Die Zahl neuer Ausbildungsverträge im Handwerk steigt erneut. ZDH-Präsident Jörg Dittrich nennt dafür mehrere Gründe.
Für die steigenden Ausbildungszahlen nennt Dittrich mehrere Ursachen. Eine davon ist die Diskussion um künstliche Intelligenz (KI) und die Folgen für den Arbeitsmarkt. “Erstens: KI. Junge Menschen erkennen, dass das Handwerk eine echte Alternative bietet, wenn sie einen sicheren Job haben wollen.”
Daneben verweist der ZDH-Präsident auf die stärkere Wahrnehmung des Handwerks in der Öffentlichkeit. “Zweitens: Unsere Imagekampagne und unsere Werbebemühungen sind offensichtlich in der Gesellschaft angekommen.”
Auch bessere Verdienst- und Karrierechancen spielten eine Rolle. Zudem würden viele Industriebetriebe ihre Ausbildungsplätze reduzieren, und: “Teile der Industrie haben die Zahl ihrer Ausbildungsplätze aufgrund der Weltmarktlage massiv verringert.”
“Die Ausbildungszahlen sind ein Lichtblick in einer insgesamt schwierigen Lage.”
Mit Blick auf die steigende Zahl an Auszubildenden fordert der ZDH bessere Rahmenbedingungen für die berufliche Bildung. Dabei geht es vor allem um Investitionen in Bildungszentren und die Finanzierung der Ausbildung.
Dittrich kritisiert den Zustand vieler Einrichtungen deutlich: “Unsere Bildungszentren haben erheblichen Sanierungsbedarf. Dieser darf nicht nur benannt, sondern muss auch finanziell hinterlegt werden.”
Besonders wichtig sei die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung. Diese müsse sich laut ZDH nicht nur politisch, sondern auch finanziell zeigen. “Es kann nicht sein, dass wir junge Menschen in Bildungszentren schicken, die 30, 40 oder 50 Jahre alt sind und dringend modernisiert werden müssen”, so Dittrich.
Der Sanierungsstau müsse ähnlich ernst genommen werden wie die Infrastrukturprobleme bei Straßen oder Brücken. “Die Bildungszentren müssen saniert werden und dafür ist die Ausfinanzierung bisher nicht gegeben.”
Kritik äußert der ZDH auch an möglichen Kürzungen bei Förderprogrammen für die Ausbildung. Besonders das Programm „Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen“ sorgt für Diskussionen. Es soll nach bisherigen Planungen Ende 2027 auslaufen.
Dittrich hält das für ein falsches Signal. “Die Willkommenslotsen und die passgenauen Besetzer haben über Jahre wertvolle Netzwerke aufgebaut und leisten vor Ort einen wichtigen Beitrag, indem sie Betriebe unterstützen, junge Menschen für die duale Ausbildung gewinnen und Menschen aus dem In- und Ausland den Weg in Ausbildung und Beschäftigung ebnen.”
Gerade mit Blick auf den Fachkräftebedarf sei ein Wegfall aus Sicht des ZDH problematisch. “Wer Fachkräfte sichern und die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe stärken will, muss dieses erfolgreiche Programm unbedingt erhalten.” (dpa/kaf)
Die Ausbildungszahlen im Handwerk steigen weiter. Während viele Industriebranchen unter Druck stehen, entwickelt sich die duale Ausbildung im Handwerk gegen den Trend der Gesamtwirtschaft positiv. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) wurden zwischen Januar und Juni 2026 bereits knapp 67.800 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind den Angaben zufolge mehr als 3.160 Verträge beziehungsweise 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
ZDH-Präsident Jörg Dittrich spricht von einem positiven Signal für die Branche: "Die Ausbildungszahlen sind ein Lichtblick in einer insgesamt schwierigen Lage. Wir steuern auf das vierte Jahr in Folge mit steigenden Neuvertragszahlen zu.”
Nach Einschätzung des ZDH entscheiden sich wieder mehr junge Menschen bewusst für eine Ausbildung im Handwerk. Dittrich verweist dabei auf einen ungewöhnlich starken Juni-Wert: “Einen so hohen Juni-Wert hatten wir zuletzt 2018. Das ist eine nachdrückliche Botschaft: Junge Menschen entscheiden sich bewusst für das Handwerk.”
Trotz des bevorstehenden Ausbildungsstarts in vielen Bundesländern gibt es weiterhin offene Stellen. “Allein über die Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern werden derzeit noch Auszubildende für 20.460 offene Ausbildungsstellen gesucht”, so Dittrich.
In einigen Kammerbezirken steigen die Ausbildungszahlen laut ZDH sogar zweistellig. Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel im Handwerk ein zentrales Thema. Viele Betriebe suchen weiterhin Nachwuchs und qualifizierte Mitarbeitende.
Dittrich sieht das Handwerk dabei auch in einer gesellschaftlichen Verantwortung: “Einmal mehr zeigt sich aber gerade beim Thema Ausbildung, dass das Handwerk eben nicht nur eine Wirtschafts-, sondern immer auch eine Gesellschaftsgruppe ist: Auch in schwierigen Zeiten und trotz auch im Handwerk sinkender Umsätze übernimmt das Handwerk Verantwortung.”

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