Gießen, schneiden, sägen, verdrahten: Auf der IdeenExpo erleben Schülerinnen die Bandbreite des Handwerks in einem gemeinschaftlichen Projekt.
Auf der IdeenExpo werden Schülerinnen und Schüler selbst Teil einer Produktionskette. Das Ziel: Eine eigene Lampe im Industrial-Design bauen. Der Workshop startet am Handwerksstand beim SHK-Handwerk und endet bei den Augenoptikern und Optometristen. Insgesamt sind es sechs Handwerksberufe, die erkundet werden, und acht Schritte, bis die Lampe fertig verschaltet eingetütet und mit nach Hause genommen werden kann.
Zwischen umherziehenden Besuchern blitzen glänzende Kupferrohre hervor. Sie liegen am Stand des Fachverbands SHK Niedersachsen bereit, um von einer Mädchengruppe einer IGS auf Maß gebracht und verbunden zu werden. Später werden sie einen eleganten Hohlraum im Lampenkörper bilden.
An verschiedenen Tischseiten greifen die ersten Siebtklässlerinnen zu Zollstock und Marker. Mit vorsichtigen Fingern misst eines der Mädchen die richtige Länge ab. Eine helfende Hand einer Auszubildenden im SHK-Handwerk fixiert das Kupferrohr auf der Tischplatte, bis die Markierung sitzt. Den Rohrschneider nun richtig anzusetzen, kostet etwas Mühe. Doch bald ist er festgeschraubt und wird rotierend um das Kupferrohr gedreht. Gemeinsam mit den Schülerinnen wandert die niedersächsische Staatssekretärin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, Christine Arbogast, von Station zu Station und versucht sich an denselben Handgriffen wie auch die Mädchen.

Die Kupferrohre verschwinden nun in einer Schalung. In die Mitte setzen die Teilnehmerinnen einen kleinen Kies-Hügel und drücken ihn an. Dort soll eine Aussparung im Beton entstehen. Dann dürfen sie einen Unterton auswählen, Blau oder Grün? Arbogast entscheidet sich für Blau.

Ein paar Löffel Pigment landen in der Trockenmischung, Wasser dazu, kräftig rühren und fertig ist die schnellhärtende Betonmasse. Jetzt müssen die Mädchen zügig arbeiten: Aus dem großen Eimer heraus gießen sie die Masse in die Schalung. Bei manchen sieht sie bereits etwas fester aus. Doch mit dem Spachtel lässt sich noch alles glattstreichen. Dann muss der Lampenkorpus rund 30 Minuten am Stand aushärten.
Am Tischlerstand graviert ein Besucher sein eigenes Holzbrettchen. Konzentriert fährt er mit der Hand-CNC-Oberfräse seinen eingestellten Schriftzug nach. Die Workshop-Gruppe hat hier aber eine andere Mission: Für die Lampe werden Sockel gesägt, bearbeitet und geölt. Das warme Holz bildet später einen Kontrast zum kühlen Beton.
Heute wird mit Schiefer kein Dach gedeckt, sondern die Beton-Optik-Lampe veredelt. Eine Dachdeckerin zeichnet die Konturen vor und setzt die Schere an. Dann übernehmen die Schülerinnen. Stück für Stück arbeiten sie sich an der Linie entlang, während kleine Splitter des Natursteins zu Boden rieseln. Zurück bleibt eine Platte mit natürlich-wirkenden, unregelmäßigen Kanten.

Inzwischen ist auch der Beton ausgehärtet. Die Schalung wird gelöst, der Kies vorsichtig herausgebürstet. Mit der Rückseite eines Pinsels lockert eine Schülerin die letzten Steinchen rund um das Kupferrohr, mit den Borsten fegt sie den Rest davon. Das leise Kratzen geht fast unter im stetig lauter werdenden Grundrauschen der Messehalle. Über einer Bühne steigt Nebel auf, futuristische Elektromusik legt sich über das Stimmengewirr.


Jetzt zeigt sich die Bedeutung des Kupferrohrs. Die elektrische Leitung verschwindet im Inneren. Schalter, Leuchtmittel und Stecker werden verbunden und verdrahtet. Aus einzelnen Materialien wird Schritt für Schritt ein funktionierendes Produkt.

Der letzte Halt führt an einen Stand mit zwei Gesichtern: Auf der einen Seite stehen moderne Geräte für Seh- und Führerscheinsehtests, auf der anderen wird geschraubt, gebohrt und montiert.
Die Schülerinnen setzen kleine Bohrungen in eine Glaslinse, befestigen sie mit feinen Schrauben und fädeln den Draht ein. Nun ziert das kleine gebogene Glas, etwa in dezentem Blau oder Orange, den Leuchtkörper. Das war das letzte fehlende Teil.
Die Mädchen ziehen mit ihren selbstgebauten Lampen weiter durch die Messehalle. Zuhause werden sie im gemütlichen Lichtschein vielleicht daran erinnert, welche spannenden Handwerksberufe auf sie warten.
Und wir fragen nach: Haben die Schülerinnen die Berufe des Handwerks in diesem Workshop wahrgenommen? Rieke, die Auszubildende, die am SHK-Stand bei den Rohren unterstützt hat, glaubt schon: „Sie hatten viele Fragen und haben sich sogar für ein Ausbildung oder Praktika in unserem Gewerk interessiert.“
Beitrag von Johanna Ahrbecker

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