Bewerbungen

„Ich weiß eigentlich immer gleich, ob es passt“

Vorstellungsgespräche sind bei Hannover Dachbau ein Dialog zum Kennenlernen. Für Meister Bastian Westmann ist vor allem eines wichtig: Der Bewerber muss ins Team passen.

3 Min.02.04.2026, 10:06 Uhr
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Zimmermeister Bastian Westmann hat schon viele Vorstellungsgespräche geführt. Er fragt gezielt nach Berufserfahrung und Details, um Bewerber einschätzen zu können.
Zimmermeister Bastian Westmann hat schon viele Vorstellungsgespräche geführt. Er fragt gezielt nach Berufserfahrung und Details, um Bewerber einschätzen zu können. HW Hannover Dachbau GmbH
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Auf einen Blick

Immer weniger Fachkräfte schicken eine schriftliche Bewerbung. Umso wichtiger ist dem Chef von Hannover Dachbau ein offenes Bewerbungsgespräch, um den Bewerber einschätzen zu können.

Der Zimmermeister setzt dabei auf gezieltes Nachfragen, um die fachlichen Fähigkeiten und die Zukunftsvorstellungen des Bewerbers abzuklopfen.

Auch wenn der Betrieb offen ist für unterschiedliche Bewerber: Es gibt Warnsignale, die Bastian Westmann nicht mehr ignoriert.

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Wer sich bei Hannover Dachbau vorstellt, den erwartet im Bewerbungsgespräch kein Kreuzverhör. Geschäftsführer und Zimmermeister Bastian Westmann sorgt stattdessen für eine angenehme Atmosphäre, in der die Bewerber – egal ob Azubi oder Fachkraft – sich öffnen können.

„Ich beginne immer mit etwas Small Talk“, sagt Westmann, der seit acht Jahren den Betrieb mit mittlerweile 33 Mitarbeitenden in Isernhagen leitet und in dieser Zeit schon viele Vorstellungsgespräche geführt hat. „Und wir sitzen auch nicht im verschlossenen Büro, sondern im Besprechungsraum mit offener Tür, sodass die Bewerber gleich etwas von der Atmosphäre des Betriebs aufnehmen können.“ Offenheit, Interesse, das sei ihm wichtig: „Baustellenarbeit ist Teamarbeit“, betont der 33-Jährige. „Wenn sich jemand gar nicht öffnen kann, dann bringt das am Ende nur Probleme.“

Probearbeiten fällt oft flach, weil die Bewerber in Anstellung sind

Früher habe er sich immer sehr gründlich auf die Gespräche vorbereitet, berichtet der Zimmermeister. „Heute bin ich eher unvoreingenommen.“ Ein Grund dafür sei allerdings auch, dass Fachkräfte in der Regel keine Bewerbung mit Lebenslauf und Anschreiben schickten, sondern einfach vorbeikämen oder nur anriefen und die Unterlagen dann zum Gespräch mitbrächten. Und während angehende Azubis immer ein Praktikum ableisten müssen, kann Westmann Fachkräfte nur sehr selten zum Probearbeiten einladen: „Oft sind sie in einem anderen Betrieb beschäftigt. Wir müssen schon auf das vertrauen, was sie uns erzählen.“

Umso wichtiger sei es, im Vorstellungsgespräch festzustellen, ob der Bewerber ins Team passe. Und auch hier hat Westmann sein Vorgehen verändert. „Wir brauchten früher so dringend Personal, dass wir praktisch jeden eingestellt haben, der sich beworben hat“, erinnert er sich. Nicht immer hat es mit den Neuen dann funktioniert – mit ärgerlichen Konsequenzen. „Es kostet Geld und gibt jede Menge Ärger, auch im Team“, sagt Westmann.

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Rote Linien: Zu viele Betriebswechsel und Fehltage

Deshalb interessierten den Zimmermeister im Vorstellungsgespräch Einzelheiten und Details über die berufliche Erfahrung: „Wenn mir jemand erzählt, dass er besonders gerne Kirchendächer deckt, dann frage ich nach, welche Kirche das war, welche Werkzeuge benutzt wurden und so weiter. Da muss dann schon auch was kommen.“ Nachhaken, ein bisschen bohren oder auch mal um die Ecke fragen, das habe sich bewährt bei Kandidaten, die sich vielleicht nur überzeugend verkaufen könnten.

Ein weiteres Alarmsignal: Der Bewerber hat den Betrieb schon oft gewechselt. „Wenn daran immer die anderen schuld sind – im Team gemobbt, Kollegen doof, Chef oder Kunden zu schwierig –, stimmt etwas nicht“, sagt der Zimmermeister.

Thema im Bewerbungsgespräch sind zudem immer die Zukunftsvorstellungen des Bewerbers. Will jemand sofort einen Meister machen? Hat er dazu überhaupt die Befähigung? „Wir haben festgestellt, dass der Fachkräftemarkt insgesamt schlechter geworden ist – Gesellen überschätzen schnell ihre Fähigkeiten, nur weil sie etwas besser sind als der Durchschnitt“, meint Westmann. Dazu kommt: „Wenn ein Mitarbeiter seinen Meister gemacht hat und ich kann ihm keine passende Stelle anbieten, bringt das nur Unruhe.“ Lieber ist es dem Handwerker, wenn sich die Bewerber gemeinsam mit dem Betrieb weiterentwickeln wollen. „Wir investieren viel in unsere Mitarbeiter und merken schnell, ob jemand das Zeug zum Meister hat“, ist er überzeugt.

Angehende Azubis: Fehltage wichtiger als Noten

Bei Azubis sind es eher die Fehltage, die alle Alarmglocken läuten lassen. „Ich schaue nicht auf die Noten“, sagt Westmann. „Aber wenn jemand mit über 50 Fehltagen kommt, ist das schon ein KO-Kriterium.“ Im Gespräch mit den angehenden Azubis legt er mehr Wert auf das Interesse am Beruf. „Hat sich jemand schon mit der Ausbildung und dem, was auf ihn zukommt, beschäftigt? Hat er konkrete Fragen? Das Bewerbungsgespräch sollte in jedem Fall ein Dialog sein, in dem nicht nur ich rede.“

Nach dem Gespräch lässt Westmann sich und dem Bewerber zwei Tage Zeit – spontane Bauchentscheidungen möchte er vermeiden. „Eigentlich ist das eher für die Bewerber“, sagt der Zimmermeister. „Ich weiß mittlerweile eigentlich immer sofort, ob es passt.“

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