Die Bearbeitung von Oberflächen mit Smart Oil könnte für das Schreinerhandwerk eine Wende bringen. Und mit der UV-LED-Strahlung soll das gelingen.
Siggi Hoffmann testet vor der Kamera neue Auftrags- und Trocknungsverfahren. Der Tischlermeister und Betriebsinhaber des Innungsbetriebs „Tischlerei Sigwood“ aus dem schleswig-holsteinischen Dätgen ist erfahren mit Tests neuer Produkte, die für Tischler und Schreiner sowie für das holzverarbeitende Gewerbe hierzulande relevant sind.

Im Netz kann man ihn in einem vor wenigen Monaten hochgeladenen Video auf der Plattform Youtube anschauen, in dem er ein sogenanntes Smart Oil mit einer UV-LED-Handlampe trocknet. In dem kurzen Beitrag bearbeitet er beide Seiten eines Brettes mit dem Öl und trocknet es anschließend. „Die sofortige Trocknung des Öles ist sehr ergiebig und es ist außerdem nicht so empfindlich, wenn ich es mit der UV-Lampe manuell trockne“, betont Hoffmann.
Das von dem Tischlermeister getestete Smart Oil wird seiner Aussage nach derzeit nur von einem Hersteller angeboten. Das Unternehmen Osmo preist das LED Smart Oil und die UV-LED-Handlampe als den Beginn einer neuen Ära in der professionellen Oberflächenbeschichtung für Holz an. Es ermögliche darüber hinaus die Erstellung hochwertiger, offenporiger und atmungsaktiver Oberflächen, die durch Belichtung mit einer speziellen Lichtquelle aushärten sollen. „Allerdings hängt es von der Tageszeit ab, an der ich mit dem Smart Oil und der UV-Härtung arbeite. Wenn ich zum Beispiel bei einem Kunden an einer Fensterfront arbeite, sollte ich darauf achten, dass ich es zu einer Tageszeit erledige, an der die Sonneneinstrahlung nicht zu stark ist“, sagt Hoffmann. Der Grund dafür sei die zu schnelle Aushärtung des bearbeiteten Holzes durch die UV-Strahlung.
Laut Ansicht des Tischlermeisters eignet sich das Smart Oil sowohl für Böden und Treppen als auch für Möbel. Zugleich biete es sich überall dort an, wo höhere Belastungen auftreten. „Bei einer Treppe und auch bei einem Tisch würde ich das Öl aber immer zweimal auftragen“, so Hoffmann und betont gleichzeitig, dass es auf den vom Kunden gewünschten Effekt ankommt.
Laut Osmo kann das LED Smart Oli entweder mithilfe eines Doppelspachtel oder einer Mikrofaserrolle und anschließend mit einem weißen Pad mittels Einscheibenmaschine aufgetragen werden. Anschließend erfolge die Trocknung durch die UV-LED-Handlampe. Laut Angaben des Herstellers lässt das Licht das Öl sofort aushärten. Darüber hinaus könne die Oberfläche anschließend voll belastet werden. „Es ist die Effizienz der Lampe, die charakteristisch für sie ist“, sagt Hoffmann. Die UV-Strahlung sorgt dabei für die Trocknung des Öls. Während des Prozesses findet eine chemische Reaktion statt. So erfolgt die Härtung des Öls innerhalb weniger Minuten.
Das Öl ist ein Newcomer auf dem Markt. Dementsprechend wenig Erfahrungen haben Tischlerbetriebe hierzulande mit dem Produkt. Fakt ist: Für die Verarbeitung allein reicht das Öl nicht aus. Anwender benötigen zwingend die UV-LED-Handlampe zur Trocknung. Das Öl und die Lampe bietet der Hersteller in einem Set an.
Der einzige Kritikpunkt von Hoffmann im Testvideo bezieht sich auf den sogenannten „Handxcenter“, der ebenfalls zum Set gehört. Dieser fühle sich nicht hochwertig an. Mit dem Elektrogerät wird das Öl auf die Oberfläche aufgetragen. Osmo selbst gibt lediglich den Hinweis, dass die Verarbeitung des Öls nicht bei direktem Sonnenlicht erfolgen soll, „da ansonsten der Trocknungsvorgang einsetzen würde“, heißt es. Darüber hinaus empfiehlt der Hersteller, es nicht zu verdünnen.
Nach dem Einzug des Öls hält Hoffmann die Oberfläche erneut in die Kamera und weist darauf hin, dass nichts schwimmt oder tropft. Beim Zuschauer könne allerdings leicht der Eindruck entstehen, dass die Oberfläche technischer und fester wirkt, als wenn sie mit einem Naturöl bearbeitet wurde. Doch die Zeit und der verstärkte Einsatz bei den Tischlerbetrieben wird zeigen, ob das Smart Oil hält, was es verspricht und mit den bisherigen Naturölen mithalten kann.
Hoffmann betont: „Wer an einer Fensterfront damit arbeitet, sollte das Fenster im Vorfeld abhängen.“ Auf der Baustelle habe man vor allem in den Sommermonaten und der Sonneneinstrahlung mit Blick auf die Härtung ein begrenztes Zeitfenster. „Das habe ich in einer Werkstatt nicht, da dort einfach keine UV-Strahlung ankommt“, so der Tischlermeister.


Die Verwendung von UV-Strahlung zur Trocknung ist allerdings nicht neu. So gab es bereits in den Jahren 2011 bis 2012 ein von der Europäischen Union gefördertes Projekt („Energy efficient UV LED curing without inerting“), das unter anderem industrielle Holzbeschichtungen untersuchte. Ein Ergebnis des Projektes war, dass mit geeigneten UV-LED-Flächen eine ausreichende Oberflächen- und Tiefenhärtung erreicht werden kann. Darüber hinaus fand man heraus, dass UV-LEDs im Gegensatz zu konventionellen UV-Lampen kein Ozon erzeugen und weniger Wärmebelastung verursachen. Das bestätigt auch Hoffmann. „Bei dem Trocknungsverfahren wird es minimal warm, wenn ich mit der UV-Lampe über die Oberfläche gehe.“
Obwohl das Smart Oil den gleichen Schutz wie andere herkömmliche Öle gewährleistet, sollte es in regelmäßigen Zeitabständen auf die entsprechende Oberfläche aufgetragen werden. „Es schützt in jedem Fall gut. Außerdem ist die Nachbearbeitung der Oberfläche und die Pflege mit dem Öl einfach“, betont Hoffmann. Aufgrund der täglichen Nutzung müssen Oberflächen wie zum Beispiel Böden einiges aushalten und dementsprechend belastbar sein. „Aus meiner Sicht ist das Smart Oil dabei hilfreich, weil es auch wirklich hart wird“, so Hoffmann.
Im Test mit dem Öl kommt der Tischlermeister und Betriebsinhaber zu dem Schluss, dass es nicht tief in das Holz einzieht, dennoch schichtbildend ist. Zudem glänze es beim zweiten Auftragen immer etwas mehr als beim ersten Gang. „Das schafft einen nochmals höheren Effekt“, sagt Hoffmann.

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