Weniger Bürokratie, mehr Investitionen und bessere Bildung: Eine aktuelle Studie skizziert eine Reformagenda mit klaren Impulsen fürs Handwerk.
„Wachstumsgrundlagen erneuern, Sicherheit nachhaltig stärken“: So heißt die Studie, die der Gemeinschaftsausschuss der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft in Auftrag gegeben hat. Sie betont die Notwendigkeit eines umfassenden Reformansatzes, um Deutschlands wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit zu sichern. Für das Handwerk besonders relevant sei dabei der Fokus auf Maßnahmen, die Investitionen erleichtern, Betriebe entlasten und Fachkräftepotenziale stärken.
Zentral ist die Forderung nach einer konsequenten Entbürokratisierung. Der Abbau von Regulierungen und Berichtspflichten wird als grundlegender Hebel beschrieben, um Unternehmen – insbesondere kleine und mittlere Betriebe wie im Handwerk – von administrativen Belastungen zu befreien. Schlankere Verwaltungsstrukturen sollten Prozesse beschleunigen und Planungssicherheit erhöhen, so die Studienautorinnen Prof. Dr. Veronika Grimm (Technische Universität Nürnberg) und Prof. Dr. Désirée I. Christofzik (Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer).
Eng damit verknüpft sei auch eine Reform der sozialen Sicherungssysteme. Ziel sollte es sein, die wachsende Bindung öffentlicher Mittel zu begrenzen und neue finanzielle Spielräume zu schaffen. Diese sollten gezielt für Investitionen in Wachstum, Innovation und Infrastruktur genutzt werden – Aspekte, die auch für die Modernisierung handwerklicher Betriebe von großer Bedeutung sind.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt laut der Studie auf dem Ausbau von Bildung und Qualifizierung. Die Autorinnen fordern insbesondere stärkere Investitionen in frühkindliche Bildung sowie in die Bildungs- und Forschungsinfrastruktur insgesamt. Für das Handwerk bedeutet dies bessere Voraussetzungen für die Fachkräftesicherung und die berufliche Qualifizierung, die angesichts des Fachkräftemangels entscheidend ist.
Als zusätzlicher Wachstumstreiber könnte der technologische Fortschritt dienen. In der Studie fordern die Autorinnen dessen Umsetzung und Verbreitung deutlich zu beschleunigen. Für das Handwerk gehe es hier etwa um Digitalisierung, neue Fertigungstechnologien und effiziente Prozesse, die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität erhöhen könnten.
Übergeordnet sprechen sich die Wissenschaftlerinnen für eine „Hebelreform-Agenda“, die auf wenige, besonders wirksame Maßnahmen setzt und gezielt Synergien zwischen Politikfeldern nutzt – anstatt viele Einzelmaßnahmen zu verfolgen. Ergänzend fordern sie eine engere europäische Zusammenarbeit, um wirtschaftliche Stabilität und Resilienz zu stärken.
Die Mitgliedsverbände des Gemeinschaftsausschuss der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft sehen in den Empfehlungen der Studie eine wichtige Grundlage für die wirtschafts- und finanzpolitische Debatte der kommenden Jahre. Sie appellieren an die Politik, die notwendigen Reformschritte entschlossen anzugehen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sieht dringenden politischen Handlungsbedarf. Für das Handwerk lasse sich aus der Studie eine klare Botschaft ableiten: Weniger Bürokratie, mehr Investitionsspielräume, bessere Bildungsstrukturen und schnellere Modernisierung seien entscheidend, um Wachstum und Zukunftsfähigkeit der Betriebe zu sichern.
Weitere Mitgliedsverbände des Ausschusses sind der die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) sowie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

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