Nicht nur Online-Banking ist riskant: Auch der Überweisungsbetrug mit gefälschten Unterschriften nimmt zu. Wie gehen die Betrüger vor – und welche Folgen hat das für Sie?
Überweisungsbetrug mit gefälschten Unterschriften nimmt zu. Kein Wunder: Betrüger können mit geringem Aufwand und Risiko vorgehen. Für die Opfer des Betrugs hat das selten Folgen: In der Regel erstatten Kreditinstitute das Geld. In der Regel bedeutet aber auch: Blind darauf verlassen sollte man sich nicht.
Seltsame Entwicklung: Die Zahl der persönlich unterschriebenen Überweisungen sinkt von Jahr zu Jahr. Gleichzeitig nehmen die Fälle von Konto- und Überweisungsbetrug immer weiter zu. Fast 28.000 Fälle waren es 2015. Die Aufklärungsquote sinkt hingegen beständig, von fast 75 Prozent (2006) auf knapp 35 Prozent (2015).
Besonders schwer haben es die Täter beim Überweisungsbetrug nicht. Alles, was sie brauchen sind
IBAN und Name des Kontoinhabers lassen sich bei vielen Gelegenheiten abgreifen: Auf Geschäftspapieren, im Altpapier eines Betriebs, im Papierkorb neben dem Kontoauszugdrucker und manchmal sogar auf der Firmen-Website. Fehlt nur noch die Unterschrift, und die ist die geringste Hürde: Gerade hier schauen die Banken oft nicht so genau hin. Eine Chance für Betrüger, aber auch der Grund, weil meistens die Banken haften.
Dass den Banken nichts auffällt, hat mehrere Gründe. Zum einen geben die Täter die gefälschten Überweisungen nicht persönlich in der Bankfiliale ab, sondern schicken sie mit der Post oder werfen sie direkt bei der Bank ein. Also sieht niemand, ob da ein vertrautes Gesicht etwas überweisen will oder ein Unbekannter.
Zum anderen machen es Kreditinstitute Betrügern relativ leicht: „Die Unterschriften auf Überweisungsträgern werden immer seltener genau geprüft“, weiß Finanzierungsexperte Carl-Dietrich Sander vom Bundesverband Die KMU-Berater.
Mögliche Schäden aus Überweisungsbetrug scheinen Kreditinstitute bewusst in Kauf zu nehmen. Denn das Geld ist in der Regel weg. Ein Rückruf einer Überweisung ist nur möglich, wenn das Geld noch auf dem fremden Konto liegt. Meist landen betrügerische Überweisungen jedoch auf irgendwelchen Auslandskonten und werden dort schnell abgehoben.
Und was passiert dann?
Umso wichtiger ist es, sich selbst gegen Überweisungsbetrug zu schützen. Finanzierungsexperte Sander rät:
1. Informationen begrenzen:
2. Konto-Spielraum begrenzen:
Lassen Sie auf Ihrem Geschäftsgirokonto nicht zu hohe Guthabenbeträge stehen. Verschieben Sie diese auf ein Tagesgeldkonto. Leider ist das bei einer Kontoführung im Rahmen einer vereinbarten Kontokorrentkreditlinie nicht so einfach – die nicht ausgeschöpfte Kreditlinie ist der „Spielraum“ für Überweisungsbetrüger.
3. Auf jeden Fall Anzeige erstatten:
Bei einem Überweisungsbetrug sollte auf jeden Fall direkt Anzeige bei der Polizei erstattet werden, rät Sander. Auch wenn viele Verfahren später eingestellt werden, weil die Täter nicht zu ermitteln sind – versuchen sollte man es trotzdem.