Beim Bäckerhandwerk denken viele an die zahlreichen Schließungen der vergangenen Jahre: Doch 2025 gab es ungewöhnlich viele Neugründungen.
Die Zahl der Bäckereibetriebe ist im vergangenen Jahr erneut gesunken – allerdings gab es gleichzeitig ungewöhnlich viele Neugründungen. Wie der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks (ZV) mitteilte, wurden 448 Betriebe neu gegründet und damit rund 40 mehr als noch ein Jahr zuvor. Schon seit einigen Jahren gab es nicht mehr so viele Neugründungen innerhalb von zwölf Monaten.
„Wer heute eine Bäckerei gründet, braucht Mut, Leidenschaft und Unternehmergeist. Die hohe Zahl bei den Neugründungen zeigt, welches Vertrauen junge Unternehmer in unser Handwerk haben“, sagte ZV-Präsident Roland Ermer, laut der Pressemitteilung. Er forderte zudem, dass die Politik dieses Vertrauen nicht enttäuschen dürfe. „Wer mehr Unternehmertum will, muss endlich die Rahmenbedingungen verbessern, statt neue Belastungen aufzubauen“, so Ermer.
Trotz des positiven Trends bei den Neugründungen ist die Zahl der handwerklichen Bäckereibetriebe 2025 um 2,8 Prozent gesunken. Insgesamt gab es damit im vergangenen Jahr 8.689 handwerkliche Bäckereibetriebe in Deutschland. Zehn Jahre zuvor waren es laut dem damaligen Geschäftsbericht des Zentralverbands 12.155.
Nach Angaben des ZV setzt sich der Strukturwandel der Branche damit fort. „Hinter jeder Betriebsaufgabe steht ein Unternehmer, der oft über Jahrzehnte Verantwortung übernommen hat. Dass sich der Rückgang verlangsamt hat, ist positiv“, sagte Ermer. Der ZV-Präsident stellte aber auch klar, dass von einer Entwarnung keine Rede sein könne: „Viele Betriebe arbeiten am Limit und kämpfen täglich mit gestiegenen Kosten und nach wie vor wachsender Bürokratie.“
Trotz der positiven Signale bei den Neugründungen sieht der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks dringenden politischen Handlungsbedarf. Der Verband setzt sich unter anderem für eine Reform des Arbeitszeitgesetzes ein, damit sonntags mehr gebacken werden kann. Dem Arbeitszeitgesetz zufolge dürfen Bäckereien bisher an Sonn- und Feiertagen bis zu drei Stunden Backwaren herstellen und liefern. Im Koalitionsvertrag heißt es, der sogenannte Ausnahmekatalog im Arbeitszeitgesetz für Sonn- und Feiertagsbeschäftigung solle um das Bäckereihandwerk erweitert werden.
Handlungsbedarf bestehe auch an anderer Stelle: Handwerksbäckereien stünden unter Wettbewerbsdruck durch industriell gefertigte Backwaren im Supermarkt. Sie müssten häufig die gleichen Vorgaben wie Industrieunternehmen erfüllen, verfügten aber meist nicht über eigene Rechts- oder Verwaltungsabteilungen. „Wir brauchen endlich faire Wettbewerbsbedingungen für das Bäckerhandwerk“, forderte Ermer. Für fairen Wettbewerb brauche es „deutlich weniger Regulierung für kleine und mittelständische Handwerksbetriebe.“ (dpa/aml)

Mit dem handwerk.com-Newsletter erhalten Sie alle relevanten Meldungen und Praxiswissen direkt in Ihr Postfach.