Viele Jugendliche möchten für ihre Ausbildung nicht umziehen. Welche Hürden dahinterstecken und welche Maßnahmen die Bereitschaft fördern könnten.
Für den Beginn einer Ausbildung ist die Mobilitätsbereitschaft junger Menschen ein entscheidender Faktor. Das betont das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. In der 2026 veröffentlichten Studie „BeYou – Berufswahl und Du“ zeigt das IAB allerdings, welche Gründe die Umzugsbereitschaft der Jugendlichen in besonderem Maße hemmen. Aus den Ergebnissen leitet das Institut Maßnahmen ab, die dazu beitragen sollen, die Mobilität junger Menschen zu fördern. Denn:
“Mobilität [kann] dazu beitragen, regionale Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt auszugleichen und Fachkräfte dort zu gewinnen, wo sie gebraucht werden.”
Die Untersuchung des IAB zeigt: Etwas mehr als die Hälfte der ausbildungsinteressierten Jugendlichen lehnt einen Wohnortswechsel für die Ausbildung ab (41 Prozent) oder ist sich unsicher (13 Prozent). Von den übrigen 47 Prozent, die sich einen Umzug grundsätzlich vorstellen können, beschränken sich 33 Prozent der Jugendlichen auf die nahe Umgebung. Ein deutschlandweiter Umzug kommt für 14 Prozent der insgesamt 6.300 Befragten infrage.
Die zwei zentralen Gründe für eine fehlende Umzugsbereitschaft sind der Erhebung zufolge die soziale Bindung an das persönliche Umfeld (57 Prozent) sowie zu hohe Wohnkosten (56 Prozent).
Wenn potenzielle Auszubildende aufgrund zu hoher Mietkosten nicht umziehen, könnten vor allem Betriebe in Ballungszentren wie Hochschulstädten leer ausgehen. Dort konkurrieren Azubis mit Studierenden und Personen mit geringem Einkommen um günstigen Wohnraum, warnt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) auf seiner Website.
Doch auch im ländlichen Raum bestehen dem ZDH zufolge Hürden, etwa durch unzureichenden Nahverkehr und eine dezentrale Lage von Handwerksbetrieben und Berufsschulen. Daher brauche es auch dort Lehrlingsunterkünfte. Auf den Punkt gebracht, nennt der ZDH die Mobilitätsförderung von Jugendlichen als „entscheidenden Ansatzpunkt zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses im Handwerk“.
Der ZDH verweist auf verschiedene Fördermöglichkeiten für das Wohnen während der Ausbildung. Dazu gehört unter anderem das Bund-Länder-Programm „Junges Wohnen“, das den Aus-, Neu- und Umbau von Wohnheimplätzen für Studierende und Auszubildende unterstützt. Eine Förderung der Wohnkosten könne beispielsweise über die Berufsausbildungsbeihilfe (§ 56 SGB III) erfolgen.
Weitere Informationen finden Handwerksbetriebe und Auszubildende auf der Website des ZDH im Beitrag „Junges Wohnen: Wohnraum für Azubis“.
Auch IAB-Forscherin Anna Heusler resümiert: „Um die Mobilität junger Menschen zu fördern, sind gezielte und frühzeitige Beratungsangebote sowie finanzielle Förderinstrumente wie Berufsausbildungsbeihilfe und Wohngeld neben Mobilitätszuschüssen wichtig.“
Das IAB empfiehlt konkreter, Beratung früh und gezielt auszubauen. Das sei insbesondere für Haupt- und Realschüler wichtig, da ihre Umzugsbereitschaft vergleichsweise gering ausfalle. Die Angebote sollten nicht nur über die Möglichkeiten informieren, sondern zugleich psychologische Hemmschwellen abbauen.
Damit Jugendlichen der Wechsel in eine fremde Stadt leichter fällt, können Betriebe laut IAB: