Christian Donislreiter hat seine Kalkulation unter die Lupe genommen und dabei entdeckt, wo sein Betrieb bares Geld verliert. Daraufhin änderte er zwei Dinge.
Elektrotechnikmeister Christian Donislreiter hat seinen Betrieb 2014 gegründet. „In den ersten Jahren der Selbstständigkeit habe ich viel gearbeitet und die betrieblichen Vorgänge kontinuierlich optimiert“, berichtet der Inhaber von Elektrotechnik Donislreiter im bayerischen Tüßling. Trotzdem war er zum Firmenjubiläum 2024 nicht so richtig zufrieden mit dem bisher Erreichten.
„Ich hatte zwar immer genügend Aufträge, aber ich habe mich trotz der vielen Arbeit immer gefragt, warum an Ende so wenig übrig bleibt“, berichtet Donislreiter. Er beschloss deshalb, sich intensiver mit den Zahlen seines Betriebs auseinanderzusetzen und auch hier endlich zu optimieren.
Der Elektrotechnikmeister suchte nach professioneller Unterstützung und stieß dabei zufällig auf die Bierdeckelkalkulation. Das ist eine Kalkulationsmethode, die auf die Bedürfnisse von Handwerksbetrieben zugeschnitten ist.

„Gemeinsam sind wir alle Kosten durchgegangen, die in unserem Betrieb anfallen und haben analysiert, wie viele Stunden das Team pro Jahr produktiv auf der Baustelle arbeitet“, berichtet Donislreiter. Auf Grundlage dieser Zahlen konnte der Unternehmer dann seine Preisuntergrenze ausrechnen – das ist der Stundensatz, den er in seinem Betrieb mindestens braucht, um bei einem Auftrag nach Abzug aller Kosten nicht draufzuzahlen.
Doch damit endete die Analyse von Donisreiter nicht: Gemeinsam mit den Beratern kalkulierte er bereits abgeschlossene Aufträge nach und glich die dort erzielten Stundensätze mit der Preisuntergrenze ab. „Das hat mir Augen geöffnet. Anhand der Zahlen konnte ich sehen, wo ich in der Vergangenheit richtig Geld verbrannt habe“, berichtet der Unternehmer. Bei Tagesbaustellen und beim Kundendienst habe er mit Aufträgen regelmäßig rote Zahlen geschrieben. Mit größeren Projekten, wie zum Beispiel der Montage von PV-Anlagen, habe er dagegen meist gutes Geld verdient. „Das war mir wirklich nicht bewusst“, sagt Donislreiter.
Der Elektrotechnikmeister suchte nach einer Lösung. Kleine Aufträge gar nicht mehr anzunehmen und sich nur noch auf größere Projekte spezialisieren, kam für den Betriebsinhaber nicht infrage. „Ich wollte niemanden ausschließen“, betont der Handwerker aus Oberbayern. Er entschied sich deshalb dafür, seine Kalkulation anzupassen. „Beim Kundendienst kalkuliere ich jetzt mit einem anderen Stundenverrechnungssatz, damit meine Kosten auch bei solchen Aufträgen gedeckt sind.“
Allerdings räumt Donislreiter ein, dass ihn die Anhebung um wenige Euro durchaus Überwindung gekostet hat. „Ich hatte wirklich ein mulmiges Gefühl“, erinnert sich der Handwerker. Doch zu seinem Erstaunen passierte nichts: „Ich habe überhaupt kein negatives Feedback erhalten“, sagt der Unternehmer. Aktuell liege der Stundenverrechnungssatz für den Kundendienst bei 89 Euro und sei damit teuer als eine Meisterstunde.
Donislreiter hat noch mehr in seinem Betrieb geändert: Er setzt inzwischen auf die konsequente Vor- und Nachkalkulation seiner Aufträge. „Nur so weiß ich, ob wir bei einem Auftrag am Ende wirklich Geld verdient haben oder ob ich draufgezahlt habe“, berichtet der Handwerkschef. Seiner Erfahrung nach passt seine Kalkulation meist. „Aber es gibt natürlich manchmal Abweichungen“, sagt der Meister.
Insbesondere wenn er mit einem Auftrag unterm Strich kein Geld verdient hat, schaue er nun genauer hin und suche nach möglichen Ursachen. „Nur so kann ich Fehler in der Kalkulation bei künftigen Aufträgen vermeiden“, betont Donislreiter.
Inzwischen setzt der Elektrotechnikmeister seit fast zwei Jahren auf die Bierdeckelkalkulation und blickt jetzt anders auf das Erreichte zurück als noch zum Firmenjubiläum 2024: „Ich bin jetzt definitiv zufriedener“, sagt Donislreiter. Auch wirtschaftlich spüre er deutliche Veränderungen: „Das Betriebsergebnis liegt deutlich über dem Vorjahr.“ Die positive Entwicklung sei zu großen Teilen auf die vorgenommenen Änderungen zurückzuführen.
Handwerkskollegen könne er nur empfehlen, sich intensiver mit den Zahlen ihres Betriebs auseinanderzusetzen. „Mir macht es inzwischen richtig Spaß“, betont der Meister. „Die Bierdeckelkalkulation war für mich der Weg zu solider Betriebsführung.“

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