Vorträge, Keynotes, Podcast: Volles Programm beim ersten Tag der Herocon 2026 mit prominentem Besuch. Hier sind erste Impressionen vom Handwerker-Event in Dortmund.
Kleine Pyro-Show im Dortmunder Signal Iduna Park für das Handwerk: Die Herocon 2026 startet pünktlich um 9:45. Niklas Palm und Lara Hirsekorn, die Organisatoren des Events, begrüßten trotz Regenwetter viele Handwerkerinnen und Handwerker im Stadion. Sie geben den Startschuss für die zweitägige Veranstaltung.
Erster Gast auf der Main Stage war die Torwartlegende Oliver Kahn: Der ehemalige Nationalspieler und Torwart des FC Bayern München nimmt neben Norbert "Nobby“ Dickel - Stationssprecher von Borussia Dortmund - auf dem Sofa Platz. Eine der ersten Fragen des Ur-Borussen ist daher, ob der Titan Zweifel hatte, zur Herocon nach Dortmund zu kommen. Das beantwortet Kahn mit einem klaren Nein. Ergänzt aber: „Wohlfühlen ist hier zwar übertrieben, aber hier kommen schon viele Erinnerungen hoch."
Und so kommen beide Männer schnell ins Plaudern: Sie sprechen über die Erfolge des BVB Ende der 1990er-Jahre, wie wichtig Wettbewerb für die Fußballbundesliga ist und das Spiel, an das Oliver Kahn rückblickend die besten Erinnerungen hat. Der Titan erklärt auch, welche Parallelen er zwischen dem Profi-Fußball und dem Handwerk sieht: „Für den Profi-Sport muss man brennen das ist im Handwerk ähnlich“, so Kahn.
Ein weiteres Thema ist die Künstliche Intelligenz, die die Arbeitswelt verändert und zunehmend auch Menschen um die Zukunftsfähigkeit ihrer Jobs fürchten lässt. „Handwerk hat goldenen Boden“, erklärt Kahn und ergänzt: „Das ist ein Spruch, den jeder kenn. Aber in Zeiten von KI gilt er mehr denn je.“
Zum Schluss stellen die Handwerkerinnen und Handwerk dem Titan noch Fragen. „Worauf bist du am meisten stolz“, will ein junger Mann wissen. „Das es in meiner Karriere viele Momente gab, in denen ich gegen mein eigenes Ego gehandelt habe“, antwortet Kahn. Der ehemalige Fußball liefert dafür auch gleich ein Beispiel. Die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland, als er nur die Nummer 2 im Tor war und beim Turnier im eigenen Land auf der Bank saß. „Es geht bei Turnieren um die Mannschaft und um Deutschland“ erläutert er. Diese Erfahrung habe ihn damals besonders geprägt, so Kahn. Für diese Anekdote bekommt der Titan großen Applaus von den Handwerkerinnen und Handwerkern im BVB-Stadion.







Im Vortrag von Sven Schöpker geht es um das Unternehmertum. „Viele Unternehmen sind viel zu breit aufgestellt“, sagt der Tischler und Betriebswirt. „Das kann kein Erfolgsrezept sein.“ Wichtig sei heutzutage Spezialisierung und Fokussierung. Schöpker liefert auch mehrere Argumente, um seine These zu untermauern. „Marketing ist mit einem klaren Fokus viel einfacher.“
Zudem könnten Betriebe durch Spezialisierung die Komplexität mindern. Schöpker berichtet hier auch von seinen eigenen Erfahrungen aus seinem Familienbetrieb. Vor einigen Jahren habe der Betrieb vor der Insolvenz gestanden. „Damals haben wir uns spezialisiert“, berichtet der Tischler. Dazu habe auch gehört, dass im Büro ausgemistet wurde und diverse Ordner entsorgt werden konnten, weil diese nicht mehr benötigt wurden.

Auf der Podcast-Bühne berichtet Anke Voss im Gespräch mit Moderator Robert Bittig, wie es dazu kam, dass sie ihren Job als Lehrerin an einem Gymnasium vor einigen Jahren an den Nagel hängte, um ins Handwerk zu wechseln. Vor einigen Jahren sei ihr Mann in den Familienbetrieb Voss Gebäudetechnik eingestiegen. Der Handwerksbetrieb habe zu der Zeit etwa 120 Mitarbeitende gehabt, aber die Strukturen seien damals nicht klar geregelt gewesen. „Privat wurde das bei uns deshalb immer mehr Thema.“
Irgendwann habe sie sich gesagt: „Entweder ganz oder gar nicht“, so Voss. Sie gab sie ihren Beamtenstatus auf und stürzte sich ins Handwerk. „Ich wollte damals aber nicht nur gießen und für gute Laune sorgen, sondern auch etwas zu entscheiden haben“, berichtet Voss. Sie habe damals die Verantwortung für das Personal übernommen und Strukturen im Unternehmen aufgebaut. „Der Betrieb war damals schnell gewachsen und die Strukturen waren nicht klar geregelt, berichtet Voss, die heute Mitglied der Geschäftsleitung ist. Sie sorgte zum Beispiel dafür, dass Verantwortlichkeiten klar strukturiert und eine zweite und dritte Führungsebene eingeführt wurden.
Bei der Herocon 2026 gibt es auch wieder einen großen Ausstellerbereich. Darunter sind bekannte Unternehmen wie Abus, IKK classic und Melitta. Der Mineralölkonzern Aral stellt zum Beispiel Lösungen für Handwerksbetriebe bei Tankkarten und Geschenkkarten vor. Bei Dräger können sich Besucherinnen und Besucher über Atemschutzlösungen informieren und bei Vodafone geht es um das Thema IT-Sicherheit. Dort können Handwerkerinnen und Handwerker zum Beispiel die Möglichkeit testen, ob das eigene Smartphone bei einem QR-Code problematische Links öffnet oder nicht.
Auch einige Start-ups sind unter den Ausstellern. Zum Beispiel Benetics AI. Das Unternehmen hatte bei der Herocon 2025 den Start-up Pitch gewonnen und stellt in diesem Jahr vor, wie Handwerkerinnen und Handwerker per Spracheingabe eine Baustellen-Dokumentation erstellen können. Am Stand von RechnungsGPT können sich Unternehmer und Unternehmerinnen informieren, wie sich eine pdf-Rechnung innerhalb wenigen Sekunden in eine E-Rechnung verwandeln.
Zudem sind rund 1.000 Schülerinnen und Schüler zur Erlebniswelt Ausbildung angereist und informieren sich dort, welche Möglichkeiten das Handwerk jungen Menschen bietet.

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