Höchsten Abschluss im Handwerk

Master Professional: Wissenschaft verbindet sich mit Handwerk

Der Master Professional ist die höchste Qualifikationsstufe im Handwerk. Was zeichnet diesen Abschluss aus und wie unterscheidet er sich vom Bachelor Professional?

5 Min.28.04.2026, 16:04 Uhr (Aktualisiert am 30.04.2026, 16:40 Uhr)
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Im Handwerk gibt es den Fortbildungsabschluss Master Professional: Er ist auf auf gleicher Stufe wie der universitäre Masterabschluss.
Im Handwerk gibt es den Fortbildungsabschluss Master Professional: Er ist auf auf gleicher Stufe wie der universitäre Masterabschluss. sebra - stock.adobe.com
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Auf einen Blick

Der Master Professional (DQR 7) verbindet wissenschaftliche und praktische Kompetenzen. Er qualifiziert Handwerksmeister für Führungsaufgaben.

Optikermeisterin Rike Middendorf hat den Fortbildungskurs absolviert. Inzwischen nutzt sie ihr Spezialwissen im Bereich Speziallinsen- oder Keratokonus-Kontaktlinsenanpassung nahezu täglich im Betrieb.

Die Akademie Schloss Raesfeld bietet den Fortbildungskurs „Geprüfter Restaurator im Handwerk / Master Professional für Restaurierung im Handwerk“ an. Er richtet sich Handwerkerinnen und Handwerker verschiedener Gewerke an.

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Rike Middendorf hat den derzeit höchsten Abschluss im Handwerk. Die Augenoptikermeisterin und Optometristin aus Emsbüren darf sich Master Professional in Optometrie (HWK) nennen. Sie ist froh, dass sie die Fortbildung zum Master am ZVA-Bildungszentrum absolviert hat. „Ich gehöre zu denjenigen, die immer Neues lernen wollen“, sagt Middendorf. In dem Fortbildungskurs wurde ihr Wissensdurst gestillt. Ob im Bereich Speziallinsen- oder Keratokonus-Kontaktlinsenanpassung – in der Praxis kann sie die gelernten Fortbildungsinhalte nahezu täglich anwenden. „Der Bedarf bei den Kunden ist groß, selbst in einer Kleinstadt wie Emsbüren“, so Middendorf, die bei Optik Hölscher arbeitet.

Master Professional auf gleicher Stufe wie universitärer Masterabschluss

Für den Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist die Einführung des Master Professionals von enormer Bedeutung. „Wir sehen, dass es in den einzelnen Gewerken weiterhin enormen Qualifizierungsbedarf gibt“, betont Volker Born, Bereichsleiter Berufliche Bildung beim ZDH. Technologische Entwicklungen sowie veränderte Geschäftsprozesse im Handwerk würden die Bedeutung des Master Professionals unterstreichen. „Wir merken auch, dass die Gewerke stärker zusammenarbeiten müssen. Diese übergreifende Zusammenarbeit wird auch auf dem Level des Master Professional mit abgedeckt“, so Born.  

Gleichzeitig haben sämtliche Handwerksgewerke hierzulande ein starkes Bedürfnis, auf Augenhöhe mit universitären Abschlüssen zu stehen. Der Master Professional rangiert auf Stufe 7 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) und somit auf der gleichen Stufe wie der universitäre Masterabschluss. Zielgruppe sind Meister aus unterschiedlichen Handwerksbranchen, die sich weiterbilden und sich für Führungspositionen qualifizieren möchten.

Die Besonderheit am Master Professional: die Kombination aus wissenschaftlicher und praktischer Arbeit. Am Ende der Fortbildung müssen die Teilnehmer eine Arbeit nach wissenschaftlichen und hochschulischen Standards schreiben und vor einem Fachgremium im Rahmen eines Kolloquiums verteidigen. „Das Schreiben der Arbeit stellte für mich eine enorme Herausforderung dar“, betont Rike Middendorf. Hilfe habe sie jedoch von ihren Brüdern erhalten, die ein Studium absolvierten.

Geprüfter Restaurator im Handwerk: Master Professional in zwei Teilen

Charakteristisch für den Master Professional sind zudem der fachübergreifende sowie der fachspezifische Teil. Die Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld in Nordrhein-Westfalen bietet den Kurs „Geprüfter Restaurator im Handwerk / Master Professional für Restaurierung im Handwerk“ an.

Zur Zielgruppe gehören neben Malern und Lackierern, Maurer- und Betonbauer, Raumausstatter, Tischler, Stuckateure und Zimmerer. Im fachübergreifenden Teil werden allen teilnehmenden Gewerken Kenntnisse und Fähigkeiten zur Denkmalpflege und zum Denkmalschutz, zur Kunst- und Kulturgeschichte und zu unternehmerischen Prozessen vermittelt. „Ein weiterer und wichtiger Aspekt des fachübergreifenden Teils ist die Vermittlung von wissenschaftlichen Methoden“, betont Heike Notz, Fachbereichsleiterin Denkmalpflege, Handwerkskultur, Bau- und Energietechnik an der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld.

Kennt sich gut mit dem Master Professional aus: Heike Notz von Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld, die den Fortbildungskurs für acht Gewerke anbietet.
Kennt sich gut mit dem Master Professional aus: Heike Notz von Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld, die den Fortbildungskurs für acht Gewerke anbietet. Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld
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Die Akademie bietet in insgesamt acht Gewerken den Fortbildungskurs zum Master Professional an. Die Fortbildung dauert rund 24 Monate und findet dort alle vier Wochen berufsbegleitend und aufgeteilt in Blöcken statt. Nach Angaben der Akademie werden die Teilnehmenden im Rahmen der Fortbildung damit fit für den Markt Denkmalpflege und Altbausanierung. „Es profitieren vor allem kleine Betriebe davon, da der Master Professional zu einem Alleinstellungsmerkmal verhilft“, betont Notz.

Was der Master Professional bringt: Eine Handwerkerin berichtet

Das bestätigt auch Rike Middendorf. „In der Fortbildung werden die einzelnen Fächer nochmals vertieft und man steigt vielmehr in die Materie ein, als es in der Meisterausbildung der Fall war.“ Während ihrer Fortbildung lernte sie zum Beispiel, wie man ein besseres Screening erstellt und wie Speziallinsen am besten angepasst werden. Darüber hinaus habe sie heute ein besseres Verständnis für die visuellen Probleme ihrer Kunden. „Sie sind froh, wenn sie ins Geschäft mit ihren zum Teil speziellen Bedürfnissen kommen können und keine lange Fahrzeit nach Osnabrück oder Münster aufbringen müssen“, erläutert Middendorf.

Darf sich Master Professional nennen: Augenoptikermeisterin Rike Hanna Middendorf.
Darf sich Master Professional nennen: Augenoptikermeisterin Rike Hanna Middendorf. Wilfried Meyer

Wie sich der Fortbildungsabschluss vom Bachelor Professional abgrenzt

Der Bachelor Professional steht innerhalb des DQR auf Stufe 6. Vom Niveau entspricht er einem Bachelor-Studium. Im Handwerk richtet sich der Bachelor Professional an Personen, die bereits eine Ausbildung abgeschlossen haben. Wer seine Meisterprüfung im Handwerk bestanden hat, darf sich Bachelor Professional nennen.

Im Gegensatz zum Bachelor Professional fokussiert sich der Master auf das wissenschaftliche Arbeiten. „Es sind außerdem andere Inhalte, die in der Fortbildung zum Master Professional vermittelt werden“, erläutert Heike Notz. Darüber hinaus grenze sich der Master mit Blick auf die Erforschung eines Objekts vom Bachelor ab. „Die Teilnehmer suchen sich ein Objekt aus ihrem jeweiligen Gewerk aus und untersuchen es bis ins letzte Detail. Es gibt zudem eine Bestandsaufnahme, diese wird bewertet und daraufhin geht es in die Entwicklung der Maßnahmen“, so Notz. Der Master an der Akademie des Handwerks gehe inhaltlich weiter in die Tiefe als der Bachelor und berücksichtige dabei den kulturhistorischen Kontext.

Master Professional: Handwerk unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten

Diese Erfahrung hat auch Augenoptikermeisterin Rike Middendorf gemacht. Die Spezialisierung und die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Themen hätten auf der Meisterschule nicht im Vordergrund gestanden. Hier wurden die einzelnen Themen eher oberflächlich behandelt. Und obwohl der wissenschaftliche Aspekt und die Auseinandersetzung mit einem Objekt im Vordergrund stehe, würden sich die angehenden Master Professionals nicht als Wissenschaftler verstehen. „Es geht wirklich darum, das Handwerk zu verstärken und das unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten“, sagt Heike Notz.

Die Fachbereichsleiterin der Akademie in Raesfeld betont zudem, dass sich während der Fortbildung Kooperationen zwischen den einzelnen Gewerken ergeben würden. „Ich denke auch, dass das für manche Teilnehmer überhaupt ein Grund ist, die Fortbildung zu machen“, so Notz. Für viele Teilnehmer sei der Lehrgang die Möglichkeit, ein Netzwerk aufzubauen. Für Restauratoren im Handwerk ist der DQR noch nicht anerkannt. „Darum wird derzeit noch gerungen“, so Notz.

Rike Middendorf möchte indes das Gelernte in ihrem Betrieb weiter anwenden und für ihre Kunden da sein, wie sie selbst sagt. Offen bleibt für sie, was die Zukunft beruflich bringt.

Der Bundestag in Berlin.

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