Strategie

Plötzlich keine Lust mehr – wie kommen Handwerker aus der Frustfalle?

Kleine Betriebe können scheitern, weil der Chef die Lust verliert. Woher kommt der Frust? Und wie gewinnt man die Freude am Tun zurück? 4 wichtige Tipps.

4 Min.12.07.2024, 10:17 Uhr
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Keine Freude mehr an der Arbeit? Ein Blick über den Tellerrand kann helfen: Wie gehen die Kollegen mit ähnlichen Sorgen um?
Keine Freude mehr an der Arbeit? Ein Blick über den Tellerrand kann helfen: Wie gehen die Kollegen mit ähnlichen Sorgen um? ABCreative - stock.adobe.com
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Auf einen Blick

Kleine Betriebe machen ihren Chefs eine Menge Arbeit, die nichts mit dem eigentlichen Beruf zu tun hat. Das kann zu Frust und im schlimmsten Fall in die Insolvenz führen.

Beim Weg aus der Frustfalle helfen Ausmisten im Betrieb und ein ehrlicher Blick auf sich selbst: Sind meine Ansprüche zu hoch? Wo brauche ich Hilfe?

Schauen Sie regelmäßig über den Tellerrand: Wie haben andere Betriebe ähnliche Probleme gelöst? Organisieren Sie sich Netzwerke und qualifiziertes Wissen, um eigene Lücken zu schließen. Wussten Sie, dass Sie es für eine Unternehmensberatung Zuschüsse von Vater Staat gibt?

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Wer sich selbstständig macht, startet oft aus Freude am Beruf und mit großem Enthusiasmus: „Viele Gründer wollen ihren Berufsalltag besser gestalten als bei einer früheren Festanstellung und sind mit viel Idealismus unterwegs“, sagt Jasmin Möser, Unternehmensberaterin mit Fokus auf kleinen Betrieben. „Was viele unterschätzen, ist die Masse der Aufgaben, die im Betrieb anfällt.“ Bürokratie, Mitarbeiterführung, Strategie, Finanzen, Marketing: Alles landet beim Chef. „Das zehrt an den Kräften“, so Möser. Schnell stelle sich das Gefühl ein, viel zu viel und an den falschen Dingen zu arbeiten.

„Wenn dann das Selbstmanagement nicht funktioniert, beginnt eine Negativ-Spirale: Zu viel Arbeit und zu wenig Überblick führen zu Fehlern, die noch mehr Arbeit und Frust verursachen“, warnt Möser. Diese Situation kann den Betrieb zum Scheitern bringen. Spätestens, wenn der Chef vor lauter Arbeit die Liquidität aus den Augen verliert, drohen Zahlungsschwierigkeiten bis hin zu einer Insolvenz.

Die gute Nachricht lautet: Die Abwärtsspirale kann gestoppt werden. Jasmin Möser hat vier Tipps, die Sie dabei unterstützen.

Tipp 1: Suchen Sie sich Inspirationen gegen den Frust

„Eine gute Soforthilfe ist, sich Inspiration zu suchen – einfach im Internet nach Best-Practice-Beispielen googeln und schauen, wie andere ähnliche Probleme gelöst haben“, sagt Möser. „Kleines Unternehmen erfolgreich führen“, „Finanziell erfolgreich im Handwerk“, „Erfolgsstory Handwerk“ oder „Selbstmanagement im Kleinbetrieb“, so könnte Ihre Suche lauten.

Dabei sollten Sie im Auge behalten, dass Sie sich auf der richtigen Flughöhe bewegen. „Tipps für mehr Aufträge über Social Media oder ähnliches bringen Sie nicht weiter, wenn das grundliegende Problem im Betrieb nicht gelöst ist“, warnt Möser.

Tipp 2: Schaffen Sie Ordnung

Wie sieht Ihr Betrieb aus? Jedes Ding an seinem Ort? Oder fliegt alles durcheinander und Ihr Schreibtisch ertrinkt in Papierbergen? „Oft ist Chaos im Betrieb schon ein Zeichen dafür, dass es nicht gut läuft“, sagt Möser.

Wissenschaftlich erwiesen ist mittlerweile auch, dass Unordnung stresst und sogar depressive Gefühle auslösen kann. „Also blocken Sie sich ein Wochenende und räumen Sie auf“, rät die Unternehmensberaterin. Nicht zuletzt fänden sich in den Papierbergen oft wichtige Unterlagen: „In einem Betrieb haben wir beim Aufräumen nicht abgerechnete Stundenzettel in Höhe von 50.000 Euro gefunden“, erinnert sie sich.

Doch auch wenn Ihnen solche Funde nicht gelingen: „Allein der Prozess des Ausmistens schafft neue Kraft“, ist Möser überzeugt.

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„Der Anspruch, keine Fehler zu machen und alles zu wissen, löst massive Frustgefühle aus, wenn etwas nicht klappt“, sagt Jasmin Möser.
„Der Anspruch, keine Fehler zu machen und alles zu wissen, löst massive Frustgefühle aus, wenn etwas nicht klappt“, sagt Jasmin Möser. Sonja Rohde, Lichtfang Fotografie

Tipp 3: Stellen Sie Ihre Ansprüche auf den Prüfstand

Im nächsten Schritt sollten Sie sich selbst unter die Lupe nehmen: Wie sieht Ihr Selbstbild aus? Was bedeutet für Sie Erfolg?

Viele Selbstständige seien sehr streng mit sich, erlaubten sich weder Pausen noch Patzer, weiß Möser aus ihrer Beratungserfahrung: „Der Anspruch, keine Fehler zu machen und alles zu wissen, löst massive Frustgefühle aus, wenn etwas nicht klappt“, sagt die Unternehmensberaterin. Dabei sei dieser Anspruch absurd. „Niemand ist Experte für alles, von Buchhaltung bis Social Media.“ Sich einzugestehen, dass Wissen und Kräfte endlich sind, könne enorm entlastend sein.

Tipp 4: Eigenen Sie sich qualifiziertes Wissen an

Alles wissen können Sie nicht – aber sich nützliches Wissen organisieren, das schaffen Sie! „Blicken Sie Ihren Schwachstellen ehrlich ins Auge und listen Sie auf: Welche Dinge stressen mich? Was funktioniert regelmäßig nicht?“, sagt Möser. „Haben Sie Stress mit Kunden? Oder laufen Sie immer wieder in finanzielle Engpässe? Und dann suchen Sie sich qualifiziertes Wissen.“

Welchen Weg Sie nehmen, bleibt Ihnen überlassen: Fachliteratur, Blogs im Netz oder Online-Seminare: „Vieles gibt es für kleines Geld oder sogar umsonst“, so Möser. Und: „Halten Sie sich Zeitfenster für die eigene Weiterbildung frei, beispielsweise immer den Freitagnachmittag.“

Ganz wichtig seien zudem Netzwerke mit anderen Unternehmern – gern auch aus anderen Branchen. „Andere Selbstständige kennen Ihre Probleme und haben das eine oder andere schon gelöst“, sagt sie.

Sollte das nicht reichen, engagieren Sie externe Hilfe über die Handwerkskammern oder freie Coaches. Die Bundesregierung zahlt über die „Förderung von Unternehmensberatungen für KMU“ die Kosten einer Unternehmensberatung anteilig zwischen 50 und 80 Prozent.

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