Historische Stellmacherei gerettet: Wie Tischlermeister Stefan Haut über 100 Jahre alten Maschinen vor der Verschrottung bewahrte.
Die Werkstatt eines alten Handwerks zu erhalten und wieder zum Leben zu erwecken: Das war der Wunsch von Stefan Haut für eine Stellmacherei in seinem Heimatort Wülperode im Landkreis Harz. Dabei handelt es sich um eine Werkstatt, in der traditionell Räder, Wagen, Kutschen und andere Fahrzeugteile aus Holz hergestellt, repariert und restauriert wurden.
„Ich kenne die Stellmacherei, seit ich ein Kind bin“, berichtet der Tischlermeister. „Früher bin ich mit meinem Opa oft dorthin gegangen.“ Als Haut erfuhr, dass das Haus, in dem sich die Werkstatt befand, verkauft werden sollte und die alten Maschinen verschrottet werden sollten, hatte er eine Idee für die Erhaltung.

Auf dem Bad Harzburger Gestüt von Dirk Junicke, dessen Geschichte bis ins Jahr 1413 zurückreicht, gab es früher bereits eine Stellmacherei, allerdings ohne die dazugehörigen Maschinen. „Ich kenne Dirk Junicke von anderen Denkmalschutzprojekten und habe ihn deshalb angerufen“, erzählt Haut. „Er war sofort begeistert von der Idee und hat das Vorhaben unterstützt.“
Bevor die Maschinen in ihr neues Zuhause im rund 20 Kilometer entfernten Bad Harzburg umzogen, prüfte Haut zunächst deren Funktionsfähigkeit. „Die ganze Transmission laufen zu sehen, zu beobachten, wie alles funktioniert und die Räder ineinandergreifen – das war schon ein sehr besonderer Moment“, erinnert sich der Tischlermeister.
Die größte Herausforderung bestand darin, die großen, zum Teil aus Eisen gefertigten Maschinen unbeschadet zu transportieren. Rund drei Wochen lang bereitete Haut den Umzug vor und zerlegte die Maschinen so weit wie möglich. Zu den Anlagen aus den Jahren 1911 bis 1913 gehören seinen Aussagen zufolge beispielsweise eine Transmissionswelle, eine Radbank, eine Bandsäge sowie ein Schleifstein mit Umlenkwelle.



Einige Elemente konnten die alte Werkstatt nicht auf gewöhnlichem Weg verlassen: „Für die Maschinenteile, die wir nicht tragen konnten, musste ein Kran kommen“, berichtet Haut. „Dafür musste das Dach aufgesägt werden, nur so konnten wir die Teile herausheben.“ Nachdem die Maschinen an ihrem neuen Standort angekommen waren, dauerte es weitere zwei Wochen, bis alles eingerichtet und wieder funktionstüchtig war.
Am Tag des Denkmals im September wurde die restaurierte Stellmacherei erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Rund 300 Besucherinnen und Besucher waren laut Haut bei der Eröffnung dabei. Bereits zwei Tage zuvor sei die Stellmacherei unter Denkmalschutz gestellt worden.
Wer sich dieses Stück Handwerksgeschichte selbst ansehen möchte, hat dazu an den ersten beiden Adventswochenenden Gelegenheit. Dann ist die Stellmacherei während des Weihnachtsmarktes auf dem Gestüt geöffnet. Für besonders Interessierte ist eine Besichtigung auch nach vorheriger Anfrage möglich.

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