Es gibt Menschen, die Ihre Energiereserven über Gebühr strapazieren und Sie erschöpft zurücklassen? So können Sie lernen, sich abzugrenzen, um nicht auszubrennen.
Nach einem Kundengespräch sind Sie völlig erledigt, obwohl Sie eigentlich ganz gut gelaunt in den Tag gestartet sind? Beim Teammeeting dreht sich schon wieder alles um einen Kollegen und seine Probleme, die Stimmung ist hinterher im Keller? Dann könnte es ein, dass Sie es mit einem Energievampir zu tun haben.
„Es gibt Menschen, die so viel von unserer Energie saugen, dass nur ein schales, erschöpftes Gefühl zurückbleibt“, sagt Coachin Meike Müller. „Wichtig ist es deshalb, sich von ihnen abzugrenzen.“ Dabei gehe es nicht darum, einem Mitarbeitenden nicht beizustehen, der gerade eine Krise durchlebt. In jeder Beziehung, ob im Job oder privat, gebe es Höhen und Tiefen, so Müller. „Doch wenn sich dauerhaft ein Ungleichgewicht einstellt, unter dem Sie oder andere leiden, sollten Sie handeln.“
Gibt es einen Energievampir in Ihrer Nähe? „Energievampire sind ja nicht grundsätzlich unsympathisch oder schlechte Mitarbeiter, deshalb dauert es manchmal eine Weile, bis man sie erkennt“, sagt Müller.
Wenn aber das erschöpfte Gefühl immer wieder im Kontakt mit der gleichen Person auftaucht, sollten Sie nach Warnzeichen Ausschau halten. Daran können Sie Energievampire erkennen:
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Bevorzugte Opfer von Energievampiren sind empathische Menschen, die sich schlecht abgrenzen können. „Sie können gut zuhören und die Perspektive des anderen einnehmen“, sagt Müller. Gleichzeitig hätten sie das Bedürfnis, sich um andere zu kümmern. „Das macht sie für Energievampire natürlich attraktiv“, so die Coachin.
Sich aus so einer ungesunden Beziehung zu befreien, sei für einen empathischen Menschen nicht leicht: „Oft kommen erlernte Verhaltensmuster hinzu“, beschreibt Müller die Herausforderung. Wer als Kind gelernt habe, dass soziales und unterstützendes Verhalten mit Zuwendung und Aufmerksamkeit belohnt wird, entwickle einen so genannten inneren Antreiber: Sei nett und hilfsbereit! „Sich davon zu lösen und sich zu erlauben, nein zu sagen, ist der wichtigste und oft der schwerste Schritt“, so Müller. Die Angst sei groß, als unkollegial oder unfreundlich zu gelten.
Sie sind selbst das Opfer? „Dann machen Sie sich klar, dass es nicht darum geht, zu allem und jedem ‚Nein‘ zu sagen“, sagt die Kommunikationsexpertin. „Es geht nur um einen Mitarbeitenden oder Kunden: Wenn ich einmal die Bitte eines Energievampirs ablehne, bin ich kein schlechter Mensch.“ Und: „Wenn Sie denken, es allen recht machen zu müssen: Sie sind auch ein Teil von allen. Auch auf Ihre Bedürfnisse kommt es an!“

Einen Energievampir wird man nur in seine Schranken weisen, wenn man ihm das entzieht was er will: Blut in Form von Aufmerksamkeit oder Unterstützung. Von empathisch unterstützend auf Selbstfürsorge umzuschalten ist allerdings ein Kraftakt.
Setzen Sie daher klare Grenzen. „Es hilft, zu unterscheiden: Bei diesen Anliegen kann ich ‚ja‘ sagen, andere lehne ich ab“, sagt Müller. Überlegen Sie sich ein oder zwei Standardantworten: „Sonst gerne, aber nicht heute“, könnte so ein Satz lauten oder „Tut mir Leid, jetzt passt es gerade nicht.“ Vorbereitete Antworten helfen, sich nicht überrumpeln zu lassen.
Wichtig: Der Energievampir ist Ablehnung von Ihrer Seite nicht gewohnt. „Er wird also anfangen zu quengeln“, warnt Müller. „Jetzt sollten Sie sich nicht in eine Diskussion verwickeln lassen, sondern bei Ihren Sätzen bleiben: Sonst gerne, aber heute nicht. Irgendwann wird er oder sie aufgeben.“ Setzen Sie dem Energievampir dauerhaft klare Grenzen und entziehen Sie ihm sein „Blut“, wird er Sie in Ruhe lassen – Sie sind dann nicht mehr nützlich.
Ist der Energievampir im Team und macht allen das Leben schwer, sind Führungsqualitäten gefragt. „Sie sollten das Gespräch suchen und erklären, dass Teamarbeit in Ihrem Betrieb nicht bedeutet, sich auf Kosten der Kollegen auszuruhen“, so Müller.
So könnten Sie im Gespräch vorgehen:
„So zeigen Sie den anderen, dass Sie die Probleme sehen und angehen. Das sendet ein wichtiges Motivationssignal ins Team“, so Müller. Helfen könne auch ein Teamworkshop mit einem externen Trainer, der das Thema Teamzusammenarbeit in den Blickpunkt nimmt. „Wichtig ist, dass Sie handeln, denn von allein hört es nicht auf“, betont Müller.
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