Unsichere Passwörter sind ein Sicherheitsrisiko. Passwort-Manager helfen, Zugangsdaten sicher zu verwalten, starke Passwörter zu erstellen und den Überblick zu behalten.
Wer digital arbeitet, kennt das Problem: viele Accounts, viele Benutzernamen, viele Passwörter. Um es sich einfach zu machen, nutzen viele entweder ganz simple Passwörter oder für alle Accounts immer dasselbe. Laut Hasso-Plattner-Institut war im vergangenen Jahr „123456“ das meistgenutzte Passwort für Online-Dienste. Da muss niemand ein Hacker sein, um einen Account zu knacken.
Sichere Passwörter aber sind kompliziert, lang und nicht leicht zu merken. Holger Bär, Berater für Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer für Oberfranken, empfiehlt daher die Nutzung eines Passwort-Managers.
Passwort-Manager helfen, Benutzernamen und Passwörter zu organisieren: Sie verschlüsseln die Daten und schützen sie mit einem komplexen Master-Passwort. Man kann sie sich wie ein Notizbuch vorstellen, das sicher in einem Safe liegt und nur dem Besitzer zugänglich ist. Der Vorteil: Statt vieler Passwörter reicht es, sich eines zu merken. Zudem generieren viele Passwort-Manager automatisch sichere Passwörter, wenn der Nutzer einen Account anlegt.
Bevor ein Tool ausgewählt wird, sollte der Nutzer ein paar grundlegende Kriterien berücksichtigen, um den passenden Passwort-Manager zu finden. „Wenn es um kritische Daten geht, geht es vor allem um die Sicherheitsarchitektur“, sagt Bär. „Wie werden die Daten geschützt und verschlüsselt?“ Folgende Punkte spielen dabei eine Rolle:
„Viele Anbieter haben auf ihren Websites FAQs, mit denen sich solche Fragen klären lassen“, erklärt Bär. Ansonsten helfen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und die Datenschutzerklärung weiter. „Und nicht zuletzt kann man auch die Hotline anrufen“, empfiehlt der IT-Berater.
„Für kleine und mittlere Unternehmen, in denen mehrere Mitarbeiter auf dieselben Programme und Anwendungen zugreifen, die aber ihre Daten nicht auf einem eigenen Server hosten, bietet sich eine cloudgestützte Lösung an“, sagt Bär. Das heißt, die Daten werden auf den Servern des Anbieters gespeichert und nicht auf der eigenen Hardware. Außerdem ist so sichergestellt, dass die Passwörter nicht verloren sind, wenn ein eigener Server oder Rechner beschädigt wird. Nicht zuletzt ist der Anbieter für die Datensicherheit verantwortlich, das heißt, er muss sich um das Schließen von Sicherheitslücken und Software-Updates kümmern.
„Bei größeren Unternehmen mit eigenen Servern und IT-Mitarbeitern kommen auch lokale Lösungen in Betracht“, erklärt der Experte.
Viele Anbieter haben ein kostenfreies Tool im Programm. „Schnell merkt man aber, dass die besten Funktionen oft nicht zur Verfügung stehen“, sagt Bär. Zudem seien Business-Kunden ohnehin häufig von der Umsonst-Variante ausgeschlossen.
Aber auch, falls ein Angebot kostenlos genutzt werden kann: Bär empfiehlt, etwas Geld in die Hand zu nehmen, um die Sicherheit der Daten zu gewährleisten: „Wenn ich zahle, bekomme ich auch alle Updates und Weiterentwicklungen – das ist bei den kostenlosen Angeboten oft nicht garantiert.“
“Zugangsdaten sind interessante Ziele für alle, die im Darknet mit solchen Daten handeln.”
Das größte Risiko ist wie so oft der Nutzer: „Ganz klassisch: Man vergisst sein Master-Passwort und hat keinen Zugriff mehr auf seine Daten“, sagt Bär. Zweites Risiko: „Das Master-Passwort ist zu schwach und der Rechner wird gehackt.“ Zugangsdaten seien interessante Ziele für alle, die im Darknet mit solchen Daten handeln. Deshalb seien auch die Anbieter von Passwort-Managern attraktiv für Cyberangriffe. „Umso wichtiger sind dann die Multi-Faktor-Authentifizierung und ein wirklich starkes Master-Passwort“, betont er.
Wer seinen Passwort-Manager selbst hostet, sollte – wie bei allen Anwendungen – darauf achten, die Software aktuell zu halten und alle Updates einzuspielen.
Und wenn es Sicherheitslücken gibt? Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte Ende letzten Jahres mehrere Passwort-Manager geprüft und tatsächlich Lücken festgestellt. Doch sowohl das BSI als auch HWK-Berater Bär stellen klar: Auch wenn Mängel in den Tools auftreten, sei das Risiko, das schwache Passwörter verursachen, viel größer.

„Die Einführung einer neuen Software oder eines neuen Tools sollte immer gut geplant werden“, sagt Bär. Wichtig sei es vor allem, die Mitarbeitenden zu schulen und zu sensibilisieren. Warum wird ein Passwort-Manager eingeführt? Wie funktioniert er sicher? „Da sollte es klare Prozesse geben, etwa den Hinweis, dass der Passwort-Manager beendet wird, bevor man den Arbeitsplatz verlässt“, nennt der IT-Experte ein Beispiel.
Ebenfalls wichtig: ein gutes On- und Offboarding. „Neue Mitarbeitende sollten schnell mit den Abläufen vertraut gemacht werden“, betont Bär. Aber auch, wenn ein Kollege geht, muss einiges beachtet werden. „Oft greifen mehrere Mitarbeitende auf denselben Account zu, beispielsweise bei Bestellungen“, erläutert der HWK-Berater. „Deshalb sollte der Zugriff auf den Passwort-Manager für Ex-Mitarbeiter umgehend gesperrt werden.“

In unserem Newsletter erfahren Sie, wie Handwerksbetriebe digitale Lösungen nutzen und Abläufe zu vereinfachen.