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Muss ich mich eigentlich von allen Duzen lassen?

Duzen ist in – in der Werbung, in den Sozialen Medien und im Handwerk sowieso. Falls Ihnen das nicht in jeder Situation gefällt: So kommen Sie da raus.

3 Min.10.10.2022, 15:23 Uhr (Aktualisiert am 08.09.2026, 14:36 Uhr)
Von
Katharina Wolf
Katharina Wolf
Katharina Wolf
Hände halten einen schwarzen Block mit der Aufschrift "Wollen Sie geduzt werden oder willst du gesiezt werden?", links an diesem Block ist ein rotes "Sie" platziert und rechts ein weißes "Du".
Wenn sie wenigstens fragen würden! Unerwünschtes Duzen können Sie höflich zurückweisen, indem Sie beim Sie bleiben. MW Photography – stock.adobe.com

Zitiervorschlag

Muss ich mich eigentlich von allen Duzen lassen?. In: /betriebsfuehrung/muss-ich-mich-eigentlich-von-allen-duzen-lassen, 10.10.2022, /betriebsfuehrung/muss-ich-mich-eigentlich-von-allen-duzen-lassen (abgerufen am: 05.11.2026)

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Auf einen Blick

Die vertrauliche Anrede Du hat sich im Alltag immer mehr durchgesetzt. Wer Kunden oder Mitarbeitende lieber auf Distanz halten möchte, kann beim Sie bleiben, sollte das aber begründen können.

Unerwünschtes spontanes Duzen oder ein Duz-Angebot können Sie freundlich, aber bestimmt zurückweisen. Schwierig bis unmöglich ist es, ein Du nach längerer Zeit wieder zurückzunehmen.

Wer auf der Karriereseite oder in Stellenanzeigen duzt, sollte auch im Betrieb eine Duz-Kultur pflegen. Sonst wirkt das Marketing aufgesetzt.

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Katharina Wolf
Katharina Wolf

Freie Autorin für Betriebsführung und Politik & Wirtschaft

Schüler duzen Lehrer, Kunden duzen Handwerker und Ikea duzt sowieso jeden – das förmliche Sie scheint immer mehr auf dem Rückzug zu sein. „Ein Grund dafür ist die Globalisierung und der Siegeszug des Englischen, wo die Anrede mit Vornamen und „you“ üblich ist“, sagt Mareen Ilgner von der Agentur für Freundlichkeit in Köln. „Nicht zuletzt ist es auch eine Generationenfrage“, so Ilgner. Bei Radiosendern mit jungem Zielpublikum oder auf Social-Media-Kanälen sei das Du die Regel.

Dabei hat das Sie durchaus eine Funktion – es schafft Abstand. „Das vertrauliche Du verringert die Distanz zwischen Menschen“, sagt die Beraterin. Nicht immer ist das jedoch erwünscht. Auch wenn im Handwerk Duzen weit verbreitet ist, möchte nicht jeder Chef mit Azubi oder Kunden per Du sein.

Wie reagiere ich auf unerwünschtes Duzen?

Rechtlich gesehen ist es eindeutig: „Wer andere gegen deren ausdrücklichen Willen duzt, verstößt gegen deren Persönlichkeitsrecht“, sagt Ilgner. Ausnahme: In einer Unternehmenskultur, wo das Du fest dazu gehört, müssen sich auch Siez-Freunde das Du gefallen lassen.

Im Umgang mit Mitarbeitenden oder Kunden ist allerdings ein Verweis auf das Persönlichkeitsrecht wenig hilfreich. „Unerwünschtes Duzen, etwa von Kunden, kontern Sie am besten, indem Sie einfach per Sie bleiben“, rät Ilgner. In der Regel reiche das als Signal aus. Falls das nicht genügt, empfiehlt die Trainerin, das Thema freundlich anzusprechen: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich lieber beim Sie bleiben möchte.“

Sie rät allerdings auch zu überlegen, wie wichtig der Kunde für Sie ist: „Handelt es sich nur um einen kleinen Auftrag, dann können Sie das Duzen vielleicht ignorieren.“ Bei einer längeren Zusammenarbeit hingegen könnte es wichtiger sein, Ihre Position zu vertreten.

Wenn Auszubildende oder Mitarbeiter Sie unaufgefordert duzen, sollten Sie das unbedingt ansprechen. „Dabei sollten Sie Ihre Position begründen können“, rät die Trainerin.

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Wie weise ich ein Duz-Angebot zurück?

Nicht jeder duzt ungebeten, bietet aber das Du nach kurzer Zeit an. „Wer so ein Angebot zurückweist, zeigt, dass er Distanz halten will“, sagt Ilgner. „Deshalb sind hier ein paar freundliche Worte angebracht: Vielen Dank für das nette Angebot. Ich würde gerne beim Sie bleiben – damit fühle ich mich im beruflichen Umfeld wohler. Das ändert aber nichts an unserer guten Zusammenarbeit.“

Kann ich ein Du zurücknehmen?

Zurück vom Du zum Sie – das ist schon eine deutliche Zurückweisung. „Davon würde ich abraten“, sagt Ilgner.

Eine Ausnahme könnte es sein, dass Sie gerade erst zum Du übergegangen sind, etwa bei einer launigen Betriebsfeier oder bei einem Richtfest. „Wenn Sie das Gefühl haben, zu weit gegangen zu sein, sollten Sie das Thema beim nächsten Treffen ansprechen“, so Ilgner. „Ich habe nochmal nachgedacht, es war ein sehr netter Abend, aber ich würde trotzdem gern lieber beim Sie bleiben“, könnte so ein Satz lauten. „Hier sollten Sie allerdings ebenfalls überlegen, welchen Schaden Sie durch die Zurückweisung anrichten könnten.“

Arbeitgeber-Marketing und Wirklichkeit: Duzen in der Stellenanzeige

Immer häufiger wird in Stellenanzeigen und auf der Karriereseite geduzt: „Wer sich dazu entschließt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Bewerber zurückduzen könnten“, betont Ilgner.

Ihrer Erfahrung nach blieben diese häufig beim Sie. „Gerade junge Leute fühlen sich durch das Du angesprochen, siezen aber im Bewerbungsprozess.“ Trotzdem sei wichtig, dass das Du zur Firmenkultur passt. „Wenn ich keine Duz-Kultur im Betrieb habe, sollte ich das Arbeitgeber-Marketing nicht darauf abstellen. Das wirkt nicht authentisch“, so die Trainerin.

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Porträtfoto von Mareen Ilgner.
„Eine Rückkehr vom Du zum Sie ist eine harte Zurückweisung“, sagt Mareen Ilgner. Jörg Sänger

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