KI unterstützt Tischler und Schreiner bei Planung, Materialauswahl und Kundenpräsentationen. Das bieten die neuen CAD-Lösungen.
Künstliche Intelligenz übernimmt in modernen 3D-CAD-Systemen immer mehr Aufgaben, die bislang Zeit und manuelle Arbeit erforderten. Die Softwarehersteller PYTHA und Palette CAD haben ihre aktuellen Lösungen um KI-Funktionen erweitert, die Tischlern und Schreinern vor allem bei Planung, Visualisierung und Materialauswahl Arbeit abnehmen sollen.
Die Zeiten, in denen CAD-Software ausschließlich als Konstruktionswerkzeug diente, scheinen vorbei zu sein. Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend Bestandteil moderner Planungsprozesse. So setzen PYTHA sowie Palette CAD inzwischen auf KI-Assistenten, die Arbeitsabläufe beschleunigen und Anwender bei wiederkehrenden Aufgaben unterstützen.
Bei PYTHA V26 stehen insbesondere Funktionen im Mittelpunkt, die die Präsentation von Entwürfen vereinfachen. Aus bestehenden Konstruktionen lassen sich laut Hersteller fotorealistische Renderings innerhalb von Sekunden erzeugen. Lichtstimmungen, Umgebungen und Details werden dabei über Texteingaben gesteuert. Für Tischler und Schreiner kann dies die Kundenkommunikation erleichtern, da Entwürfe schneller und anschaulicher visualisiert werden können.
Darüber hinaus bietet die Software eine KI-gestützte Material- und Texturgenerierung. Oberflächen, Holzarten und Designvarianten lassen sich so anhand textlicher Beschreibungen erstellen. Das soll eine schnelle Entwicklung unterschiedlicher Gestaltungsvarianten ermöglichen. Dabei muss laut Softwarehersteller nicht jede Alternative manuell ausgearbeitet werden.
Unterstützung im Arbeitsalltag verspricht auch ein integrierter Wissensassistent. Dieser greift auf die vorhandene PYTHA-Dokumentation zu und kann Anwendern Funktionswissen, Schritt-für-Schritt-Anleitungen sowie Lösungen für praktische Fragestellungen direkt innerhalb der Software zur Verfügung stellen.
Eine Weiterentwicklung der bereits in V26 integrierten KI-Assistenten bietet zudem fotorealistischen Renderings bestehender PYTHA-Modelle. Demnach lassen sich nun auch Videos daraus erstellen. So können Entwürfe und Projekte noch anschaulicher im CAD-Programm präsentiert werden. Auch die Plug-ins in PYTHA eröffnen neue Möglichkeiten für einen effizienteren Arbeitsalltag: Auf Basis einer offenen Schnittstelle können Anwender mit Unterstützung moderner KI-Tools eigene Erweiterungen entwickeln und PYTHA gezielt an ihre Anforderungen und Arbeitsabläufe anpassen.
Mit dem neu vorgestellten Web-Viewer lassen sich in die PYTHA-Cloud zudem hochgeladene Konstruktionen direkt auf Smartphone oder Tablet betrachten und rendern – inklusive aller technischen Zeichnungen.

Auch Palette CAD hat bereits seine Software um KI-Funktionen erweitert. Unter dem Namen Palette AI bündelt der Hersteller mehrere Werkzeuge, die vollständig in die bestehende CAD-Lösung integriert sind. Ziel ist es demnach, bislang zeitintensive Planungsschritte zu automatisieren.
Eine zentrale Funktion ist der AI Material Finder. Mithilfe eines Referenzbildes sucht die Anwendung automatisch passende Materialien aus der Palette-CAD-Datenbank heraus. Damit soll die Materialsuche deutlich vereinfacht werden.
Mit dem AI Floor Plan richtet sich Palette CAD an Anwender, die bestehende Grundrisse digital weiterverarbeiten möchten. Eingescannte oder digitale Pläne werden innerhalb von Sekunden in maßstabsgetreue 3D-Räume umgewandelt. Das bisher notwendige Nachzeichnen entfällt laut Hersteller vollständig.
Für die Präsentation von Entwürfen steht zudem der AI Magic Touch zur Verfügung. Über Texteingaben entstehen Renderings mit Licht, Dekoration und Atmosphäre. Ziel ist es, Planungsideen schneller und anschaulicher darzustellen.
Für Tischler und Schreiner ergeben sich daraus vor allem Vorteile in zwei Bereichen:
Die KI-Funktionen eröffnen aber auch neue Möglichkeiten, verschiedene Material- und Designvarianten in kurzer Zeit zu entwickeln und zu vergleichen.
Die beiden Hersteller verfolgen dabei einen ähnlichen Ansatz: Die KI soll nicht als separates Werkzeug neben der CAD-Anwendung stehen, sondern direkt in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden. Dadurch werden Planung, Visualisierung und Informationsbeschaffung innerhalb der Software zusammengeführt.
Hersteller für Beschläge und Möbeltechnik wie Ostermann, Hettich oder Häfele haben ihre Produktpalette bereits in die CAD-Programme integriert. Dadurch wird die Planung noch einfacher – die Produkte können so einfach per Klick oder Prompt visualisiert werden.
Mögliche Praxisbeispiele: Die Lichtstimmung passt in der Küche nicht? Eine simple Anpassung verändert das. Die Oberfläche erscheint dem Kunden noch nicht stimmig? Ein Blick in die Produktpalette kann das ändern und die Visualisierung der Küche ist in Sekunden angepasst.
Der Aufwand, alle Daten bereitzustellen, um die Produkte in die Systeme zu bekommen, ist bei den Herstellern immens. Dennoch lohnt sich dieser – die Anforderungen der Tischler und Schreiner wurden von den Herstellern gehört und in die CAD-Programme integriert.
Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass Künstliche Intelligenz zunehmend Teil professioneller CAD-Workflows im Holzhandwerk wird. Im Fokus stehen dabei weniger spektakuläre Zukunftsszenarien als vielmehr konkrete Hilfen für den Arbeitsalltag: schnelleres Planen, einfachere Visualisierung und mehr Unterstützung bei wiederkehrenden Aufgaben. Für Tischler und Schreiner könnte das vor allem eines bedeuten: mehr Zeit für Gestaltung, Beratung und handwerkliche Umsetzung.

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