Logo handwerk.com
Logo handwerk.com
MediadatenÜber handwerk.com Unser TeamNewsletterKontakt
Logo
ImpressumDatenschutzAGB
Mobbing

Deepfakes im Betrieb können ein Kündigungsgrund sein

Wenn herabwürdigende KI-Bilder oder -Videos von Kollegen am Arbeitsplatz kursieren, müssen Chefs handeln, um die Betroffenen zu schützen.

4 Min.23.06.2026, 07:38 Uhr
Von
Katharina Wolf
Katharina Wolf
Katharina Wolf
Jemand erstellt an einem Laptop ein Deepfake
Wenn diskriminierende Deepfakes im Betrieb auftauchen, müssen Arbeitgeber handeln. Bussarin - stock.adobe.com

Zitiervorschlag

Deepfakes im Betrieb können ein Kündigungsgrund sein. In: /recht/deepfakes-im-betrieb-koennen-ein-kuendigungsgrund-sein, 23.06.2026, /recht/deepfakes-im-betrieb-koennen-ein-kuendigungsgrund-sein (abgerufen am: 06.11.2026)

Infos zum Zitiervorschlag

Hinweis: Wenn Sie etwas googeln, bekommen Sie neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn Sie handwerk.com als bevorzugte Quelle hinterlegen, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Sie auf. Fügen Sie handwerk.com hier als bevorzugte Quelle hinzu.

Anzeige

Auf einen Blick

Deepfakes werden zur Chefsache, wenn sie einen Bezug zum Arbeitsplatz haben oder mit betrieblichen Mitteln erstellt oder geteilt werden.

Arbeitgeber haben dann die Pflicht, aufzuklären und das Opfer zu schützen. Gleichzeitig müssen sie arbeitsrechtliche Maßnahmen ergreifen, die ein solches Verhalten unterbinden. Die Bandbreite reicht von einer Ermahnung bis zur fristlosen Kündigung.

Relevante Themen

ArbeitsrechtPersonal
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Katharina Wolf
Katharina Wolf

Freie Autorin für Betriebsführung und Politik & Wirtschaft

Der Papst fährt Skateboard oder Elon Musk rutscht als giggelndes Baby über einen Tisch – solche Videos mögen lustig sein. Praktisch jeder kann mithilfe von künstlicher Intelligenz derlei Bilder oder Filme, sogenannte Deepfakes, erstellen. Die Ergebnisse sind dabei erstaunlich real: Ist das wirklich der Papst?

Nein, er ist es nicht, und Deepfakes sind für die Betroffenen oft alles andere als komisch. Denn nicht selten werden sie herabgewürdigt, beispielsweise in sexistischen Positionen gezeigt. Dazu kommt: Solche Bilder und Filmchen können leicht in Chatgruppen ausgetauscht oder per Social Media geteilt werden – zum Schaden der Dargestellten.

Immer wieder tauchen Deepfakes auch im beruflichen Kontext auf. „Für Arbeitgeber heißt das: Sie müssen ihre Beschäftigten schützen – und konsequent handeln“, sagt Volker Görzel, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Er beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wann sind privat erstellte Deepfakes ein Thema im Betrieb?

„Grundsätzlich gilt: Was Arbeitnehmer privat tun, geht den Arbeitgeber erst einmal nichts an“, stellt Görzel klar. Wenn also ein Mitarbeiter zu Hause in seiner Freizeit ein Deepfake erstellt, ohne es zu veröffentlichen, hat das keine Konsequenzen am Arbeitsplatz. Aber: „Sobald ein Bezug zum Arbeitsverhältnis besteht, kann es kritisch werden“, sagt der Anwalt.

Ein solcher Bezug liegt zum Beispiel vor, wenn von den privat erstellten Deepfakes

  • Kolleginnen oder Kollegen betroffen sind.
  • Inhalte im beruflichen Umfeld verbreitet werden, beispielsweise per WhatsApp oder Messenger, und dabei betriebliche Gruppen genutzt werden.
  • das Betriebsklima leidet oder Vertrauen im Team zerstört wird.

„Der Arbeitgeber muss insbesondere dann handeln, wenn sexualisierte Bilder oder anders herabwürdigende Bilder oder Filme im Team verbreitet werden oder ein Kollege gemobbt wird“, so Görzel. Schließlich verstößt ein solches Verhalten gegen die arbeitsvertragliche Treuepflicht, da es die betrieblichen Abläufe negativ beeinflusst, die Zusammenarbeit erschwert und den inneren Frieden im Unternehmen stört.

“Wenn Deepfakes während der Arbeitszeit erstellt oder verbreitet werden, liegt fast immer eine Verletzung der arbeitsvertraglichen Pflichten vor.”

Volker Görzel, Fachanwalt für Arbeitsrecht

Was gilt, wenn betriebliche Mittel genutzt werden?

„Wenn Deepfakes während der Arbeitszeit erstellt oder verbreitet werden, liegt fast immer eine Verletzung der arbeitsvertraglichen Pflichten vor“, sagt Görzel. Dasselbe gilt, wenn für die Erstellung der Bilder oder Filme Firmenhardware genutzt wird oder dienstliche Accounts, zum Beispiel bei einem KI-Anbieter, eingesetzt werden.

Was müssen Arbeitgeber tun?

„Arbeitgeber dürfen nicht nur reagieren – sie müssen es oft sogar“, stellt der Jurist klar. „Sobald Arbeitgeber von Vorfällen erfahren oder ein Verdacht besteht, sind sie rechtlich verpflichtet zu handeln und aktiv aufzuklären.“ Entsprechende Regelungen fänden sich im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, im Bürgerlichen Gesetzbuch, aber auch im Arbeitsschutzgesetz. Dies gelte insbesondere, wenn es sich um sexualisierte Deepfakes handelt, die eine sexuelle Belästigung darstellen können. „Darauf hat der potenziell belästigte Arbeitnehmer einen Anspruch und darf bei mangelnder Aufklärung durch den Arbeitgeber die Arbeit verweigern“, sagt der Anwalt.

Konkret bedeute dies, zunächst den Sachverhalt aufzuklären, also mindestens die Beteiligten anzuhören. Dabei können fünf goldene Regeln helfen:

  1. Gespräche wörtlich protokollieren
  2. alle Ermittlungsschritte und Zwischenergebnisse dokumentieren
  3. Personenkreis der einbezogenen Personen klein halten
  4. Ermittlungen zügig führen
  5. einen Anwalt konsultieren

Gleichzeitig ist der Arbeitgeber verpflichtet, die betroffene Person zu schützen und geeignete Maßnahmen gegen den Verursacher einzuleiten: Ermahnung, Abmahnung, Versetzung und Kündigung.

„Hier kommt es auf den Einzelfall an“, sagt Görzel. Eine Abmahnung kann zum Beispiel ausreichen, wenn Ersteller oder Verbreiter der Deepfakes Ersttäter sind und/oder sich einsichtig zeigen. Der Arbeitgeber kann dann davon ausgehen, dass mit einer Verwarnung in Zukunft die Belästigung effektiv unterbunden wird. Aber auch eine Versetzung oder sogar eine verhaltensbedingte oder fristlose Kündigung kommen in Betracht.

Gilt das auch für private Messenger-Gruppen?

„Wir haben die Bilder ja nur in unserer privaten Chatgruppe ausgetauscht.“ Diese Ausrede zählt laut Görzel nicht. „Nicht jede Gruppe ist ‚privat‘ im rechtlichen Sinne“, stellt er klar. „Es gilt: Je größer die Gruppe, desto geringer der Schutz.“ Dazu kommt, dass sich die „privaten Gruppen“ geteilten Deepfakes problemlos außerhalb dieser Gruppen verbreiten lassen.

„Die Gerichte sagen klar: Wer in größeren Gruppen problematische Inhalte teilt, kann sich nicht auf Vertraulichkeit berufen“, sagt der Anwalt. Das gilt insbesondere für sexuell anzügliche Inhalte, beleidigende Nachrichten oder Deepfakes mit Bezug zu Kollegen.

Unangenehm kann es sogar für diejenigen werden, die die Deepfakes unaufgefordert zugeschickt bekommen. Zwar trifft sie grundsätzlich keine Schuld. „Allerdings könnte der Arbeitgeber an alle Chat-Teilnehmer eine Ermahnung oder eine Rüge ohne Kündigungsandrohung aussprechen, um auf die Bedeutung dieses Themas hinzuweisen“, betont der Jurist.

Wann kann Anzeige erstattet werden?

Deepfakes am Arbeitsplatz können auch strafrechtliche Konsequenzen haben – allerdings muss das Opfer in der Regel die Anzeige erstatten. Dabei kommen, je nach Einzelfall, verschiedene Straftatbestände in Betracht: Beleidigung, üble Nachrede oder Verleumdung.

Noch in Arbeit ist eine Gesetzesänderung, die speziell für KI-generierte Bilder gedacht ist, denn bislang ist es nur strafbar, mit realen Fotos den höchstpersönlichen Lebensbereich und Persönlichkeitsrechte zu verletzen. Der neue § 201b im Strafgesetzbuch soll auch die Verletzung von Persönlichkeitsrechten mit KI-Bildern oder -Filmen unter Strafe stellen. „Damit würden Fälle erfasst, in denen jemand ein täuschend echtes KI-Bild oder -Video von einer Person weitergibt und dadurch das allgemeine Persönlichkeitsrecht der dargestellten Person verletzt wird. Und zwar unabhängig davon, ob per Upload ins Internet, Versenden an einzelne Personen oder Vorführen in einer Gruppe“, sagt Görzel. Geplanter Strafrahmen: Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahre oder Geldstrafe.

Ein rotes Gesetzbuch liegt aufgeschlagen auf einem Untergrund. Über dem Buch kreisen rote Paragrafen.

Direkt ins Postfach

Vorschriften, Abmahnungen, Haftung. Es kann schnell kritisch werden.

Von Arbeitsrecht bis Datenschutz: Mit unserem Newsletter sind Sie bestens informiert und vermeiden teure Entscheidungen.

Aintschie - stock.adobe.com

Empfohlene Artikel

Abflussrohr mt Geld
SOKA BAU

Urteil: Rohrreiniger muss SOKA-BAU-Beiträge nachzahlen

Das Bundesarbeitsgericht entscheidet: Ein Rohrreiniger soll fast 100.00 Euro an die SOKA BAU nachzahlen. Für wen gilt das – und wie viel kostet es?

Arbeitsrecht
Mann am Schreibtisch ist ärgerlich auf einen Roboters, der hinter ihm steht
3 Probleme

So machen KI-Bots Arbeitgebern Ärger vor Gericht

Eine KI zu fragen, ist günstig und oft ermutigend. Vor Gericht sollten sich Arbeitgeber aber aus guten Gründen nicht auf Künstliche Intelligenz verlassen.

Arbeitsrecht
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
Krank oder gesund – oder beides?

Was mit der Teil-AU auf Arbeitgeber im Handwerk zukommt

Zum 1. Januar 2028 tritt eine wichtige Neuerung in Kraft: Arbeitnehmer können sich teilweise krankschreiben lassen. Anwalt Jens Usebach erklärt, wie Arbeitgeber sich vorbereiten können.

Personal