Spezialisierung, Social Media und gute Kommunikation: Warum diese Mischung Betriebe sichtbarer macht und Mitarbeiter bindet.
Wie schafft man es, ein stabiles Team aufzubauen und an den Betrieb zu binden? Diese Frage stellten sich auch Lars und Mirka Böhm vor einigen Jahren. Und begannen, Ideen zu entwickeln, die ineinander greifen und auf Wachstum und Sichtbarkeit des Handwerksunternehmens einzahlen.
Anlass war die Verschmelzung von zwei Betrieben: Das bereits 1963 gegründete Familienunternehmen der Böhms und der Betrieb, mit dem sich Lars Böhm 2008 selbstständig gemacht hatte. So entstand der Fliesen- und Natursteinbetrieb Voigt und Böhm in Hude, in dem Lars Böhm 2016 die Geschäftsführung übernahm. Seitdem arbeitet er gemeinsam mit seiner Frau Mirka vorrangig an neuen Strukturen und Prozessen des Handwerksbetriebs. Schnell stellten die Böhms fest, dass sie jemanden brauchen, der die Büroarbeit übernimmt – und noch mehr. So wuchs der Fliesenlegerbetrieb von wenigen Personen auf aktuell 15 Mitarbeitende.




Lars Böhm arbeitet mittlerweile fast ausschließlich am Unternehmen. Er sorgt für Aufmaße, Grundrisse, die Abstimmung zwischen Kunden und den Mitarbeitenden auf den Baustellen. Drei Viertel der Aufträge des Huder Betriebs sind Badsanierungen. Den Meister begeistert der Vorher-Nachher-Effekt: „Das ist nicht nur für die Kunden ein tolles Gefühl, auch wir als Betrieb sind jedes Mal stolz auf das, was wir geschafft haben“, sagt er.
Mirka Böhm ist für die Fliesenausstellung und die Kundenberatung zuständig. „Ich versuche mich in Projekte so reinzudenken, als wenn es mein eigenes Bad wäre“, sagt die 45-Jährige, die aus dem Einzelhandel kommt und sich als Fachberaterin für Fliesen weitergebildet hat.
Sie hat sich in den ersten Jahren nach Einstieg in den Betrieb damit beschäftigt, wie sich das Familienunternehmen vom Wettbewerb abheben kann. „Warum sollen Kunden zu uns kommen? Diese Frage stand für mich im Mittelpunkt“, sagt sie. Die Antwort lautete Spezialisierung. „Wir haben uns als Anbieter von XXL Fliesen positioniert und das konsequent über alle Kanäle kommuniziert“, berichtet Mirka Böhm. Einige Jahre später merken die Unternehmer die Resonanz: Kunden kommen gezielt aufgrund dieser Spezialisierung zu ihnen.
“Perfekt ist nicht immer besser, aber authentisch müssen die Videos sein.”
Ein entscheidender Hebel in der Kommunikation des Betriebs sind die Social-Media-Kanäle und die Website. „Gerade, wenn man im ländlichen Gebiet sitzt, muss man Wege finden, um sichtbarer zu werden“, betont Böhm. Neben der Online-Werbung mit Bannern und den regelmäßigen Beiträgen auf Instagram und Facebook, setzt der Fliesenlegerbetrieb auf herkömmliche Werbemethoden: So wurden die Fahrzeuge einheitlich beschriftet und im Ort Banner aufgehängt, die auf die Dienstleistungen des Betriebs hinweisen. Das Fazit: „Darin zu investieren ist absolut sinnvoll.“
Nicht nur die Anzahl der Mitarbeitenden ist bei Fliesen Voigt und Böhm gewachsen, sondern auch die Zahl der Follower. Bei Instagram sind es mittlerweile über 16.000. Was war der Schlüssel? „Ich habe erst angefangen zu posten und nach einer Weile gemerkt, dass es mehr Struktur und Regelmäßigkeit braucht“, berichtet Mirka Böhm. Dann habe sie Schulungen besucht und die Beiträge strategischer geplant, mehr Reels produziert, weniger Fotos. „Perfekt ist nicht immer besser, aber authentisch müssen die Videos sein“, ist sich die Unternehmerin sicher. Zudem habe sie analysiert, welche Inhalte gut laufen und immer wieder angepasst. „Auch Wiederholungen sind wichtig, weil Kunden bestimmte Informationen erst nach mehrfachem Kontakt aufnehmen“, sagt sie.
Lars Böhm freut besonders, dass die Instagram-Beiträge auch die junge Zielgruppe erreichen. „Wir hatten sogar Bewerbungen von Azubis aufgrund der Social-Media-Aktivitäten.“ Ein neuer Azubi startet im August, einer wird im Sommer fertig und bleibt dem Betrieb als Geselle erhalten. Auch die Neuen werden von dem „Azubi-Tag“ profitieren, der in Kooperation mit Fliesen Götting in Bösel zweimal jährlich stattfindet. Dort können sich die Azubis austauschen und der Tag beinhaltet je auch einen praktischen Teil als Weiterbildung für den handwerklichen Nachwuchs – ein Projekt, das sich in den vergangenen Jahren bewährt hat.
Von allen im Team wird auch das sogenannte „Mach mich besser“-Meeting angenommen, das etwa alle zwei Monate stattfindet. Dort werden die aktuellen Baustellen besprochen und auch Probleme kommen auf den Tisch. „Die offene Atmosphäre ist toll und das Format hat sich etabliert“, sagt Lars Böhm. Ein gutes Miteinander, der Austausch auf Augenhöhe und eine intensive Kommunikationskultur tragen dazu bei, dass der Betrieb weiter wächst.