Lisa Varel fotografiert Unternehmen und ihre Teams. Was ein gutes Business-Porträt ausmacht – und warum sich Einzelporträts der ganzen Belegschaft selten lohnen.
Ein Foto für die Website, schnell mit dem Smartphone geschossen – für viele kleine Betriebe ist die Sache damit erledigt. Lisa Varel sieht das anders. Die Fotografin aus Lingen investiert in die Vor- und Nachbereitung eines Shootings so viel Zeit wie in die Aufnahmen.
Frau Varel, woran erkennen Sie ein gelungenes Business-Porträt?
Lisa Varel: Auf den ersten Blick an der Technik: vor allem am Licht, am Bildaufbau, an Farben und Tiefe. Genauso wichtig ist die emotionale Ebene. Spiegelt das Bild die Persönlichkeit des Menschen wider? Kann ich eine Verbindung herstellen? Wenn beides passt, ist das Porträt gelungen.
Wie bringen Sie diese Persönlichkeit vor die Kamera?
Varel: Das passiert nicht von allein. Am Anfang stellen sich alle hin und lächeln künstlich in die Kamera. Oft höre ich auch den Satz „Ich bin so unfotogen.“ Meine Aufgabe ist es oft, dass wir erst einmal aus diesem Fotografiermodus herauskommen, dass mein Gegenüber etwas zur Ruhe kommt und eine authentische Atmosphäre entsteht.
Hinterher sind dann alle total happy. Ich glaube, weil man so zusammen daran gearbeitet und gemeinsam etwas auf die Beine gestellt hat. Gerade von den meist viel zu kritischen Frauen höre ich hinterher oft: „Ich habe jetzt endlich mal ein Bild, auf dem ich mich richtig schön fühle.“ Und das darf man auch: sich auf einem Foto schön fühlen.
Mit welchen Erwartungen kommen Unternehmerinnen und Unternehmer zu Ihnen?
Varel: Sie wünschen sich ein ausdrucksstarkes, individuelles Porträt, das zu ihnen passt – idealerweise aufgenommen in ihrem Arbeitsumfeld. Die meisten wollen auch das Konzept komplett abgeben: Wo fotografieren wir? Welcher Hintergrund, welche Farben passen zum Unternehmen?
Wie läuft ein Auftrag ab?
Varel: Die Anfragen kommen meistens per E-Mail, oft noch vage. Ich sehe mir dann die Website und Social-Media-Kanäle des Unternehmens an, rufe zurück und erstelle ein Angebot – mit einer Übersicht, wofür ich wie viel Zeit brauche. Danach folgt die Vorbereitung: Räume besichtigen, Moodboards mit passenden Farben und Beispielbildern erstellen, Hinweise zur Kleidung geben. Zusammengenommen dauern meine Vor- und Nachbereitung ungefähr genauso lange wie das Shooting. Durch die gute Vorbereitung können wir dann beim Shooting sofort loslegen und nichts lenkt mehr ab.
Welche Rolle spielen Fotos bei der Kundengewinnung und im Recruiting?
Varel: Das wird immer noch unterschätzt. Menschen entscheiden in Sekunden, ob etwas zu ihnen passt, ohne ein Wort zu lesen. Viele Betriebe sagen: „Meine Auftragslage ist super, ich brauche keine guten Bilder.“ Dann denke ich: Aber ohne Fotos findet ein Betrieb kein Personal. Deshalb frage ich immer: Wen wollt ihr erreichen? Gute Bilder wirken wie ein Filter: Sie ziehen die Kunden und Mitarbeitenden an, die zum Betrieb passen.
Viele Betriebe präsentieren auch ihre Mitarbeitenden mit Einzelporträts. Ist das sinnvoll?
Varel: Oft fragen Betriebe Einzelporträts von jedem Mitarbeitenden an. Ich biete das an, schlage aber eine Alternative vor: ausdrucksstarke Porträts von Geschäftsführung und Schlüsselpersonen, dazu dokumentarische Aufnahmen der übrigen Mitarbeitenden bei der Arbeit. So sieht man Gesichter und die Geschichten dahinter.
Das ist günstiger: Porträts sind aufwendiger. Und es ist langlebiger, weil der Betrieb bei einem Wechsel nicht zwingend sofort ein neues Porträt benötigt. Jeden zu porträtieren, zeigt sicher die Wertschätzung des Arbeitgebers – aber in Arbeitssituationen wirken Menschen oft authentischer.
Was raten Sie Handwerkern, die Profi-Fotos haben wollen?
Varel: Lieber einmal eine zusammenhängende Bildwelt vom Profi entwickeln lassen, die ein paar Jahre hält, als ständig einzelne Bilder zu machen. Und falls die Bilder für eine geplante neue Website sind: frühzeitig mit dem Webdesigner sprechen. Das lohnt sich: Je einfacher sich Bilder mit KI erzeugen lassen, desto wertvoller werden echte Menschen – echte Haut, kleine Makel. Genau das wollen die Leute sehen.

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