Preisatlas Handwerk 2026: Stundensätze im Land gestiegen
Das Handwerk wird teurer. Der aktuelle Preisatlas nennt die Gründe dafür. Doch wie hoch sind die Stundensätze in den Bundesländern?
Auf einen Blick
Die Nachfrage bei den Handwerksbetrieben hierzulande ist hoch. Doch es fehlen die Fachkräfte. Der Fachkräftemangel betrifft nahezu jedes Gewerk. Darüber hinaus steigen die Lohn- und Materialkosten. Diese Faktoren führen dazu, dass die Betriebe ihre Kalkulation anpassen müssen, einschließlich der Stundensätze. So liegt der durchschnittliche Preis für eine Meisterstunde bei rund 73 Euro, eine Gesellenstunde bei etwa 64 Euro. Das geht aus dem jüngst veröffentlichten „Preisatlas Handwerk 2026“ hervor, der von der Unternehmensgruppe OneQrew kürzlich veröffentlicht wurde. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich demnach der durchschnittliche Stundensatz bei Meistern um 0,7 Prozent und um rund drei Prozent bei Gesellen.
Regionale Unterschiede bei Stundensätzen
Die einzelnen Stundensätze variieren nicht nur in den einzelnen Gewerken, sondern unterscheiden sich auch regional. Wie aus dem Preisatlas hervorgeht, sind die Stundensätze in einwohner- und wirtschaftlich starken Ballungsräumen höher als in strukturschwächeren Regionen. Berlin weise mit einem Meisterstundensatz von 82,50 Euro einen Spitzenwert auf, und liege damit über dem Bundesdurchschnitt. In Mecklenburg-Vorpommern liege der durchschnittliche Meisterstundensatz bei 58,80 Euro.
Sowohl in den neuen als auch in den alten Bundesländern stieg der durchschnittliche Stundensatz sowohl bei den Meistern als auch bei den Gesellen. Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt. Hier liegt der Meisterstundensatz bei 69,67 Euro und ist um rund 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
Gewerke mit den stärksten Anstiegen
Der durchschnittliche Stundensatz für Gesellen liegt in dem gleichen Bundesland bei 63 Euro, ein Plus von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Einzig in den Ländern Hamburg und Bremen sind die durchschnittlichen Stundensätze für Meister und Gesellen rückläufig. Laut Analyse des Preisatlas ist es mit 68,73 Euro in Hamburg ein Minus von sieben Prozent für Gesellen sowie mit 77 Euro ein Minus von vier Prozent für Meister in Bremen.
Vor allem die Bereiche Elektrotechnik sowie der Metall- und Anlagenbau konnten laut Preisatlas deutliche Zuwächse verzeichnen. Laut Angaben der Initiatoren des Preisatlas stiegen die Stundensätze in diesem Gewerk sowohl bei Meistern als auch bei Gesellen um 13,1 Prozent, gefolgt von Malern und Lackierern und Stuckateuren mit 12,8 Prozent sowie dem Hoch- und Tiefbau mit 12,7 Prozent. Darüber hinaus erläutern die Macher des Preisatlas, dass die Gewerke Maler und Lackierer sowie die Stuckateure mit 12,4 Prozent den größten Anstieg bei den Stundensätzen verzeichnen. Dachdecker und Zimmerer liegen bei 10,8 Prozent und das Elektrohandwerk bei 6,0 Prozent.
Kostenindex der Gewerke
Die Stundensätze für Meister und Gesellen variieren je nach Gewerk erheblich. Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl an Handwerksbranchen und ihren jeweiligen Stundensätzen.
Kostenindex der einzelnen Bundesländer
Die Karte von OneQrew mit den bundesweiten Durchschnitts-Stundensätze zeigt: Außer in Berlin sind die Sätze für Meister und Gesellen vor allem in Süddeutschland hoch und sind im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent gestiegen. Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl an Gewerken und deren durchschnittlichen Stundensätze in den einzelnen Bundesländern.
Zusammenhang zwischen Betriebsgröße, Stundensatz und Fachkräftemangel
Der aktuelle Preisatlas zeige einen deutlichen Zusammenhang zwischen Betriebsgröße und Stundensatz. Mit wachsender Unternehmensgröße steigen laut Angaben von OneQrew die durchschnittlichen Preise signifikant – vor allem bei Meister- und Technikerleistungen. Gleichzeitig bleibe der Fachkräftemangel ein zentraler Engpass. 70 Prozent der befragten Betriebe suchen aktuell Mitarbeiter. Im Schnitt würden 1,4 Fachkräfte pro Unternehmen fehlen. In der Folge können viele Betriebe Aufträge nur verzögert annehmen oder müssen sie ablehnen.
Weitere Herausforderungen für das Handwerk
Neben dem Fachkräftemangel fand OneQrew bei der Befragung heraus, dass der gestiegene bürokratische Aufwand zunehmend zu einer Herausforderung für die Betriebe wird. Zudem hätten die Handwerksunternehmen Druck, Aufträge trotz knapper Kapazitäten wirtschaftlich umzusetzen. Eine nachlassende Zahlungsmoral und Rechnungsdisziplin auf Kundenseite würden in einigen Fällen zusätzlich erschwerend hinzukommen.
Klarer Investitionsschwerpunkt
Bei den Investitionen zeige sich ein klarer Schwerpunkt auf digitalen Prozessen, „etwa bei Angeboten und Rechnungen, mobilen Anwendungen auf der Baustelle sowie bei effizienteren Abläufen zur Steigerung der Produktivität“, heißt es auf Nachfrage bei OneQrew.
Keine Aussage vom ZDH
Obwohl der aktuelle Preisatlas Anlass zur Sorge gibt, ist die Umfrage nicht repräsentativ. Der ZDH äußert sich auf Anfrage folgendermaßen: „Bei über 130 Gewerken, über einer Million Betriebe und großen regionalen Unterschieden dürfte die Varianz dieser Preise erheblich sein. Allerdings liegen dem ZDH keine statistischen Zahlen vor.“ Gleichzeitig verweist der Verband auf den Konjunkturbericht, der zweimal jährlich erscheint. Der Bericht enthält unter anderem Daten zu Umsätzen, Auslastung und Kapazitäten, „die mit dieser Umfrage (Anm. d. Red.: Preisatlas) mit lediglich 575 Handwerksbetrieben aufgeführt sind“, heißt es in dem Antwortschreiben.
Hintergrund
Für den aktuellen Preisatlas wurden insgesamt 573 Betriebe aus unterschiedlichen Branchen befragt. Die Umfrage ist nicht repräsentativ. Die Analyse soll laut OneQrew einen umfassenden Überblick über die aktuellen Stundensätze der verschiedenen Gewerke geben und Handwerksbetrieben als Orientierung für die eigene Preisgestaltung dienen. OneQrew ist eine Software-Unternehmensgruppe und bietet Handwerks- und Mittelstandsbetrieben digitale Lösungen für ihre Unternehmensabläufe an.

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