Katja Schulze setzt Künstliche Intelligenz nicht nur in der Visualisierung und der Kundenkommunikation ein – sie ist Teil des Arbeitsalltags. Was hat sich dadurch verändert?
Was mit der Visualisierung der Raumplanung begann, ist mittlerweile fest in den Arbeitsabläufen von Raumausstattermeisterin Katja Schulze verankert: Künstliche Intelligenz (KI) nutzt sie täglich in der Kundenkommunikation, Organisation und für betriebliche Auswertungen. Gleichzeitig beschäftigt sich die Inhaberin von Katja Schulze Inneneinrichtung in Loxstedt damit, wo die Grenzen der Technik liegen und wie transparent sie den KI-Einsatz gegenüber Kunden macht.
Wenn Kunden bei dem Handwerksbetrieb eine Einrichtungsberatung buchen, ist die Visualisierung der Raumplanung das Herzstück der Arbeit der Raumausstattermeisterin. Auf Grundlage der Kundenanforderungen entwickelt Schulze eigene Gestaltungslösungen und erstellt die Räume anschließend mit einem CAD-Programm in zwei- und dreidimensionalen Ansichten.
Erst danach kommt die KI ins Spiel. Die bereits erstellte Planung wird damit fotorealistischer dargestellt. „Die KI plant den Raum nicht für mich“, sagt Schulze. „Die Gestaltung ist schon vorher entstanden. Ich nutze die KI, damit der Kunde möglichst realistisch sehen kann, wie meine Planung später in seinem Zuhause wirken könnte.“
Aus dem eher schematischen Bild des Planungsprogramms werde so eine realistischere Raumdarstellung. „Fensterglas wirkt dann wie Glas, Licht bekommt eine natürliche Wirkung und Materialien erscheinen plastischer“, beschreibt sie. Auch während Kundenterminen nutzt Schulze KI-Lösungen auf ihrem Tablet. Damit könne sie unterschiedliche Varianten schnell sichtbar machen. Das erleichtere für Kunden die Entscheidung und beschleunige ihre Beratung.
Eine weiteres Thema gewinnt in dem Handwerksbetrieb mit den seit August geltenden Regelungen zum europäischen AI Act an Bedeutung: Die Frage nach der Kennzeichnung von künstlich erzeugten oder manipulierten Inhalten. „Ich habe überhaupt kein Problem damit zu sagen, dass ich KI verwende“, sagt Schulze. Denn die Planung stamme weiterhin von ihr und KI unterstütze sie bei der Darstellung.
Deshalb geht die Meisterin transparent mit dem Einsatz der Technik um. Die zuvor erstellten Bilder zur Visualisierung eines Raumes schickt Schulze per Mail mit dem Angebot an den Kunden. Dort vermerkt sie, dass KI bei der Visualisierung unterstützt hat. Für sie sei entscheidend, wer die fachliche und gestalterische Leistung erbringt und wer am Ende die Verantwortung für das Ergebnis übernimmt.
Neben der Visualisierung kommen in ihrem Betrieb unterschiedliche KI-Systeme zum Einsatz. „Wir nutzen dafür Claude, ChatGPT, die Google KI und andere – je nachdem, welche KI uns in dem konkreten Fall am besten unterstützen kann“, sagt Schulze.
Beim Verfassen von E-Mails, Anschreiben, Angeboten und anderen Texten unterstützt Künstliche Intelligenz, sie strukturiert oder formuliert. Alle Mitarbeitenden seien im Umgang mit den KI-Anwendungen geschult. Und es gibt eine klare Regel: „Selbstverständlich geht hier kein Schreiben raus, das nicht mindestens eine Person überprüft hat“, betont die Unternehmerin. Auch in den Schreiben finden Kunden Hinweise darauf, dass eine KI an der Erstellung beteiligt war. KI arbeite noch nicht fehlerfrei, interpretiere Zusammenhänge falsch oder behaupte teilweise Dinge, die nicht stimmen. Die Verantwortung habe nach wie vor der Mensch – und eben auch die Kennzeichnungspflicht.
Die Nutzung der neuen Technik habe auch die Kommunikation im Betrieb verändert. „Wir sind klarer geworden, nehmen Bewertungen und Launen aus der Kommunikation heraus“, sagt Schulze. Gerade bei schwierigen Anliegen helfe ihr KI dabei, Sachverhalte zunächst objektiv zu sortieren und unterschiedliche Perspektiven zu betrachten.
“Ich habe überhaupt kein Problem damit, offen zu sagen, dass ich KI verwende.”

Die Veränderungen machen sich auch in der Personalstruktur des Handwerksbetriebs bemerkbar. So könnten heute Aufgaben mit KI-Unterstützung erledigt werden, für die sie früher insgesamt etwa zwei zusätzliche Arbeitsplätze benötigt hätte. Die Stellen habe sie deshalb nicht in gleichem Umfang nachbesetzt. KI ersetze zwar noch keinen Mitarbeiter. Aber durch andere Abläufe und neuer Aufgabenverteilung entfallen Tätigkeiten, die früher erhebliche Bürozeit gebunden hätten. Sie ließen sich mithilfe von KI schneller vorbereiten, strukturieren und bearbeiten.
Diese Entwicklung spürt die Handwerksunternehmerin auch wirtschaftlich: „Meine Zahlen sprechen für sich“, sagt Schulze. Mit weniger Personalbedarf habe sich der Umsatz positiv entwickelt. Die Zeit, die sie persönlich in das Lernen und Verstehen der KI- Anwendungen investiert habe, ist für sie eine Investition in ihren Betrieb.
Die Arbeitswelt sei im Wandel und die Chancen, die KI bieten, riesig, ist Schulze überzeugt. Bei aller Begeisterung sieht sie KünstIiche Intelligenz nicht als Ersatz für fachliche Kompetenz. Sie könne Informationen sortieren, Texte formulieren, Daten analysieren oder Raumplanungen visualisieren. Beurteilen, entscheiden und Verantwortung übernehmen müsse weiterhin der Mensch.
„Ich bin froh, dass ich ein Handwerk gelernt habe und mein Beruf nicht zu denen zählt, die schneller als erwartet von der KI erledigt werden können“, betont die Raumausstattermeisterin. Denn bis ein Vorhang montiert oder eine Leuchte von einer KI installiert werde, würden vermutlich noch einige Jahre ins Land gehen.

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