Ob Politik, Betriebsnachfolge oder Ehrenamt: Die Junioren des Handwerks verstehen sich als Stimme der jungen Generation. Über Ziele und Meilensteine zum 70. Jubiläum des Verbandes.
Ein Netzwerk aus jungen Handwerkerinnen und Handwerkern wird 70 Jahre alt. Der Bundesverband der Junioren des Handwerks feiert Ende September 2026 sein Jubiläum. Was waren wichtige Ereignisse in diesen sieben Jahrzehnten, was die Herausforderungen? Und was treibt die Handwerksjunioren heute an? Franz Vogel ist Tischlermeister und stellvertretender Vorsitzender des Netzwerks. Im Interview gibt er Antworten auf diese Fragen.
handwerk.com: 70 Jahre Junioren des Handwerks in Deutschland. Welche Meilensteine haben den Bundesverband geprägt und worauf können seine Mitglieder heute stolz sein?
Franz Vogel: Für uns ist jede Neugründung eines Junioren-Ortsnetzwerks ein Meilenstein. Denn das zeigt, dass unsere Community stetig wächst und dass junge Handwerkerinnen und Handwerker sich auch weiterhin engagieren und vernetzen möchten. In jüngerer Vergangenheit haben sich beispielsweise neue Ortsnetzwerke in Hessen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen gegründet. Die Mitglieder im Junioren-Netzwerk sind stolz auf ihr Handwerk und tragen ihre Forderungen und Herzensthemen selbstbewusst in die Politik und Öffentlichkeit.
Was bedeutet das Jubiläum für Sie persönlich?
Vogel: Es bedeutet mir sehr viel, dass ich als Vorsitzender der Junioren des Handwerks Berlin zusammen mit meinem Team und der Unterstützung der Handwerkskammer Berlin diesen Jubiläums-Bundeskongress in der Hauptstadt organisieren darf. Wir haben eine Rekordzahl an Teilnehmenden und ein super Programm aufgestellt: Wir veranstalten eine Podiumsdiskussion mit Abgeordneten im Bundestag und vergeben erstmalig die Auszeichnung „Junghandwerkerin und Junghandwerker 2026“ im Würth Haus in Berlin auf der Insel Schwanenwerder.

Welche Rolle spielt das Netzwerk für die persönliche und unternehmerische Entwicklung junger Handwerkerinnen und Handwerker?
Vogel: Unser Netzwerk bietet Mehrwert für alle jungen Handwerkerinnen und Handwerker, die persönlich über sich hinaus wachsen möchten, die über den Tellerrand ihres eigenen Gewerkes schauen und sich für das Handwerk einsetzen möchten. In unserem Netzwerk können junge Nachwuchstalente im Handwerk schnell Führungsverantwortung übernehmen.
Außerdem finden auf Ortsebene und auch auf Bundesebene immer wieder interessante Formate statt, in denen beispielsweise zu Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz informiert wird. Auch das Thema Betriebsübernahme wird bei uns immer wieder aufgegriffen. Somit können insbesondere junge Handwerkerinnen und Handwerker, die selbstständig sind oder es vorhaben, durch unser Netzwerk wertvolle Informationen für Ihre Karriere im Handwerk erhalten.
Warum sollten sich junge Unternehmer in Ihrem Netzwerk engagieren?
Vogel: Wir wollen dafür sorgen, dass ein ehrenamtliches Engagement, beispielsweise als Prüferin oder Prüfer, wieder attraktiver wird. Wer sich unserem Netzwerk anschließt, kann von interessanten Fachvorträgen und Werkstattbesuchen profitieren. Außerdem bekommt man durch uns sehr schnell einen Zugang zu Führungspersonen in der Handwerksorganisation.
Darüber hinaus organisieren wir politische Formate und spannende Handwerksreisen im europäischen Ausland und darüber hinaus. Dieses Frühjahr waren wir beispielsweise in Ägypten und haben uns dort von der traditionellen Handwerkskunst inspirieren lassen. Nicht zuletzt handelt es sich bei uns auch um ein Business-Netzwerk, welches Möglichkeiten zum Wachstum des eigenen Betriebs eröffnet.
“Die größten Herausforderungen für die nächste Generation von Betriebsinhabern sind Lohnnebenkosten und Bürokratie.”
Was sind aktuell die größten Herausforderungen für die nächste Generation von Betriebsinhabern?
Vogel: Die größten Herausforderungen für die nächste Generation von Betriebsinhabern sind die Themen Lohnnebenkosten und Bürokratie. Wir merken, dass junge Menschen im Handwerk trotz ihrer Leidenschaft von diesen Themen abgeschreckt werden und sich in manchen Gewerken Unsicherheit breitmacht. Da kommt die Frage auf, inwieweit mittelständische und kleine Handwerksbetriebe in Zukunft noch wettbewerbsfähig sein können.
Welche Aufgaben der Handwerksjunioren sind heute wichtiger denn je?
Vogel: Als Handwerksjunioren repräsentieren wir die junge Stimme des Handwerks innerhalb der Handwerksorganisation, in den Medien oder auch gegenüber der Politik. Zudem sorgen wir dafür, dass junge Handwerkerinnen und Handwerker Zugang zum Ehrenamt im Handwerk finden. Dieser Zugang ist heute wichtiger, denn je. Denn früher war es eher so, dass ein ehrenamtliches Engagement, beispielsweise in der Handwerkskammer, noch selbstverständlich war. Heute kennen viele junge Handwerkerinnen und Handwerker das Ehrenamt im Handwerk nicht mehr.
Wie möchtet ihr die Zukunft des Handwerks aktiv mitgestalten?
Vogel: Wir tauschen uns mit der Politik aus und reden mit Entscheidern innerhalb der Handwerksorganisation, um unsere Themen anzubringen und das Handwerk zukunftsfest zu machen. Dabei geht es neben den oben bereits angesprochenen Themen, zum Beispiel auch um den Mutterschutz für Selbstständige oder um eine zeitgemäße Ausbildung für die nächste Generation im Handwerk.
Zudem sind wir regelmäßig auf Podiumsdiskussionen wichtiger Handwerkskongresse zu sehen, um dort die Themen der jungen Handwerksgeneration öffentlichkeitswirksam anzusprechen.
Welches Signal wollt ihr vom Jubiläums-Bundeskongress senden?
Vogel: Wir wollen zeigen, wie viel Power und Leidenschaft im jungen Handwerk steckt und wie groß und schlagkräftig unser Netzwerk mittlerweile ist. Wir wollen das Signal senden, dass immer mehr junge Handwerkerinnen und Handwerker auch politisch interessiert sind und die Zukunft des Handwerks mit den eigenen Händen formen möchten. Außerdem wollen wir das zunehmende Interesse junger Handwerkerinnen und Handwerker am Handwerksehrenamt kommunizieren.

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