Ausbildung bleibt der wichtigste Weg gegen den Fachkräftemangel. Diese Beispiele und Umfrageergebnisse zeigen, worauf Betriebe und junge Menschen heute Wert legen.
Sieben neue Azubis haben zum Ausbildungsstart im August bei Metallbau Burckhardt im niedersächsischen Isernhagen angefangen. „Wir haben alle Stellen besetzt. Darauf sind wir richtig stolz“, sagt Florian Fürstenberg, Ausbildungsleiter in dem Handwerksbetrieb. Im vergangenen Jahr haben dort genauso viele Lehrlinge ihre Ausbildung begonnen, die meisten als Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionstechnik. Damit beschäftigt das Unternehmen mit mehr als 300 Mitarbeitenden derzeit 23 Auszubildende.
Der Metallbaubetrieb liegt mit seinen Auszubildendenzahlen im bundesweiten positiven Trend. Seit Jahresbeginn ist die Zahl der Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gestiegen. In Niedersachsen gaben bei einer Befragung der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN) 64 Prozent an, alle Ausbildungsplätze besetzen zu können. 13 Prozent der über 800 befragten Betriebe hatten die Stellen im Juli noch nicht besetzt: Sie gehen aber davon aus, dass sie noch geeignete Bewerber finden. Dass die freien Ausbildungsplätze nicht mehr vergeben werden können, sagten 23 Prozent der Teilnehmenden.
„Jeder unbesetzte Ausbildungsplatz ist mehr als eine betriebliche Lücke“, sagte der LHN-Vorsitzende Eckhard Stein bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse. Jede unbesetzte Stelle sei eine verpasste Chance für einen jungen Menschen und damit eine fehlende künftige Fachkraft. Die Folge seien fehlende Gesellinnen und Gesellen sowie später Meisterinnen und Meister. Damit fehlten dann auch potenzielle Nachfolger für die zahlreichen Handwerksbetrieben, die junge Übernehmer suchen.


Auch in Sachsen-Anhalt bilden die Betriebe wieder mehr junge Menschen aus. Die Handwerkskammer Magdeburg beispielsweise verzeichnet 1,2 Prozent mehr Ausbildungsverträge. Burghard Gruppe, Kammer-Hauptgeschäftsführer führt die positive Entwicklung der Ausbildungszahlen auch auf Landesprogramme wie die Schülerferienpraktikumsprämie und die Praxislerntage zurück. „Dass die Ausbildungszahlen trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen steigen, ist ein Zeichen dafür, dass Ausbildung der wichtigste Weg der Fachkräftesicherung ist“, so Gruppe beim Pressegespräch der Kammer bei der Car Service Magdeburg GmbH.
Die Anforderungen der jungen Menschen haben sich verändert. Darauf reagieren auch die Handwerksbetriebe und stellen sich stärker auf, um auf sich aufmerksam zu machen. Auf die Frage, welche Punkte den Ausbildungsbetrieben am wichtigsten sind, um junge Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, antworteten die meisten Betriebe der LHN-Umfrage
Große Zustimmung erhielten in der Umfrage zudem die Punkte
Auch bei Metallbau Burckhardt ist die Suche nach jungen Fachkräften nicht immer leicht, bestätigt Personalmanager Fürstenberg. Auszubildende hingegen habe der Betrieb in den vergangenen Jahren erfolgreich finden und binden können. Wie hat der Betrieb das geschafft?
„Wir haben die Führungsebene umgebaut und der Ausbildung eine noch bessere Struktur gegeben. Jetzt gibt es klare Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten, damit jeder Azubi verlässlich seine Ansprechpersonen hat“, sagt Fürstenberg. Im fachlichen Bereich werden die jungen Handwerker theoretisch und praktisch bei der Prüfungsvorbereitung unterstützt. In einer Lehrwerkstatt kann der Ausbilder dort mit jedem, der Bedarf hat, üben. „Wir geben uns große Mühe, fachlich und auch persönlich für die Azubis da zu sein. Dafür bekommen wir gute Rückmeldungen von ihnen“, betont der Personalmanager.
Die Ausbildungsumfrage der LHN zeigt auch, welche Anstrengungen Betriebe unternehmen, um Azubis und Mitarbeitende stärker zu binden. Innerhalb des vergangenen Jahres haben sie demnach einige Maßnahmen umgesetzt:

„Mir ist das Miteinander hier im Betrieb besonders wichtig: Jeder gibt auf den anderen Acht und man hilft sich gegenseitig“, sagt der 16-jährige Robert Reßler. Das erste Lehrjahr zum Metallbauer hat er bereits hinter sich. Es sei immer ein Ansprechpartner für die Azubis da, sei es der Personalleiter, sein Ausbilder oder ein Geselle. Die familiäre Atmosphäre gefalle ihm richtig gut. Aber auch der Aufbau der dreijährigen Ausbildung sei überzeugend: Nach einer Grundausbildung dürften die Azubis in mehrere Bereiche des Metallbaubetriebs reinschnuppern und sich dann für einen Schwerpunkt entscheiden. Und was ist sein Favorit? „Ich glaube, mir liegt der Kundenkontakt gut“, wagt Reßler einen Ausblick.
Zwar startet seine Ausbildung bei Car Service Magdeburg erst. Doch Azubi Tim Levie Truczynskis Interesse für das Kfz-Handwerk ist groß. Zum Ausbildungsstart sagte er: „Ich habe mich für eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker entschieden, weil ich mich für Fahrzeugtechnik interessiere und viel an Mopeds rumschraube. Die Car Service Magdeburg GmbH wurde mir von Bekannten empfohlen, weil hier das Betriebsklima sehr gut ist. Das ist mir wichtig.“

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