Einmal im Jahr untersucht eine großangelegte Studie die Lage bei Ausbildern und Lehrlingen. Sie zeigt deutlich: Nicht immer stimmen die Einschätzungen überein.
Wen frage ich, wenn ich in der Berufsschule oder im Betrieb etwas nicht verstanden habe? Immer mehr Azubis oder dual Studierende geben darauf die Antwort: Künstliche Intelligenz (KI). Denn mehr als die Hälfte von ihnen denkt, KI könne Ausbildungsthemen „öfter“ oder „manchmal“ verständlicher erklären als die eigenen Ausbilder. Mit Blick auf ihre Berufsschullehrer finden das sogar fast drei Viertel. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Studie Azubi-Recruiting-Trends von U-Form Testsysteme. An der Online-Umfrage haben in diesem Jahr fast 10.000 Azubis, dual Studierende und Schüler sowie mehr als 2.000 Ausbildungsverantwortliche teilgenommen.
Vielleicht sind die Azubis auch so angetan von der KI, weil sie sich für kompetent im Umgang mit KI halten? Immerhin schätzen sich 85 Prozent der Azubis im Hinblick auf ihre eigenen KI-Kompetenzen als „sehr fit“ oder „eher fit“ ein. An einer KI-Weiterbildung haben indes nur 15Prozent von ihnen teilgenommen. Knapp die Hälfte der Betriebe stellt auch keine Lernangebote zum Thema KI für Azubis bereit.
Wichtiger Schwerpunkt war in diesem Jahr die Gesundheit der jungen Leute. Bei den Ergebnissen traten auch widersprüchliche Einschätzungen auf. So glauben 54 Prozent der Ausbilder, dass sich die eigenen Azubis „oft“ oder „manchmal“ krankmelden, ohne krank zu sein. Jedoch sagen 82 Prozent der Azubis, sie hätten sich noch nie unbegründet krankgemeldet.
Drei Viertel der Ausbilder berichten zudem, dass die Krankheitsfehltage ihrer Auszubildenden in den letzten fünf Jahren gestiegen sind. Als häufigste Ursachen für steigende Fehlzeiten nannten sie „geringe Belastbarkeit“ (34 Prozent) und psychische Belastung/Überforderung (29 Prozent). Dazu passt, dass nach Einschätzung von 85 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen die eigenen Azubis stärker psychisch belastet seien als vor der Corona-Pandemie.
Im Gegenzug gab ein Viertel der Azubis an, sie hätten sich schon einmal wegen psychischer Belastung krankgemeldet, weitere 15 Prozent taten dies wegen „familiärer oder privater Probleme“.
Bei der Frage, welche Rolle psychische Gesundheit im Betrieb spielt, wurden erneut Widersprüche deutlich: 74 Prozent der Ausbilder meinen, in ihrem Ausbildungsbetrieb werde „sehr gut“ oder „eher gut“ auf die psychische Gesundheit von Azubis und dual Studierenden geachtet. Bei den Azubis und dual Studierenden sehen das nur 53 Prozent so. „Psychische Gesundheit ist in der Ausbildung ein strukturell unterbelichtetes Thema. Hier besteht dringender Diskussionsbedarf“, sagt Studieninitiatorin Felicia Ullrich von U-Form Testsysteme.

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