Strategie

Stresstest: Ist wieder Zeit für autoritäre Chefs?

In der Rezession greift mancher Chef wieder zu autoritären Führungsmethoden. Warum dieser Handwerksunternehmer das für einen Fehler hält.

3 Min.23.01.2026, 15:20 Uhr
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Autoritärer Führung? Laut Handwerksunternehmer Gunnar Barghorn bedeutet das mehr Vorgaben, Kontrollen und Mikromanagement
Autoritärer Führung? Laut Handwerksunternehmer Gunnar Barghorn bedeutet das mehr Vorgaben, Kontrollen und Mikromanagement 1STunningART - stock.adobe.com
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Auf einen Blick

Hat New Work in der Krise ausgedient? Klarheit und Sicherheit wünschen sich viele Führungskräfte und Mitarbeitende in solchen Zeiten. Doch sie meinen nicht immer dasselbe.

Metallbauer Gunnar Barghorn kennt dieses Dilemma und warnt vor einer Rückkehr zur autoritären Führung. Er setzt auf selbstständige Mitarbeitende und eine werteorientierte, kooperative Führung. Das funktioniere auch in Krisen – und habe sein Unternehmen aus einer schweren Schieflage gebracht.

Bonus für kooperative Chefs: Sie erreichen eine deutlich höhere Mitarbeiterbindung als autoritäre Vorgesetzte.

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Klare Kante statt New Work: Ist autoritäre Führung in Unternehmen wieder auf dem Vormarsch? Diesen Eindruck hat jedenfalls Gunnar Barghorn. Der Chef eines Metall- und Stahlbauunternehmens in Brake mit 100 Mitarbeitenden ist gut vernetzt, nicht nur im Handwerk. Auch als Redner ist der 58-Jährige viel unterwegs, oft geht es in seinen Vorträgen und Diskussionen um Mitarbeiterführung in der Krise. Sein Eindruck: „Je länger die Rezession anhält, desto mehr wird wieder von oben bestimmt.“

Mit diesem Eindruck steht Barghorn nicht allein. Eine aktuelle Umfrage der Berliner Unternehmensberatung Next Work Innovation zeigt:

  • Viele Führungskräfte haben in der Krise ein Bedürfnis nach autoritärer Führung.
  • Mitarbeitende wünschen sich hingegen mehr Klarheit, Strukturen und Regeln, um selbstwirksam handeln zu können.

Das Fazit der Berater: Führungskräfte würden zwar die Bedürfnisse der Mitarbeitenden erkennen, sie aber nicht befriedigen. Stattdessen tendierten Vorgesetzte zu autoritärer Führung, „also einer schnellen, eher aktionistischen Lösung“. Das verschaffe ihnen ein befriedigendes Gefühl, doch löse es nicht die Probleme der Unternehmen.

Der Preis der Ansagen: Dienst nach Vorschrift

Dass sich Mitarbeitende in diesen Zeiten Sicherheit und Klarheit wünschen, ist für Gunnar Barghorn verständlich. „Das sollte man aber nicht mit Ansagen von oben verwechseln“, warnt der Unternehmer. „Und schon gar nicht darf man als Führungskraft den eigenen Angstreflexen freien Lauf geben.“ Denn autoritäre Führung bedeute mehr Vorgaben, Kontrollen und Mikromanagement – und führe zu Dienst nach Vorschrift. Das verhindere jeden Fortschritt. „Aber aus der Krise kommen wir nur mit Mut zum Fortschritt, mit Innovation und mit Zukunftszuversicht“, ist sich Barghorn sicher.

Den Wunsch der Mitarbeitenden nach Sicherheit und Klarheit „sollte man nicht mit Ansagen von oben verwechseln“, sagt Gunnar Barghorn.
Den Wunsch der Mitarbeitenden nach Sicherheit und Klarheit „sollte man nicht mit Ansagen von oben verwechseln“, sagt Gunnar Barghorn. Barghorn
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Erfahrung: Mit Transparenz aus der Krise

Mitarbeitende brauchen nach seiner Einschätzung vor allem Klarheit über die Unternehmenswerte, Ehrlichkeit, Transparenz und „volle Rückendeckung“, so der Unternehmer. Ein wichtiger Leitsatz Barghorns lautet deswegen: „Schuld ist immer der Chef, er trägt die Verantwortung – auch für Fehler der Mitarbeitenden.“ Das stärke die Autonomie des Teams, und jeder Mitarbeitende treffe eigenverantwortlich die richtigen Entscheidungen im Sinne des Unternehmens. „Dann muss ich niemandem mehr sagen, was er tun muss. Ich muss nur allen die Gewissheit geben, dass das, was sie tun, gut und richtig ist.“

Barghorn weiß, wovon er spricht: Seit er 2001 den Familienbetrieb übernommen hat, setzt er auf einen werteorientierten und kooperativen Führungsstil. Mit dessen Hilfe habe das Unternehmen vor rund zwölf Jahren auch die schwerste Krise in seiner Geschichte überstanden: Damals führten Investitionen in mehrere große Projekte zu einer massiven Liquiditätskrise.

Der Betrieb stand kurz vor der Insolvenz. Dennoch habe er seinen Führungsstil beibehalten – mit Erfolg: „Weil wir auf volle Transparenz gesetzt haben, haben alle ihren bestmöglichen Beitrag geleistet, um da wieder herauszukommen.“

Chance: Kooperative Führung senkt Kündigungsbereitschaft

Worauf Barghorn besonders stolz ist: „Wir haben uns in der Krise als Team begriffen und sind da gemeinsam durchgegangen.“ Trotz Unsicherheit und Jobalternativen in dieser Phase habe kein einziger Mitarbeitender gekündigt.

Damit bestätigt Barghorn die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Personaldienstleisters HRworks aus Freiburg. Sie zeigt, dass autoritäre Führung direkten Einfluss auf die Kündigungsbereitschaft von Mitarbeitenden hat:

  • Für 43 Prozent der Befragten sind autoritäre Chefs ein Kündigungsgrund.
  • 31 Prozent hätten schon wegen eines autoritären Chefs den Job gewechselt.
  • 37 Prozent der Mitarbeitenden mit autoritären Vorgesetzten denken aktuell darüber nach, ihr Unternehmen zu verlassen.
  • Bei Mitarbeitenden mit kooperativen Führungskräften sind es lediglich elf Prozent.

Der Schaden, den autoritäre Führung anrichtet, gehe weit über emotionale Belastung hinaus, so das Fazit der Studie. Erhöhte Fluktuation sei für Unternehmen teuer, untergrabe die Produktivität und gefährde langfristig deren Wettbewerbsfähigkeit.

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