Gitarren, Klangröhren und Möbel: Warum Roman Fritz mit seiner Schreinerei in Göppingen neue Wege geht
Eine Schreinerei voller Gitarren? Das ist nicht der übliche Anblick in einer Schreinerei. Roman Fritz hat in seinem Betrieb Fritz Möbelwerkstätte seinen Beruf mit seiner Leidenschaft für Musik verbunden. Gegründet wurde die Schreinerei 1895 im schwäbischen Göppingen. Die Übernahme des Familienbetriebs in vierter Generation erfolgte plötzlich: Fritz’ Vater starb im Jahr 1993 an Krebs. Kurz zuvor hatte der 21 Jahre junge Fritz erst seine Gesellenprüfung bestanden. „Ich hatte plötzlich einen großen Betrieb mit damals 35 Mitarbeitenden an der Backe“, erzählt der heute 55-jährige Schreinermeister. Da er in der Handwerksrolle eingetragen war, brauchte er, um den Betrieb zu führen, eine Sondergenehmigung der Handwerkskammer Stuttgart. Da das Tischlerhandwerk zu den zulassungspflichtigen Handwerken der Anlage A der Handwerksordnung gehört, ist normalerweise für die Eintragung in die Handwerksrolle ein Meisterbrief oder eine gleichwertige Qualifikation vorgesehen. So absolvierte Fritz parallel zum Berufsalltag betriebswirtschaftliche Kurse und machte 1998 seinen Meister.
Der Schwerpunkt der Schreinereiproduktion lag zu dieser Zeit auf Sitzmöbeln. „Wir haben im großen Stil Stühle, Tische und Eckbänke hergestellt. In unserem Landkreis gibt es wahrscheinlich keine Gastwirtschaft oder keine Turnhalle, die „Stuhl-Fritz“ nicht ausgestattet hat“, berichtet der Betriebsinhaber.
Bis 2002 hat der Familienbetrieb die gefertigten Möbel für Privatkunden in einem Möbeleinzelhandelsgeschäft in der Göppinger Innenstadt verkauft. Doch der stationäre Verkauf war durch die verstärkte Konkurrenz aus dem Internet von den Kosten her nicht mehr wirtschaftlich. Im Jahr 2006 entschloss sich Fritz dann, sein Hobby zum Beruf zu machen. „Ich war schon früher in jungen Jahren als Gitarrist unterwegs und habe mir gesagt. Du, eine Gitarre ist doch aus Holz.“ So gründete er zusammen mit einem Partner die Firma
„Siggi -Braun“fine young guitars, um Gitarren herzustellen. Er verkaufte das alte Firmengebäude und suchte sich ein kleineres Zuhause für seinen Betrieb. 400 Quadratmeter Fertigungsfläche plus Verkaufs- und Büroflächen stehen heute dem Betrieb Fritz Möbelwerkstätte zur Verfügung. „Wir sind von der industriellen Fertigung zum Manufakturcharakter gewechselt“, beschreibt der Schreinermeister. Die Gitarren werden maßangefertigt und auf denselben Maschinen hergestellt wie die Möbelstücke. Kunden hat er in allen Altersklassen zwischen 6 und 98 Jahren, auch die Gitarristen aus der Band von Matthias Reim und vieler bekannter Rockbands sind darunter. Hauptsache musikbegeistert. Rund 4.500 Euro kostet eine maßgeschreinerte Gitarre. Auch die Mitarbeiterzahl hat der 55-Jährige reduziert. Heute arbeiten in dem Betrieb zwei Schreinerinnen, ein Schreiner, ein Gitarrentechniker, eine kaufmännische Angestellte und zwei Auszubildende.

Neben den täglichen Holzarbeiten wird in der Schreinerei Fritz auch lackiert. Dabei stehen besonders die Gitarren im Fokus, aber auch Möbel können auf Hochglanz lackiert werden.
Für den Gitarrenbau verwendet Fritz auch Hölzer, die seiner Ansicht nach in anderen Schreinereien eher selten zum Einsatz kommen. Darunter befinden sich Hölzer wie Black Limba oder Buckeye Burl, ein Wurzelmaserholz der nordamerikanischen Rosskastanie. Einen besonderen Effekt erzeugt auch das Holz Pale Moon Ebony. Die Ebenholzart hat eine Art Pigmentstörung, so ist die cremefarbene Grundstruktur von markanten, tintenartigen schwarzen Maserungen durchzogen. „Diese Hölzer sind optisch sehr ansprechend, kommen aber fast alle aus den Tropen oder Südamerika“, berichtet der Schreinermeister.
Der passionierte Gitarrist bietet auch eine Nature Line an, eine Gitarrenlinie aus lokalen und europäischen Hölzern, wie beispielsweise Bergahorn. „Auch mit heimischen Hölzern können wir tolle Instrumente gestalten, dafür braucht man nicht immer Holz aus den Tropen“, betont Fritz. Dafür arbeitet der Schreiner mit einem lokalen Sägewerk zusammen. Auch mit eigenem Holz und einer musikalischen Grundidee können Kunden in die Schreinerei kommen und sich beraten lassen.

Relativ neu im Sortiment ist die „Overtone-Tube“, eine große Klangröhre. „Man kann sie sich vorstellen, wie ein Solarium aus Holz“, beschreibt Fritz. Über diese Röhre sind 58 Saiten auf der Oberseite und 22 Saiten auf der Unterseite gespannt. Eingesetzt werden kann sie beispielsweise für Physio- oder Ergotherapie. „Patienten können sich in diese Röhre legen und dann werden die Saiten angeschlagen. Dabei entstehen die besagten Obertöne. Diese Töne und deren Vibration in der Klangröhre sollen für Entschleunigung und Entspannung sorgen“, erklärt der Meister.
Heute macht Fritz 70 Prozent seines Umsatzes mit Möbeln und Innenausbau, 20 Prozent mit Gitarren und zehn Prozent mit den speziellen Klangröhren.
“Immer inspiriert bleiben und nach vorne blicken.”
Die Planung der Möbel hat der Betrieb mit Palette CAD digitalisiert. Auch in andere Bereiche der täglichen Arbeit werden digitale Tools integriert. Für Aufmaße wird eine sogenannte Punktewolke verwendet. Sie erfasst Gebäude, Bauteile oder Gelände dreidimensional mittels Laserscanner. „Solche modernen Werkzeuge sind super, wenn man sie nutzen kann. Es ist aber wichtig, auch junge Leute zu haben, die das verstehen und damit umgehen können“, sagt der 55-Jährige.
Die Betriebsnachfolge ist noch ein offenes Thema: Fritz will eine geeignete Nachfolge für den Familienbetrieb finden, die er in seiner Dienstzeit noch betreuen kann.

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