Weniger CO₂, regionale Materialien, starke Mitarbeiterbindung: So macht eine Schreinerei Nachhaltigkeit zum Erfolgsmodell.
Nachhaltigkeit ist für zahlreiche Unternehmen längst nicht mehr nur ein theoretisches Konzept, sondern fest in der Firmenphilosophie verankert. Dies gilt auch für die Schreinerei Pfisterer. Eigenen Angaben zufolge wird hier die Nachhaltigkeitskultur auf ökologischer, ökonomischer und sozialer Ebene gelebt. „Nachhaltigkeit bedeutet für uns, dass wir den Betrieb zukunftsfähig führen und die Beschäftigten langfristig an uns binden“, erläutert Bettina Graf, Inhaberin und Geschäftsführerin der Schreinerei.
Das Unternehmen legt großen Wert auf die Wiederverwertung, sodass Holz immer wieder in den Wirtschaftskreislauf kommt. Restabfälle, die beim Möbelbau anfallen, werden von einer betriebsinternen Hackschnitzelheizung verwertet. Dadurch entsteht Wärme, die von der Tischlerei genutzt wird. „Beständigkeit hat für uns eine große Bedeutung. Wir nutzen zum Beispiel auch Strom für unsere Elektrofahrzeuge über unsere Photovoltaikanlage und heizen aus eigenen Holzabfällen“, sagt Graf.
Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt den Betrieb nicht erst seit Kurzem, sondern seit mehr als 25 Jahren. Allerdings habe erst die Corona-Pandemie den Anstoß dafür gegeben, eine Nachhaltigkeitsstrategie sowie konkrete Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. So setzt die Schreinerei laut eigenen Angaben auf Holz aus der Region und vermeidet die Verwendung von Holz außerhalb Europas. „Häufig verarbeiten wir für unseren Möbelbau Bäume, die zum Beispiel durch Unwetter umgefallen sind“, so Graf. Ansonsten würden sie zu Brennholz verarbeitet. „Wir schauen uns die Bäume vor Ort an und oft kaufen wir sie“, so Graf.
Aufgrund der regionalen Verwurzelung der Schreinerei im bayerischen Berg, verfügt der Betrieb über ein großes Netzwerk dort sowie in der Umgebung. So kommen oft Anfragen zum Aufkauf der Bäume.

Außerdem verfügt die Schreinerei über ein eigenes Freiluftlager, in dem die Baumstämme zu dicken Brettern zurechtgeschnitten werden. „Die Bäume werden in unserem Freiluft-Waldlager in Brettern gelagert, bevor sie zu uns auf den Betriebshof in die eigene Trocknung kommen und anschließend zur Möbelherstellung verwendet werden“, so Graf.
In einem selbst verfassten Nachhaltigkeitsbericht aus dem Jahr 2023 und der auf der Webseite des Betriebs einsehbar ist, macht die Schreinerei auf die Dringlichkeit nachhaltigen Wirtschaftens aufmerksam. Darüber hinaus definieren sie in dem Bericht ihre Ziele. Demnach ist es ihr Anliegen, eine nachhaltig wirtschaftende Schreinerei im Sinne von Ökonomie, Ökologie und sozialen Aspekten zu führen und an die Nachfolgegenerationen zu übergeben.
Der Bericht gibt zudem wieder, wie die Schreinerei den Begriff soziale Nachhaltigkeit interpretiert. Demnach begann der Betrieb im Gründungsjahr 1994 Mitarbeiter einzustellen sowie Schreinerinnen und Schreiner auszubilden, die nach der bestandenen Gesellenprüfung übernommen wurden, um weiter für den Betrieb zu arbeiten. Heute hat die Schreinerei insgesamt 19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

„Wir bieten unseren Beschäftigten unter anderem flexible Arbeitszeitmodelle oder längere Auszeiten an. So gibt es Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die statt 40 Stunden in Vollzeit nur 36 Stunden arbeiten, weil sie ihre Zeit mit der Familie verbringen möchten“, sagt Graf. Darüber hinaus bietet die Schreinerei ihren Beschäftigten die betriebliche Altersvorsorge sowie eine Tankkarte und ein Firmenleasing für E-Bikes an. Zudem sind einige von ihnen in der ortsansässigen freiwilligen Feuerwehr tätig. Steht ein Einsatz an, wird die Zeit dafür vom Betrieb bezahlt. „Wir möchten die Feuerwehr und auch andere Vereine unterstützen“, so Graf.
Vor dem Hintergrund der sozialen Nachhaltigkeit setzt sich die Schreinerei für die Geschlechtergleichstellung ein. So gibt es laut eigenen Angaben keinen sogenannten „Gender Pay Gap“. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden dieselben Gehälter bekommen. „Außerdem unterstützen wir unsere Beschäftigten auch bei längeren Auszeiten, egal ob bei Elternzeit oder bei einem längeren Auslandsaufenthalt“, so Graf. Obwohl das unternehmerische Risiko bleibe, wolle man es den Beschäftigten ermöglichen, sich weiterzubilden. „Diese Mitarbeiterbindung verstehen wir unter sozialer Nachhaltigkeit“, sagt Graf.
Der CO2-Ausstoß von Unternehmen ist nach wie vor ein Thema, das mit Nachhaltigkeit eng in Verbindung steht. Laut Angaben des Marktforschungsinstituts Statista konnte der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland im Zeitraum von 1990 bis 2025 von 1.252 Millionen Tonnen auf 649 Millionen Tonnen reduziert werden. Kohlendioxid (CO2) gehört neben Methan und Lachgas zu den Treibhausgasen. Laut Statista habe sich der Rückgang der schädlichen Emissionen jedoch zuletzt verlangsamt und konnte nur um 0,1 Prozent reduziert werden.
Die Schreinerei Pfisterer konnte ihren CO2-Ausstoß im Verlauf der vergangenen Jahre reduzieren. Der Betrieb lässt die Emissionen jährlich von einer Agentur berechnen. In den vergangenen Jahren habe es die Schreinerei geschafft, den CO2-Ausstoß um rund 40 Prozent zu senken. „Derzeit liegen die Emissionen bei uns bei 31 Tonnen CO2. Vor vier Jahren lagen wir noch bei 54 Tonnen“, betont die Unternehmerin. Für die Berechnung des Wertes fließen verschiedene Faktoren mit ein wie zum Beispiel der Arbeitsweg der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Benzinverbrauch der Firmenfahrzeuge.
Unternehmen, speziell Tischlereien, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit intensiver beschäftigen möchten, sollten laut Graf die Beschäftigten in jedem Fall mit einbeziehen. „Es sind die kleinen Schritte im Betrieb, die zu nachhaltigerem Handeln führen“, so die Betriebsinhaberin. Dazu würden unter anderem die Reduktion von Plastik sowie die physische und psychische Gefährdungsbeurteilungen der Arbeitsplätze der Beschäftigten gehören.

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