Bundesamt. „Das liegt vor allem am demografischen Wandel. Viele, die Vermögen aufgebaut, aber nicht vorgesorgt haben, versterben jetzt“, sagt Steuerberaterin Alison Siefert aus Hannover. „In manchen Fällen hätte die Güterstandsschaukel diese Steuerlast vermeiden können.“

Was ist die steuerfreie Güterstandsschaukel?

Die Güterstandsschaukel erlaubt es Ehepaaren, Vermögen steuerfrei zu übertragen – auch wenn sie den Schenkungsfreibetrag schon ausgeschöpft haben. Der Begriff „Schaukel“ beschreibt den dafür erforderlichen Wechsel des ehelichen Güterstands: von der Zugewinngemeinschaft zur Gütertrennung und wieder zurück.

Warum und für wen ist das wichtig?

Was vielen Ehepaaren nicht bewusst ist: Das in der Ehe erworbene Vermögen gehört steuerlich dem, der es verdient hat:

  • Ist das Einkommen beider Eheleute gleich hoch, sind sie auch steuerlich Eigentümer des Vermögens.
  • Stammt das Geld für die gemeinsame Investition jedoch überwiegend aus dem Einkommen nur eines Ehegatten, handelt es sich steuerlich um Schenkungen zwischen den Ehepartnern. „Solche Schenkungen muss der Empfänger dem Finanzamt melden – was oft nicht geschieht“, sagt Siefert. Kommt es später bei einer Scheidung oder nach dem Tod eines Partners ans Licht, fordert das Finanzamt die Schenkungsteuer nachträglich ein. Die Güterstandschaukel vermeidet das.
Steuerberaterin Alison Siefert
„Die Güterstandsschaukel funktioniert auch als Hebel bei der Übertragung auf die Nachkommen“, sagt Steuerberaterin Alison Siefert. Steuerberaterkammer Hannover

Vorteil auch für Kinder

Ein weiterer Vorteil: „Die Güterstandsschaukel funktioniert auch als Hebel bei der Übertragung auf die Nachkommen“, betont Siefert. So funktioniert es:

  • Kinder haben einen Schenkungssteuerfreibetrag von 400.000 Euro – alle zehn Jahre je Elternteil und Kind.
  • Gehört das Vermögen nach dem Zugewinnausgleich auch steuerlich beiden Elternteilen, können sie Vermögen leichter weiterverschenken: zusammen 800.000 Euro alle zehn Jahre

Wie funktioniert die Güterstandsschaukel?

Ohne Ehevertrag leben Ehepaare automatisch im Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet:

  • Vermögen, das ein Partner in die Ehe einbringt, bleibt sein Eigentum.
  • Das gilt jedoch nicht für Vermögenszuwächse während der Ehe. Sie werden bei Scheidung als Zugewinnausgleich aufgeteilt.
  • Dieser Zugewinnausgleich ist steuerfrei.

Das gilt nicht nur für die Scheidung, sondern auch, wenn ein Paar von der Zugewinngemeinschaft zur Gütertrennung wechselt.

Beispiel: die Güterschaukel bei einem Ehepartner mit Handwerksbetrieb

Wie die Güterstandschaukel in der Praxis funktioniert, macht Siefert an einem Beispiel deutlich:

A und B heiraten ohne Ehevertrag. A gründet einen Handwerksbetrieb, B arbeitet auf Minijob-Basis mit. Während der Ehe erwirtschaftet A ein Vermögen von 4 Millionen Euro. A möchte dieses Vermögen mit B teilen. Zwei Wege sind möglich:

  • Schenkung: A überträgt 2 Millionen Euro auf B. Als Ehepartner hat B einen Freibetrag von 500.000 Euro. Für die restlichen 1,5 Millionen Euro fallen 285.000 Euro Schenkungsteuer an.
  • Wechsel zur Gütertrennung: B erhält einen steuerfreien Zugewinnausgleich von 2 Millionen Euro.

Das Paar entscheidet sich für die Gütertrennung und lässt den Ehevertrag notariell beurkunden. Kurz darauf kehren sie zur Zugewinngemeinschaft zurück.

Der Grund für den erneuten Wechsel:  A wird voraussichtlich weiteres Vermögen erwirtschaften. Bliebe es bei der Gütertrennung, könnte A den neuen Zuwachs mit B nur per Schenkung teilen, also maximal 500.000 Euro alle zehn Jahre. Doch durch die schnelle Rückkehr zur Zugewinngemeinschaft kann B erneut vom steuerfreien Zugewinnausgleich profitieren – indem beide erneut Gütertrennung vereinbaren.

Voraussetzungen für die Güterstandsschaukel

Der Wechsel zwischen Güterständen löst keine Schenkungsteuer aus , wenn zwei Bedingungen erfüllt sind, so Siefert:

  1. Ein Notar muss den Ehevertrag und jede Änderung beurkunden.
  2. Der Zugewinnausgleich muss tatsächlich erfolgen, in Form einer Zahlung oder einer anderen Übertragung von Vermögen.

Erst, wenn diese beiden Bedingungen erfüllt sind, ist ein erneuter, notariell beurkundeter Wechsel zur Zugewinngemeinschaft möglich. „Man kann das sogar in einer einzigen Urkunde regeln“, sagt Siefert. „Aber auch dann muss man sicherstellen, dass der Zugewinnausgleich auch wirklich vollzogen wird.“

“Lässt sich der Zugewinnausgleich nicht in bar oder eine Überweisung oder durch von der Spekulationssteuer befreite Immobilien leisten, sollte man besser auf die Güterstandsschaukel verzichten.”

Alison Siefert, Steuerberaterin

Grenzen und Risiken der Güterstandsschaukel bei Betriebsvermögen

Die Güterstandsschaukel birgt kaum Risiken, solange der Zugewinnausgleich einfach zu vollziehen ist – etwa durch Geldüberweisungen oder die Übertragung von Wertpapierdepots. Einfach funktioniert das auch mit Immobilien, die sich mindestens zehn Jahre im Eigentum eines Gatten befinden. „Andernfalls würde Einkommensteuer in Form der sogenannten Spekulationssteuer bei der Übertragung der Immobilie fällig werden“, warnt Siefert.

Kritisch sei auch die Übertragung von Betriebsvermögen, sagt die Steuerberaterin. In solchen Fällen würde Einkommensteuer fällig:

  • Bei Kapitalgesellschaften sind nach einem Freibetrag von 9.060 Euro 60 Prozent der übertragenen Anteile steuerpflichtig.
  • Bei Einzelunternehmen liegt der Freibetrag bei maximal 45.000 Euro, sinkt jedoch mit steigendem Betriebsvermögen.

Sieferts Rat: „Lässt sich der Zugewinnausgleich nicht in bar oder eine Überweisung oder durch von der Spekulationssteuer befreite Immobilien leisten, sollte man besser auf die Güterstandsschaukel verzichten.“

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