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Gesetzentwurf

Neue Kassenpflicht für alle geplant: Was Handwerker beachten müssen

Die Bundesregierung plant eine allgemeine Kassenpflicht ab 2028. Sie würde viele Handwerker treffen – wenn sie per Karte kassieren oder bezahlen.

5 Min.24.09.2026, 12:13 Uhr (Aktualisiert am 01.10.2026, 16:27 Uhr)
Von
Jörg Wiebking
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Jörg Wiebking
Bargeld in Hosentasche
Keine Ausnahmen für Handwerker vorgesehen: Wer mehr als 100.000 Euro Umsatz macht und davon mindestens 12.000 Euro in bar oder per Karte, soll eine elektronische Kasse führen. blende11.photo - stock.adobe.com

Zitiervorschlag

Neue Kassenpflicht für alle geplant: Was Handwerker beachten müssen. In: /steuern-und-finanzen/neue-kassenpflicht-fuer-alle-geplant-was-handwerker-beachten-muessen, 24.09.2026, /steuern-und-finanzen/neue-kassenpflicht-fuer-alle-geplant-was-handwerker-beachten-muessen (abgerufen am: 07.11.2026)

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Auf einen Blick

Steuerhinterziehung eindämmen, Bareinnahmen besser kontrollieren – das soll eine neue Kassenpflicht möglich machen, wenn Bundestag und Bundesrat zustimmen.

Handwerksbetriebe mit einem Jahresumsatz über 100.000 Euro und Bar- oder Kartenzahlungen ab 12.000 Euro müssten dann auf elektronische Kassensysteme umstellen.

Ausnahmen gibt für das Handwerk nicht, nur Härtefall-Anträge sind vorgesehen.

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Jörg Wiebking
Jörg Wiebking

Freier Autor für Betriebsführung, Recht und Steuern & Finanzen

Die Bundesregierung plant eine allgemeine Kassenpflicht für Unternehmen. Damit sollen Finanzämter Bareinnahmen besser kontrollieren und Steuerhinterziehung erschweren. Die Regelung betrifft auch Handwerksbetriebe mit einem Jahresumsatz über 100.000 Euro – unabhängig davon, ob sie viel Bargeld umsetzen, wie etwa Friseure oder Bäcker.

Was sich für Handwerksbetriebe ändern könnte

Die Bundesregierung hat am Mittwoch einen Gesetzentwurf vorgelegt, über den nun Bundestag und Bundesrat entscheiden müssen. Die wichtigsten Punkte:

  • Umsatzgrenze: Betriebe mit mehr als 100.000 Euro Netto-Jahresumsatz werden kassenpflichtig. Entscheidend ist der Gesamtumsatz, nicht nur der Barumsatz.
  • Bargeldgrenze: Nur wenn Anteil des Barumsatzes unter 12.000 Euro liegt, entfällt die Kassenpflicht.
  • Betroffene Branchen: Das Gesetz gilt für alle gewerblichen Betriebe – also das gesamte Handwerk. Betroffen sind auch Freiberufler sowie Land- und Forstwirte.
  • Pflichten: Betroffene Betriebe müssen ein elektronisches Kassensystem mit zertifizierter technischer Sicherheitseinrichtung (TSE) nutzen. Das kann eine elektronische Registrierkasse sein, aber auch eine zertifizierte Cloud-Lösung.
  • Starttermin: Maßgeblich ist der Umsatz des Vorjahres. Die Kassenpflicht soll am 1. Juli 2028 beginnen, basierend auf den Umsätzen von 2027.

Beispiel: Der Elektriker E hat 2027 einen Jahresumsatz von 101.000 Euro. Jeden Monat zahlen einige Kunden kleinere Aufträge in bar. In der Summe kommt der Betrieb auf 12.000 Euro Bareinnahmen. Er wird kassenpflichtig und muss 2028 ein elektronisches Kassensystem mit zertifizierter TSE anschaffen.

Kassenpflicht soll nicht nur für Betriebseinnahmen gelten

Der Gesetzentwurf zielt in seiner Begründung auf jede Art von Zahlung ab: auf

  • Betriebseinnahmen,
  • Betriebsausgaben,
  • Entnahmen,
  • Einlagen und durchlaufende Posten.

Auch Zahlungen per Karte fallen unter die Kassenpflicht

Das Gesetz betrifft alle Zahlungen, die nicht per Überweisung oder Lastschrift abgewickelt werden. Das bedeutet: Alle Barzahlungen und alle Zahlungen per Debit- oder Kreditkarten sollen über elektronische Kassensysteme erfasst werden. Das würde für Einnahmen ebenso gelten wie für Ausgaben, erklärt Daniela Karbe-Geßler vom Bund der Steuerzahler (BdSt).

Porträt Daniela Karbe-Geßler
Kartenzahlungen sollten nicht als Barzahlungen gelten, sagt Daniela Karbe-Geßler vom Bund der Steuerzahler. BdSt

Karbe-Geßler hat dafür kein Verständnis: „Kartenzahlungen fließen vom Konto eines Unternehmens direkt auf das Konto eins anderen Unternehmens ein. Eine bessere Erfassung ist nicht möglich.“ Aus Sicht ihres Verbandes sind Kartenzahlungen keine Barumsätze und eine Kassenpflicht sei dafür nicht erforderlich.

Ginge es nach dem BdSt, würde die Kassenplicht künftig nur Betriebe mit Einnahmen und Ausgaben in echtem Bargeld betreffen.

Der BdSt fordert zudem, die Kassenpflicht ausschließlich an einer Umsatzgrenze für Barumsätzen zu orientieren, nicht am Gesamtumsatz.

Kassenpflicht: Auswirkungen auf Handwerksbetriebe

Viele Handwerksbetriebe nutzen noch offene Ladenkassen:

  • Sie bewahren Bargeld meist in einer Geldkassette auf. Doch die Art der Aufbewahrung spielt keine Rolle: Auch ein Marmeladenglas oder die Hosentasche gilt als offene Ladenkasse.
  • Sie dokumentieren Bar-Einnahmen und -Ausgaben in einem Kassenbuch. Bei einer unangekündigten Kassennachschau durch einen Betriebsprüfer müssen Kassenbuch und Kassenstand übereinstimmen.

Ab Juli 2028 würde diese Praxis für Betriebe enden, wenn sie die Gesamtumsatz- und Bargrenzen überschreiten.

Auch Betriebe, die dann viel per Karte zahlen, wären betroffen. Ein Elektriker, der monatlich 1.000 Euro für Material, Software oder Werkzeug per Karte oder bar bezahlt und mehr als 12.000 Euro bar einnimmt, würde künftig eine elektronische Kasse mit TSE benötigen.

Bargeldintensive Branchen wie Friseure oder Bäcker, die bereits moderne TSE-Kassensysteme nutzen, spüren kaum Änderungen.

Beispiel 1: eine Heizungsbauerin

Eine Heizungsbaumeisterin macht mit ihrem Betrieb 500.000 Euro Jahresumsatz und erzielt davon zehn Prozent durch Wartungsaufträge. Die Hälfte diese Aufträge bezahlen Kunden direkt nach der Arbeit vor Ort – bar oder per Karte, insgesamt 25.000 Euro.

  • Heute: Der Betrieb darf eine offene Ladenkasse nutzen.
  • Ab 2028: Er benötigt eine elektronische TSE-Kasse. Die Anschaffungskosten sind abschreibbar, laufende Kosten gelten als Betriebsausgaben. Kassendaten werden digital gespeichert.

Beispiel 2: ein Kosmetiker

Ein soloselbstständiger Kosmetiker mit 65.000 Euro Jahresumsatz, dessen Kunden ausschließlich bar oder per Karte zahlen, bleibt unter der Umsatzgrenze von 100.000 Euro. Die Kassenpflicht greift zunächst nicht.

Keine Ausnahmen für Handwerker geplant

Obwohl das Gesetz noch nicht beschlossen ist, gibt es bereits Pläne für Ausnahmen – vor allem für Banken und Versicherungen. So sieht es der Diskussionsentwurf einer Ausnahme-Verordnung des Bundesfinanzministeriums vor. Sonderregelungen für Handwerker sind darin nicht vorgesehen.

Härtefall-Regelungen nur auf Antrag

In Härtefällen können Betriebe jedoch eine Befreiung von der Kassenpflicht beantragen, zwei Beispiele nennt der Gesetzentwurf dafür:

  • etwa wenn die Umsatzgrenze durch ein einmaliges Ereignis wie den Verkauf eines Grundstücks überschritten wird
  • oder wenn der Umsatz aus der gewerblichen Tätigkeit unter 100 000 Euro liegt, aber durch eine weitere Tätigkeit, die Grenze von 100 000 Euro überschreitet, etwa durch Vermietung und Verpachtung.

Einführung ab 1. Juli 2028 geplant

Überschreitet ein Betrieb die Umsatzgrenze, gilt die Kassenpflicht ab dem 1. Juli des Folgejahres. Fällt der Umsatz später wieder unter die Grenze, bleibt die Kassenpflicht für zwei weitere Jahre bestehen.

Beispiel:

  • 2027: Ein Betrieb erzielt 100.001 Euro Umsatz, davon 12.000 Euro aus Bar- und Kartenzahlungen.
  • Der Betrieb muss ab 1. Juli 2028 eine TSE-Kasse führen.
  • Ende 2028 kommt der Betrieb auf einen Gesamtumsatz von 99.000 Euro.
  • Dennoch muss er die TSE-Kasse bis Ende 2030 führen.

FAQ zur geplanten Kassenpflicht 2028

1. Ist die Kassenpflicht beschlossen?

Noch nicht. Der Gesetzentwurf vom 23. September 2026 muss Bundestag und Bundesrat passieren. Änderungen sind möglich.

2. Ab wann gilt die Kassenpflicht?

Ab einem Jahresumsatz von mehr als 100.000 Euro und mindestens 12.000 Euro Bar- und Kartenumsatz. Die Grenzen gelten für die Umsätze ab 2027 und die Pflicht ab 1.1.2028

3. Darf ich eine offene Ladenkasse weiter nutzen?

Ja, wenn Sie unter den Umsatzgrenzen bleiben oder das Finanzamt einem Härtefall-Antrag zustimmt.

4. Betrifft die Regelung nur bargeldintensive Betriebe?

Nein, sie gilt für alle gewerblichen Betriebe, unabhängig vom üblichen Bargeldanteil. Sie gilt damit für alle Gewerke, egal ob Friseur oder Tischler, Bäcker oder Maler.

5. Gibt es Ausnahmen für Kleinunternehmer?

Nein. Die Kleinunternehmerregelung gilt für Betriebe, deren Gesamtumsatz im Vorjahr maximal 25.000 Euro betragen hat und im laufenden Jahr höchstens 100.000 Euro. Es wäre also möglich, dass ein Betrieb 2026 einen Umsatz von 25.000 Euro macht und 2027 als Kleinunternehmer gilt. Kommt er im Laufe des Jahres 2027 auf einen Umsatz von mehr als 100.000 Euro, verliert er den Kleinunternehmerstatus und würde 2028 voll umsatzsteuerpflichtig. Ob er ab 1. Juli auch eine TSE-Kasse braucht, hängt jedoch davon ab, ob er 2027 einen Bar- und Kartenumsatz von mindestens 12.000 Euro hatte.

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