Ob Fenster, Möbel oder Restaurierungen: Seit Jahrzehnten setzt die Tischlerei Fenske auf individuelle Lösungen und persönliche Beratung.
Für die Liebe tauschte Torsten Seifert die Spitzhacke gegen den Hobel. Als Seifert 24 Jahre alt war, fragte ihn sein Schwiegervater, ob er sich einen Berufswechsel zum Tischler vorstellen könnte. Das konnte er und so machte Seifert ab 1988 seine Ausbildung in der Tischlerei Fenske. Für den Familienbetrieb hat er sich sehr ins Zeug gelegt und oft bis spät gelernt oder gearbeitet. „Es war eine große Umstellung für mich“, berichtet Seifert. „Aber wenn ich es nicht gewollt hätte, hätte ich es auch nicht gemacht.“ 1995 wurde aus dem ehemaligen Bergmann, dann ein Tischlermeister. Er arbeitet heute seit mehr als 40 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Martina in der Tischlerei Fenske in Magdeburg. Seit 2004 führen die beiden den Familienbetrieb in zweiter Generation: Martina Seifert als Inhaberin, Torsten Seifert als Geschäftsführer. „Meine Frau macht die Buchhaltung und das Sekretariat. Meine Aufgaben sind fachliche Beratung und Kundenbetreuung sowie die Angebotserstellung“, erzählt der Tischlermeister. Die 63-Jährige hat den Betrieb von ihrem Vater geerbt und ist in ihren Job als Buchhalterin hineingewachsen.
Die Tischlerei verfügt über ein rund 600 Quadratmeter großes Betriebsgelände mit vier Produktionshallen. Dort werden die unterschiedlichen Arbeitsgänge der Fertigung - vom Zuschnitt bis zur Montage - organisiert und umgesetzt. Auch PKW- und LKW-Stellplätze finden dort Platz. In den Hallen verteilt stehen neun analoge Tischler-Großmaschinen, die bis heute ein wichtiger Bestandteil der Produktion sind.

Angefangen hat die Tischlerei Fenske im Jahr 1970 mit eigens produzierten Bauelementen wie Fenster und Türen. Heute macht dieses Standbein rund 35 Prozent der Arbeit des Betriebes aus. Ende der 1990er-Jahre, Anfang der 2000er-Jahre, hat der Familienbetrieb sein Portfolio mit Reparatur- und Wartungsarbeiten sowie Restaurationen erweitert. „Wir wurden gefragt, ob wir auch was reparieren können, und danach hat sich das einfach ergeben“, erzählt der 64-Jährige. Rund 30 Prozent der Aufträge gehen auf dieses Standbein zurück. 2003 kam das dritte Standbein, der Möbelbau, hinzu. Dieser macht heute ebenfalls etwa 35 Prozent der Aufträge aus.
Die Möbel entstehen vollständig in Eigenproduktion und werden für jeden Kunden individuell geplant und angefertigt. „Kein Möbelstück gibt es zweimal, es sind alles Unikate“, betont Seifert. Geplant werden die Möbel mithilfe eines CAD-Programms. Auf dieser Grundlage entstehen Entwürfe, die anschließend in der Werkstatt Schritt für Schritt umgesetzt werden.
Auch bei anderen Elementen wird der 64-Jährige kreativ: Als Tischlermeister ist Holz meistens die Basis, aber durch die Arbeit mit Fenstern kommt zudem die Komponente Glas mit ins Spiel. Durch Polsterarbeiten ist der Betrieb ebenfalls mit Werkstoffen wie Leder oder Stoff vertraut. „Ich sage gerne: ‚Wir sind eine Obst- und Gemüse-Tischlerei‘, wir haben eine große Auswahl“, erzählt Seifert. Auch Lackierarbeiten gehören zum Leistungsspektrum des Betriebes. Dadurch werden verschiedene Oberflächen individuell gestaltet und an die jeweiligen Anforderungen der Kunden angepasst. Allein für diesen Arbeitsschritt ist eine der vier Produktionshallen vorgesehen.

“Tischler ist ein Konstruktionsberuf”
Der überwiegende Teil der Kundschaft des Familienbetriebes besteht derzeit aus privaten Auftraggebern. „Öffentliche Auftraggeber haben wir fast gar nicht mehr“, erklärt der Tischlermeister. „Mit privaten Kunden kann ich in die direkte Kommunikation gehen, bei öffentlichen Auftraggebern geht es immer nur um die Zahlen.“
An der direkten Kommunikation reizt Seifert, die Kunden zu verstehen und ihre Erwartungen zu erfüllen. „Ich möchte die Menschen auf Ideen bringen, auf die sie selbst noch gar nicht gekommen sind“, beschreibt der 64-Jährige. Dabei schätzt er besonders den direkten Austausch mit den Auftraggebern. Durch die Gespräche bringt er eigene Vorschläge ein, die das ursprüngliche Konzept häufig ergänzen oder erweitern. „Wenn die Kunden begeistert sind und das Konzept perfekt zu ihnen passt, sind sie auch bereit, einen guten Preis zu bezahlen.“
Vom ersten Kontakt bis zum unterschriebenen Vertrag kann es rund drei bis vier Wochen dauern. „Zuerst fahre ich zu dem Kunden, dann muss ich herausfinden, was die Kunden wollen“, erklärt der Tischler seinen Arbeitsprozess. Vor Ort macht Seifert Fotos, nimmt die erforderlichen Maße auf und dokumentiert die räumlichen Gegebenheiten. Diese Informationen bilden die Grundlage für die spätere Planung und Angebotserstellung. Die meisten solcher Aufträge bekommt die Tischlerei über Mund-zu-Mund-Propaganda. Über dieses Netzwerk findet der Betrieb auch seine Auszubildenden und Fachkräfte.



Größere Investitionen plant der Betrieb in Zukunft nicht, da sie sich für ihn nicht mehr lohnen würden. „Wir finden einfach keine Nachfolge. Für viele junge Leute ist das zu viel Verantwortung“, berichtet Seifert.
Trotzdem hat Seifert für die Zukunft ein Ziel: Er setzt auf die Ausbildung. Auch wenn er für den Betrieb keine Nachfolge finden kann, ist es ihm wichtig, das Handwerk zu erhalten. Seinen Auszubildenden möchte er die Fähigkeit seines Handwerks mitgeben und sie für ein zukünftiges Berufsleben wappnen. Dabei ist es ihm wichtig, dass die Auszubildenen auch mitanpacken und nicht nur zuschauen dürfen. „Mein persönliches Anliegen ist es, junge Leute auszubilden. Es muss nicht für meinen Betrieb sein, aber es ist wichtig, die Zukunft des Handwerks zu erhalten“, schließt der Tischlermeister ab.