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Polnische Leiharbeiter: „Das konnte ich mir nicht vorstellen“

Aufträge wollte Michael Huwald immer mit den eigenen Leuten ausführen. Heute setzt er auch polnische Elektriker ein. Was hat sich geändert?

3 Min.08.04.2025, 15:10 Uhr (Aktualisiert am 08.09.2026, 13:14 Uhr)
Von
Jörg Wiebking
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Jörg Wiebking
Hände werkeln an einem Stromkasten mit mehreren blauen Kabeln herum.
Beim Einsatz von Fachkräften aus dem EU-Ausland, zum Beispiel aus Polen, müssen Handwerker einige Unterlagen kontrollieren. Zaiets Roman - stock.adobe.com

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Polnische Leiharbeiter: „Das konnte ich mir nicht vorstellen“. In: /betriebsfuehrung/polnische-leiharbeiter-das-konnte-ich-mir-nicht-vorstellen, 08.04.2025, /betriebsfuehrung/polnische-leiharbeiter-das-konnte-ich-mir-nicht-vorstellen (abgerufen am: 05.11.2026)

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Auf einen Blick

Mit dem Einsatz polnischer Fachkräfte macht Michael Huwald seit einigen Monaten gute Erfahrungen: Die Leiharbeiter „machen einen sauberen, schnellen und guten Job“.

Die deutschen Kollegen im Team des Handwerksbetriebs freuen sich über die Unterstützung. Für den Chef bedeutet der Einsatz vor allem mehr Flexibilität und weniger Probleme mit dem Fachkräftemangel. Ausschlaggebend für den Einsatz der polnischen Kräfte war allerdings ein anderes Argument.

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Jörg Wiebking
Jörg Wiebking

Freier Autor für Betriebsführung, Recht und Steuern & Finanzen

Strategiewechsel im Elektrofachbetrieb von Michael Huwald: Seit Mitte 2024 setzt der Handwerksbetrieb regelmäßig Fachkräfte aus Polen ein. „Früher konnte ich mir das nicht vorstellen. Ich wollte immer alle Aufträge mit unseren eigenen Leuten umsetzen“, berichtet der Geschäftsführer der Elektro Rieger GmbH im niedersächsischen Langenhagen. Aber das sei durch den Fachkräftemangel „nicht mehr möglich“, sagt Huwald.

Leicht sei ihm der Wechsel nicht gefallen, obwohl andere Betriebe „das schon sehr viel länger machen“. Den Ausschlag habe ein Mitarbeiter gegeben: „Einer unserer Bauleiter wurde auf einer Baustelle von einem Unternehmer aus Polen direkt angesprochen“, berichtet Huwald. „Unser Bauleiter spricht Polnisch und hatte einen guten Eindruck, da haben wir es ausprobiert.“ Seitdem verstärken regelmäßig sechs bis zehn Fachkräfte aus Polen das Team, „je nach Bedarf“.

Wie reagieren die Mitarbeitenden?

Die Begeisterung des Bauleiters wird auch etwas mit der hohen Auslastung des Teams zu tun haben. „In der heutigen Zeit stehen alle Mitarbeitenden ziemlich unter Druck“, sagt Huwald. Sein Team sei froh über die qualifizierte Unterstützung. Die Akzeptanz sei hoch, der Umgang miteinander wertschätzend. „Die gehören dann mehr oder weniger mit zu unserem Team.“

Dazu trage sicher auch die Arbeitsleistung der polnischen Leiharbeiter bei. „Das sind alles gelernte Elektriker, und sie machen wirklich einen sauberen, schnellen und guten Job“, freut sich Huwald.

Wie wird die Arbeit organisiert?

Das polnische Unternehmen, mit dem der Handwerksbetrieb zusammenarbeitet, ist ein Personaldienstleister. „Das ist klassische Leiharbeit“, sagt Michael Huwald. Dafür habe der Dienstleister die notwendige Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung.

Seinen konkreten Bedarf meldet der Handwerksbetrieb meist mit einer Woche Vorlauf in Polen an. So könne der Dienstleister die für die anstehenden Aufgaben am besten geeigneten Fachkräfte organisieren, wie auch Anreise und Unterkünfte. „Aber wenn es zeitlich sehr knapp ist, kann es auch schneller gehen.“

Vor dem Einsatz prüfen Huwald und seine Bauleiter noch einige Unterlagen selbst:

  • A1-Bescheinigung: Sie ist der Nachweis, dass die Kollegen in Polen sozialversichert sind.
  • Mindestlohn-Bescheinigung: Sie dient als Nachweis, dass die Leiharbeiter von ihrem Arbeitgeber mindestens den im allgemeinverbindlichen „Tarifvertrag über ein Mindestentgelt in den Elektrohandwerken“ geregelten Mindestlohn erhalten.
  • Persönliche Papiere: „So können wir nachvollziehen, dass tatsächlich derjenige für uns arbeitet, den wir in unseren Unterlagen führen“, sagt Huwald.

Diese Kontrollen seien erforderlich, um sich gegen Haftungsansprüche für Sozialversicherungsbeiträge und Mindestlöhne zu schützen. Dazu gehören auch Arbeitszeitkontrollen, „genau wie bei unseren eigenen Jungs“.

Die konkreten Aufgaben verteilen die Bauleiter auf den Baustellen an die polnischen und deutschen Kollegen. Huwalds Tipp zur Vermeidung von Missverständnissen: „Man sollte die Aufgaben klar definieren und nach Arbeitsbeginn schnell kontrollieren, ob alles richtig verstanden wurde.“

Was kosten die polnischen Fachkräfte im Vergleich?

Finanzielle Vorteile biete der Einsatz polnischer Fachkräfte nicht, betont der Handwerksunternehmer – jedenfalls nicht im Kostenvergleich mit angestellten Gesellen. „Unter dem Strich verdienen sie pro Stunde ungefähr das Gleiche wie unsere Jungs, wenn ich für die deutschen Kräfte die Lohnnebenkosten, Urlaubs- und Ausfallzeiten durch Krankheit berücksichtige.“ Im Vergleich zu deutschen Leiharbeitern mit gleicher Qualifikation seien die polnischen Kräfte allerdings deutlich günstiger.

Der wichtigste Vorteil für seinen Betrieb sei jedoch die große Flexibilität, sagt Huwald. „Ich habe keine Probleme mit der Suche nach Fachkräften – und ich muss sie nur bezahlen, wenn ich sie benötige.“

Dennoch wäre es schöner, die Arbeit mit eigenen Mitarbeitenden zu erledigen, so Huwald. „Aber wenn man die nicht bekommen kann, muss man sich etwas überlegen. Und ich sehe keinen Grund, warum ich das nicht machen sollte.“

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