Gute Fotos sind im Handwerk wichtig. Aber müssen sie vom Profi sein? Besser wäre es – aber nicht in jedem Fall.
Ob auf der Website oder im Social-Media-Profil: Kaum eine Internetpräsenz kommt ohne Fotos der Menschen aus, um die es geht. Für den einen sind sie Pflicht, für den anderen eine Chance, sich selbst zu präsentieren. Das sieht man den Fotos oft an: Professionelle Business-Porträts finden sich online ebenso wie Selfies. Mal sind die Aufnahmen kreativ, mal wirken sie neutral, manchmal auch leicht gequält. Wenn also alles geht und ein Smartphone mit etwas Mühe ganz ordentliche Bilder liefert: Wer braucht dann noch ein Business-Porträt vom Profi? Hier die Antwort.
Gute Fotos sind authentisch und passen zum Betrieb und zur Person. Das sagt Marketing-Experte Daniel Dirkes. „Es geht um die Positionierung, dazu muss ein Business-Porträt passen“, betont der Chef der Unternehmensberatung Auf Kurs GmbH in Merzen.
„Ein Foto zeigt nicht nur, wie jemand aussieht, sondern auch, wie jemand ist und arbeitet“, ergänzt Theresa Overhoff, Business-Coachin und Psychologin aus Lingen. Im Idealfall schafft das Foto ein Gefühl von Vertrauen. Gerade im Handwerk ist das wichtig, betont sie. „Der Mensch entscheidet und kauft nicht rational, sondern sehr emotional.“ Auf diese Emotionen haben Fotos eine schnellere und größere Wirkung als jeder Text. „Das Gehirn verarbeitet Bilder unbewusst sofort, das dauert nur den Bruchteil einer Sekunde“, sagt Overhoff.

Gute Fotografen kennen diese Mechanismen. Sie wissen, wie sie die gewünschte Wirkung erzielen. Außerdem sind sie routiniert und wissen, worauf sie bei den Aufnahmen achten müssen.
Zu viel Routine kann aber auch zum Problem werden, warnt Daniel Dirkes: „Ich empfehle immer, einen Fotografen zu engagieren. Aber die Erfahrung zeigt, dass Fotograf nicht gleich Fotograf ist.“ Sehr gute Fotografen stellten sich nach seiner Erfahrung auf die Bedürfnisse ihrer Kunden ein. „Es gibt aber auch Fotografen, deren Fotos immer gleich aussehen.“
Wie finden Sie den passenden Fotografen? Drei Fragen helfen dabei:
1. Stellt sich der Fotograf auf Sie ein? Schon ein Blick auf die Arbeitsproben auf der Website hilft bei der Vorauswahl, sagt Dirkes. Wirken alle Bilder wie aus einem Guss? Oder hat sich der Fotograf individuell auf sein Gegenüber eingestellt? Auch im Gespräch zeigt sich das schnell. Will der Fotograf nur wissen, wo er die Fotos machen soll – im Büro, in der Werkstatt oder neben dem Auto? „Das sind die falschen Fragen“, warnt Dirkes. Oder fragt er, was Sie mit den Fotos erreichen wollen, was Sie sich vorstellen und wie Ihr Betrieb positioniert ist? „Das sind die richtigen Fragen, damit stellt er sich auf Sie ein.“
2. Entwickelt er eigene Ideen? Der Fotograf sollte zudem eigene Ideen entwickeln, wie er die gewünschte Wirkung erzielt. „Nicht der Kunde bestimmt Perspektive und Komposition“, betont Overhoff, „Businessfotografie ist nicht nur Technik, sondern die Frage, wo wir fotografieren, wie wir die Leute setzen und was zu sehen sein soll.“
3. Stimmt die Chemie? Nur wer sich wohlfühlt, wirkt auf Bildern überzeugend. Doch viele Menschen sind vor der Linse unsicher – und strahlen das im Bild aus. „Deswegen würde ich einen Fotografen immer erst persönlich treffen und schauen, ob die Chemie stimmt“, empfiehlt die Coachin. Ein guter Fotograf helfe dabei, sich zu entspannen. Vielleicht nicht restlos, aber doch so weit, dass die Aufnahmen den Betrachter überzeugen.

Auch wenn die Suche nach dem passenden Profi Zeit kostet: „Betriebe im Premium- und Luxussegment brauchen einen professionellen Fotografen“, sagt Dirkes.
Andere Betriebe können eher selbst zur Kamera greifen, wenn sie keinen passenden Profi finden. Dirkes warnt jedoch vor einer Illusion: Solche Aufnahmen sind nicht schnell gemacht. Bildideen entwickeln, die zur Positionierung passen, sie umsetzen, die fertigen Fotos mit einer Software zu bearbeiten – „das kostet alles viel Zeit“.

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