Logo handwerk.com
Logo handwerk.com
MediadatenÜber handwerk.com Unser TeamNewsletterKontakt
Logo
ImpressumDatenschutzAGB
Handwerksgeschichte bewahren

Ein neues Zuhause für ein altes Handwerk

Historische Stellmacherei gerettet: Wie Tischlermeister Stefan Haut über 100 Jahre alten Maschinen vor der Verschrottung bewahrte.

3 Min.24.09.2026, 15:31 Uhr
Von
Jorina Tenberg
Jorina Tenberg
Jorina Tenberg
Transmissionswelle aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg in seinem neunen Zuhause in Bad Harzburg.
Herzstück der Werkstatt: Die historische Transmissionsanlage setzt die Kraft auf die einzelnen Maschinen um. Dirk Junicke

Zitiervorschlag

Ein neues Zuhause für ein altes Handwerk. In: /gewerke/ein-neues-zuhause-fuer-ein-altes-handwerk, 24.09.2026, /gewerke/ein-neues-zuhause-fuer-ein-altes-handwerk (abgerufen am: 08.11.2026)

Infos zum Zitiervorschlag

Hinweis: Wenn Sie etwas googeln, bekommen Sie neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn Sie handwerk.com als bevorzugte Quelle hinterlegen, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Sie auf. Fügen Sie handwerk.com hier als bevorzugte Quelle hinzu.

Anzeige

Relevante Themen

GesellschaftBranchenstimmen
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jorina Tenberg
Jorina Tenberg

Volontärin für Betriebsführung, IT und Gewerke

Die Werkstatt eines alten Handwerks zu erhalten und wieder zum Leben zu erwecken: Das war der Wunsch von Stefan Haut für eine Stellmacherei in seinem Heimatort Wülperode im Landkreis Harz. Dabei handelt es sich um eine Werkstatt, in der traditionell Räder, Wagen, Kutschen und andere Fahrzeugteile aus Holz hergestellt, repariert und restauriert wurden.

Warum der Tischlermeister die Maschinen nicht dem Schrott überlassen will

„Ich kenne die Stellmacherei, seit ich ein Kind bin“, berichtet der Tischlermeister. „Früher bin ich mit meinem Opa oft dorthin gegangen.“ Als Haut erfuhr, dass das Haus, in dem sich die Werkstatt befand, verkauft werden sollte und die alten Maschinen verschrottet werden sollten, hatte er eine Idee für die Erhaltung.

Das Gestüt von Dirk Junicke aus dem Jahr 1413. Das neue Zuhause der historischen Stellmacherei.
Das Gestüt von Dirk Junicke aus dem Jahr 1413. Das neue Zuhause der historischen Stellmacherei. Dirk Junicke

Auf dem Bad Harzburger Gestüt von Dirk Junicke, dessen Geschichte bis ins Jahr 1413 zurückreicht, gab es früher bereits eine Stellmacherei, allerdings ohne die dazugehörigen Maschinen. „Ich kenne Dirk Junicke von anderen Denkmalschutzprojekten und habe ihn deshalb angerufen“, erzählt Haut. „Er war sofort begeistert von der Idee und hat das Vorhaben unterstützt.“

Bevor die Maschinen in ihr neues Zuhause im rund 20 Kilometer entfernten Bad Harzburg umzogen, prüfte Haut zunächst deren Funktionsfähigkeit. „Die ganze Transmission laufen zu sehen, zu beobachten, wie alles funktioniert und die Räder ineinandergreifen – das war schon ein sehr besonderer Moment“, erinnert sich der Tischlermeister.

Wie wird der Transport von eisernen Maschinen möglich?

Die größte Herausforderung bestand darin, die großen, zum Teil aus Eisen gefertigten Maschinen unbeschadet zu transportieren. Rund drei Wochen lang bereitete Haut den Umzug vor und zerlegte die Maschinen so weit wie möglich. Zu den Anlagen aus den Jahren 1911 bis 1913 gehören seinen Aussagen zufolge beispielsweise eine Transmissionswelle, eine Radbank, eine Bandsäge sowie ein Schleifstein mit Umlenkwelle.

Stefan Haut arbeitet an einem Schleifstein.
Mit der Bandsäge wurden Holzteile für Wagenräder und andere Konstruktionen zugeschnitten.
Eine historische Werkzeugwand mit handgeführten Holzbearbeitungswerkzeugen, die in einer Stellmacherei unverzichtbar waren.
Stefan Haut arbeitet an einem Schleifstein. Dirk Junicke

Einige Elemente konnten die alte Werkstatt nicht auf gewöhnlichem Weg verlassen: „Für die Maschinenteile, die wir nicht tragen konnten, musste ein Kran kommen“, berichtet Haut. „Dafür musste das Dach aufgesägt werden, nur so konnten wir die Teile herausheben.“ Nachdem die Maschinen an ihrem neuen Standort angekommen waren, dauerte es weitere zwei Wochen, bis alles eingerichtet und wieder funktionstüchtig war.

Denkmalgeschützte Stellmacherei feiert Eröffnung

Am Tag des Denkmals im September wurde die restaurierte Stellmacherei erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Rund 300 Besucherinnen und Besucher waren laut Haut bei der Eröffnung dabei. Bereits zwei Tage zuvor sei die Stellmacherei unter Denkmalschutz gestellt worden.

Wer sich dieses Stück Handwerksgeschichte selbst ansehen möchte, hat dazu an den ersten beiden Adventswochenenden Gelegenheit. Dann ist die Stellmacherei während des Weihnachtsmarktes auf dem Gestüt geöffnet. Für besonders Interessierte ist eine Besichtigung auch nach vorheriger Anfrage möglich.

Exponate für die Stellmacherei gesucht!

Für die Stellmacherei in Bad Harzburg werden weiterhin Werkzeuge zur Holzbearbeitung aus den 1920er-Jahren gesucht. Auch die alte Schmiede auf dem Gestüt soll wieder zum Leben erweckt werden. Stefan Haut und seine Mitstreiter suchen alles, was typischerweise zu einer Schmiede gehört. Wer etwas beitragen möchte, kann sich bei Dirk Junicke unter der Telefonnummer 05322–2323 melden.

Ein Werkzeugkoffer von Innen mit verschiedenen Werkzeugen

Branchen-News

Jedes Gewerk hat seine eigenen Herausforderungen.

Unser Newsletter zeigt Ihnen, was in Ihrem Gewerk funktioniert – praxisnah, kompakt und regelmäßig geliefert.

golubovy - stock.adobe.com

Empfohlene Artikel

Ein junger Mann sitzt auf einem Sofa. Er reibt sich die Augen. Auf seinem Schoß liegt ein Laptop.
Studie des IAB

Fehlt dem Ausbildungsnachwuchs die Umzugsbereitschaft?

Viele Jugendliche möchten für ihre Ausbildung nicht umziehen. Welche Hürden dahinterstecken und welche Maßnahmen die Bereitschaft fördern könnten.

Personal
Jannis Weidlich hinter seinem Meisterstück.
Vom Fachwerkbalken zum Meisterstück

Moderne Dokumentation: Eine Meisterstück-Reise auf Instagram

Aus Fachwerkbalken von 1760 entsteht ein Meisterstück: Tischlermeister Jannis Weidlich zeigt jeden Schritt auf Instagram. Mit Erfolg.

Holzhelden
Anna Hüllner, hier mit Holger Jentz dem Vorsitzender des Bildungsausschusses im Bundesverband Farbe zu sehen, ist 2025 Vize-Europameisterin der Maler und Lackierer geworden.
Wettbewerb für den Nachwuchs

EuroSkills 2027: Design für die offiziellen Medaillen gesucht

EuroSkills-Medaillen aus Gold, Silber und Bronze mit dem eigenen Entwurf versehen und 1.000 Euro gewinnen. Wer mitmachen kann und welche Voraussetzungen gelten.

Bildung