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Vom Chef zum Depressionshelden

Stephan Krusch ist ein erfolgreicher Handwerker – bis er nicht mehr kann und die Notbremse zieht. Heute sensibilisiert er andere als „Depressionsheld“.

3 Min.14.02.2022, 15:53 Uhr
Von
Anna-Maja Leupold
Anna-Maja Leupold
Anna-Maja Leupold
Foto von Handwerker Stephan Krusch mit blauem Schutzhelm.
Handwerker Stephan Krusch hat „Depressionshelden“ gegründet. Privat

Zitiervorschlag

Vom Chef zum Depressionshelden. In: /politik-und-wirtschaft/vom-chef-zum-depressionshelden, 14.02.2022, /politik-und-wirtschaft/vom-chef-zum-depressionshelden (abgerufen am: 05.11.2026)

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Auf einen Blick

Nach Jahren der Selbstständigkeit leidet Stephan Krusch an Schlaflosigkeit und hat Suizidgedanken. Er geht davon aus, dass er einen Burn-Out hat und gibt seinen Betrieb auf.

Der Handwerker geht auf Reisen. Dabei entdeckt er, dass er Depressionen hat und lernt mit seiner Krankheit umzugehen.

Mit dem Projekt „Depressionshelden“ leistet Krusch nun auf Instagram Aufklärungsarbeit.

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Anna-Maja Leupold
Anna-Maja Leupold

Redakteurin für Recht, Politik & Wirtschaft und Steuern & Finanzen

Auf sein Unternehmen ist Stephan Krusch immer stolz gewesen. 2008 übernimmt der Gas-Wasser-Installateur den Betrieb von seinem Stiefvater. Er ist 26 Jahre alt und hat jetzt zwei Mitarbeiter: seinen Stiefvater und eine Aushilfskraft. Krusch arbeitet viel, die Aufträge werden größer und er und stellt immer mehr Mitarbeiter ein. Schließlich beschäftigt er neun Angestellte. „In der Woche habe ich mit auf der Baustelle gearbeitet und am Wochenende habe ich die Arbeit im Büro erledigt“, erzählt der heute 39-Jährige. „Arbeitstage mit zehn bis zwölf Stunden sind keine Seltenheit gewesen.“

Doch 2017 geht dem Macher die Kraft für seinen Betrieb aus: Er leidet an Schlaflosigkeit, und ist antriebslos. Krusch vermutete einen Burn-out, weil er sich nach dem Tod seines Stiefvaters und seiner Mutter Monate lang in Arbeit gestürzt hat, anstatt zu trauern. „Ich habe in dieser Zeit sogar Angebote geschrieben, auch wenn ich die Aufträge gar nicht erfüllen konnte“, erinnert er sich. „Als dann auch noch erste Suizid-Gedanken kamen, wusste ich dass es so nicht weitergehen kann.“

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Auf Reisen zur Erkenntnis: Depression statt Burnout

Krusch sucht einen Ausweg, verkauft den Betrieb und geht auf Reisen, quer durch Europa. Dabei lernt er andere Reisende kennen. „Durch die Gespräche wuchs in mir der Verdacht, dass ich keinen Burn-Out sondern Depressionen habe“, sagt der Handwerker. Da er habe angefangen, sich mit der Krankheit zu beschäftigen. Heute kennt er die typischen Warnsignale, die auf eine Depression hindeuten. Dazu gehöre zum Beispiel anhaltende Antriebslosigkeit, die einen daran hindere morgens aufzustehen und am normalen Leben teilzunehmen.

Krusch lernt mit seiner Krankheit umzugehen, treibt viel Sport. „Das Surfen tut mir unglaublich gut, das ist mein Ventil“, sagt der Handwerker. Trotzdem gebe es immer wieder Phasen, in denen es ihm psychisch nicht gut geht. Wenn es ganz schlimm wird, nehme er Kontakt mit einem Psychologen auf: „Manchmal hilft es, mit jemandem über die Situation zu sprechen.“

Stephan Krusch beim Surfen.
Der Installateur weiß inzwischen, dass das Surfen seiner Psyche gut tut. Privat

„Manchmal wünsche ich mir, dass ich einfach in mein altes Leben zurückkehren könnte“, sagt der 39-Jährige, der noch immer am Handwerk hängt. Dann würde er auch eine Therapie beginnen, denn die sei schwierig auf Reisen. Doch noch ist Krusch nicht soweit, zurückzukehren.

Heute geht er davon aus, dass ihm 2017 eine Therapie geholfen hätte. Doch damals habe er nichts von seiner Depression gewusst. Und selbst wenn: Krusch hat Zweifel, ob er sich damals darauf eingelassen hätte. „Eine Therapie dauert und mit der Verantwortung für einen Kleinbetrieb kann man nicht einfach wochenlang aussetzen.“

Neue Mission: Das Aufklärungsprojekt „Depressionshelden“

Für ihn sei der Verkauf die richtige Entscheidung gewesen. „Durch meine Erkrankung habe ich die Freiheit gewonnen, neue Dinge zu lernen und mich weiterzuentwickeln“, sagt Krusch. Dazu gehört auch sein Projekt „Depressionshelden“. Vor knapp acht Monaten hat er den Kanal auf Instagram ins Leben gerufen. Er will damit depressiv erkrankte Menschen unterstützen und Aufklärungsarbeit leisten. Der Handwerker veröffentlicht regelmäßig nützliche Infos zum Thema Depressionen wie Notrufnummern, Therapieverfahren, Übungen für den Alltag oder Buchtipps.

Außerdem lässt Krusch bei Instagram regelmäßig Menschen zu Wort kommen, die ebenfalls an Depressionen erkrankt sind. In den Posts berichten sie zum Beispiel über ihren Leidensweg, wie sie sich Hilfe geholt haben und wie sie heute mit ihrer Krankheit leben. Außerdem sprechen sie anderen Betroffenen Mut zu, eine Therapie zu machen und nicht aufzugeben. Krusch ist sich sicher, dass das Projekt Depressionshelden vielen Menschen helfen kann. Inzwischen hat Installateur mehr als 2.600 Abonnenten und eine Mission: „Mit den Depressionshelden versuche ich das Thema mentale Gesundheit für Erkrankte und Angehörige greifbar machen und so in der Gesellschaft zu entstigmatisieren.“

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