Wertpapiere statt Tagesgeld: Die Sparkassen erweitern ihre App um den Handel mit Fonds und Aktien. Dabei haben sie sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt.
Deutschlands Sparkassen machen mit einem neuen digitalen Angebot zum Wertpapiersparen Neo-Brokern wie Trade Republic und Scalable Capital Konkurrenz. Mit „S-Neo“ ermöglichen die Institute seit Mitte Juli den Handel von mehr als 21.000 Wertpapieren wie ETFs (börsennotierten Indexfonds) direkt in der Sparkassen-App.
Zunächst steht das Angebot den 20 Millionen App-Nutzern zur Verfügung, von denen nach Angaben der Sparkassen etwa die Hälfte kein Wertpapierdepot hat. Um den Jahreswechsel 2026/2027 ist eine Öffnung für Neukunden geplant.
Wie teuer „S-Neo“ ist, entscheidet jede der bundesweit 338 Sparkassen selbst. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Ulrich Reuter, hatte im März die Latte hoch gelegt: Er glaube, „dass wir im Gesamtpaket besser sein werden als jeder heutige Neo-Broker“.
Neobanken, die sich von Anfang an auf das Smartphone-Banking spezialisiert haben, haben die Digitalisierung des Bankgeschäfts in den vergangenen Jahren vorangetrieben. Dazu gehören neben Trade Republic und Scalable Capital zum Beispiel auch N26 und Revolut. Diese Fintechs haben ihr Wachstum vor allem durch vergleichsweise niedrige Ausführungsgebühren, eine reduzierte Benutzeroberfläche und Zusatzanreize wie eine attraktive Verzinsung auf nicht investiertes Guthaben erzielt.
Die Sparkassen reagieren nun und wollen mit ihrer Initiative auch dafür sorgen, dass die gewaltigen Summen, die in Deutschland auf niedrig oder gar nicht verzinsten Konten schlummern, lukrativer angelegt werden. „Für viele Menschen ist der erste Schritt ins Wertpapiersparen noch immer mit Unsicherheit verbunden“, erklärt der DSGV. „S-Neo soll diese Hürde senken und die Beschäftigung mit Sparplänen, Wertpapiergeschäften und langfristigem Vermögensaufbau erleichtern.“
Der Markterfolg von S-Neo dürfte aber auch davon abhängen, ob es den Sparkassen gelingt, attraktive Preismodelle aufzustellen, die halbwegs mit Trade Republic und Co. mithalten können. Für die Sparkassen spricht die hohe Zahl an bestehenden Kunden, die mit S-Neo gleich loslegen könnten, ohne eine zusätzliche App zu installieren oder ein neues Konto einrichten zu müssen. (dpa/aml)

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