Warum gerade kleine Betriebe von der KI-Suche profitieren
Immer mehr Kunden suchen im Netz per Künstlicher Intelligenz nach Handwerkern. So profitiert auch Ihr Betrieb davon.
Auf einen Blick
Seit Oktober zeigt Google ein neues Gesicht: Der Konzern hat die Suche über Künstliche Intelligenz (KI) auch in Deutschland ausgerollt. Statt in das klassische Suchfeld Stichworte einzutippen, kann der Suchende mit einem KI-Agenten chatten – so wie bei ChatGPT, Perplexity, Claude oder anderen Tools. Doch anders als diese Tools dominiert Google die Suche im Internet. Unternehmen sollten also ihr Online-Marketing an die KI-Suche anpassen, um gefunden zu werden.
Jasmin Möser, Unternehmensberaterin mit Schwerpunkt auf kleine Unternehmen, ist überzeugt, dass sich die KI-Suche durchsetzen wird – durchaus zum Vorteil der Betriebe. „Es wird möglicherweise weniger Traffic auf der Seite geben, aber durch die Art, wie KI-Suche funktioniert, stehen die Kunden oft schon kurz vor der Kaufentscheidung, wenn sie auf die Seite kommen.“ Gerade kleine Unternehmen hätten zudem eine echte Chance, von der KI gefunden und empfohlen zu werden, mein sie, und nennt fünf Gründe dafür.
1. KI-Suche bevorzugt gute Inhalte statt großes Budget
„Bislang hatten oft große Plattformen die Nase vorn, die ihren Webauftritt ständig mit neuen Inhalten wie Blogartikeln füllen können“, sagt Möser. Diese seien oft aufgebaut wie Schulaufsätze – vom Allgemeinen zum Speziellen.
Die KI hingegen suche gezielt nach konkreten Antworten auf die Fragen der Suchenden. „Das ist ein Paradigmenwechsel“, sagt Möser. Statt Stichworte ins Suchfeld einzugeben, führen die User einen Dialog mit dem KI-Agenten, der die Fragen immer weiter zuspitzt. „Es kommt also darauf an, auf der Website oder im Social-Media-Auftritt die häufigsten Fragen der Kunden zu beantworten“, erklärt die Expertin.
Tipp: Genau hier sollten Handwerksbetriebe ansetzen: „Sie kennen die häufigsten Fragen Ihrer Kunden“, betont die Unternehmensberaterin. „Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, sammeln acht bis zehn Fragen und geben in zwei bis drei Sätzen in ganz natürlicher Sprache eine konkrete Antwort.“
Wichtig: Verwenden Sie keine typischen Marketingphrasen. „Das versteht die KI nicht“, so Möser. „Schreiben Sie es so auf, wie Sie auch Kunden antworten, und richten Sie aus diesen Fragen und Antworten Sie einen FAQ-Bereich auf Ihrer Webseite ein.“
2. Persönlichkeit schlägt Perfektion
„Die KI liebt Menschliches und Authentisches“, sagt Möser. „Hier haben Handwerksbetriebe eine echte Chance auf Sichtbarkeit, weil sie viele Einblicke aus dem Unternehmensalltag und Projekte zeigen können.“
Tipp: Zeigen Sie Ihre Arbeit, beispielsweise in Vorher/Nachher-Bildern. „Ganz wichtig sind dabei echte Kundenbewertungen“, betont die Unternehmensberaterin. Auch Meisterbriefe, Siegel und Weiterbildungen untermauern Ihre Kompetenz. „Letztlich funktioniert es so, als müssten Sie einen Menschen überzeugen“, sagt Möser.
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3. Sichtbarkeit durch Spezialisierung – oder klar benannte Schwerpunkte
Um von einer KI als Betrieb gefunden und empfohlen zu werden, sollten Sie Ihre Spezialisierung und Ihre Schwerpunkte in Ihren Online-Auftritten klar benennen. „Hier kommt wieder die Art der Suche ins Spiel“, sagt Möser.
Ein Beispiel: Ihr potenzieller Kunde will seine Küche neu gestalten und fragt die KI: „Meine Küche gefällt mir nicht mehr. Was kann ich tun?“ Nach ein bisschen Frage und Antwort empfiehlt die KI, die Wände zu streichen oder eine spezielle Küchentapete anzubringen. Der Kunde will lieber Tapete. Jetzt kommt der Moment der Wahrheit. Entweder der Suchende oder die KI wird vorschlagen, regionale Betriebe zu finden, die sich auf Küchengestaltung mir Tapete spezialisiert haben. Und hier sollte jetzt Ihr Betrieb auftauchen.
„Hier sind kleine Betriebe im Vorteil, die sich spezialisiert haben, statt wie viele große einen Bauchladen anzubieten“, ist Möser überzeugt.
Tipp: Gliedern Sie Ihre Website und verschaffen Sie jedem Schwerpunkt eine eigene Unterseite. „Wenn Sie also Fenster, Rollläden, Markisen und Haustüren anbieten, dann brauchen Sie jeweils eine eigene Seite mit den entsprechenden Fragen und Antworten Ihrer Kunden“, sagt Möser.
Außerdem wichtig: Statt allgemeine Formulierungen auf der Startseite zu verwenden, werden Sie konkret und nennen Sie unbedingt Ihren Einzugsbereich. „,Ihr Spezialist für Verputzen, Streichen und Tapezieren in Göttingen‘ statt ,Alles aus einer Hand‘“, nennt Möser ein Beispiel.

4. Sichtbar werden, ohne fünf Plattformen gleichzeitig zu bespielen
Facebook, Pinterest, Tiktok, Instagram bespielen und dann noch die eigene Website aktuell halten? „Das ist für kleine Betriebe oft nicht leistbar“, sagt Möser. Wenn mehr Menschen per KI suchen, sei das auch nicht mehr nötig, so die Unternehmensberaterin. „Stattdessen wird es immer wichtiger dort zu sein, wo auch die Zielgruppe unterwegs ist.“ Fragen Sie sich also, was Sie erreichen wollen und wo Ihre Wunschkunden sich herumtreiben – und bündeln Sie dort Ihre Kräfte.
Tipp: „Konzentrieren Sie sich auf Ihr Google Business Profil und zwei weitere Kanäle“, sagt Möser. Sie rät davon ab, alles auf eine Karte zu setzen. „Die Algorithmen verändern sich oder die Schwerpunkte der Plattform werden verlagert, dann wird man schnell unsichtbar“, warnt sie.
Sinnvoll sei es außerdem, Inhalte auf den verschiedenen Plattformen zu spielen: „Die FAQs von meiner Website kann ich ebenso auf Social Media posten und auch für das Google Business Profil nutzen“, rät Möser.
5. KI kann Arbeit abnehmen – nicht nur Chancen schaffen
Jasmin Möser sieht noch mehr Potenzial für kleine Betriebe, Künstliche Intelligenz zu nutzen. „Die KI ist kein Gegner, sondern gerade im Handwerk ein Werkzeug, das viel Unterstützung liefern kann“, sagt sie und nennt Beispiele:
- Sie haben keine Idee für einen Social-Media-Post? „Die KI macht Vorschläge für Themen und Formulierungen, so Möser. „Aber bitte nicht eins zu einsübernehmen – die KI erkennt sich bei der Suche selbst.“
- Sie verstehen nicht, was Ihr Versicherungsagent oder Ihr Steuerberater sagt? „Die KI können Sie alles so lange fragen, bis Sie es verstanden haben“, so Möser. Allerdings ist hier wichtig, die Links zu prüfen, die die KI nennt, denn es muss nicht immer alles stimmen, was sie so überzeugend vorträgt.
- Sie wollen neue Ideen für den Betrieb umsetzen? Hier kann die KI ein wichtiger Sparringspartner sein, der auf Lücken aufmerksam im Konzept macht und Tipps für die Kommunikation gibt.
„KI kann helfen, den Arbeitsalltag im Betrieb schlanker zu gestalten“, sagt Möser. „Für die Betriebe bleibt dann, was sie am meisten brauchen: mehr Zeit für Kunden.“

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