Firmenkredite aus dem Internet: Finanzierungsportale versprechen viel, doch was können sie wirklich bieten?
Auf Unternehmenskredite spezialisierte Vermittlungsportale und Anbieter von Direktkrediten scheinen einiges zu bieten: günstige Firmenkredite, unverbindliche Anfragen in wenigen Minuten, persönliche Beratung, beste Konditionen … Was dran ist an solchen Versprechungen, weiß Christine Deibert vom Bundesverband der KMU-Berater. Die unabhängige Finanzierungsberaterin aus München nutzt die Portale für ihre Kunden aus dem Handwerk hin und wieder: „In Notfällen ist das eine sinnvolle Alternative.“
Firmenkredite gibt es im Internet auf zwei Wegen:
„Von außen sind Vermittlungsportale und Direktanbieter kaum zu unterscheiden“, berichtet Deibert. Der Unterschied bestehe schlicht darin, wer den Kredit am Ende vergibt. Mit der persönlichen Beratung sei es in beiden Fällen nicht weit her: Entscheidungen würden in der Regel standardisiert anhand der eingereichten Unterlagen gefällt. „Das kann man nicht mit dem Firmenkundenberater in einer Hausbank vergleichen, der seine Kunden kennt und sich auf deren individuelle Situation einstellt.“
Schnell gehe es dafür allerdings, wenn die Unterlagen vollständig hochgeladen sind und der Kreditnehmer ins Geschäftsmodell passt. „Das Geld ist dann teilweise schon innerhalb von 10 Tagen da.“
Nach Deiberts Erfahrung sind Firmenkredite online nur unter bestimmten Voraussetzungen eine Alternative:
Trotz dieser Einschränkungen nutzt Deibert gelegentlich solche Angebote für ihre Kunden. „Es gibt Fälle, in denen Betriebe trotz sehr guter Bonität und einer jahrelangen Geschäftsbeziehung plötzlich Probleme mit ihrer Hausbank bekommen“, berichtet die Beraterin.
Diese Fälle nähmen zu: „Gerade jetzt zucken die Banken immer häufiger bei Kreditanfragen.“ Plötzlich tauchten Zweifel an der künftigen Kapitaldienstfähigkeit nach der Coronakrise auf, „da kommen schon sehr fadenscheinige Ablehnungsgründe“. Das habe etwas mit der Geschäftspolitik der jeweiligen Hausbank und den Risiken in ihrem bestehenden Kreditportfolio zu tun.
Für gesunde Betriebe seien Online-Darlehen in solchen Fällen eine echte Alternative. Und manchmal genüge es sogar, das Angebot für einen Kredit auf den Tisch zu legen, um die Einstellung der Hausbank zu ändern.
Christine Deibert sieht vor allem zwei Risiken bei Finanzierungen aus dem Internet:
Wer sich für einen Firmenkredit aus dem Internet interessiert, sollte sich über die Anbieter informieren:
Die Seriosität von Anbietern macht die Expertin an zwei Punkten fest:
Teuer seien Online-Kredite in jedem Fall, warnt Deibert. „Da ist man dann schon überrascht, wie hoch die dann sind.“ Andererseits verzichteten die Anbieter in der Regel auf Sicherheiten, was die Gebühren und hohen Zinsen zumindest teilweise rechtfertige. „Aber im Einzelfall kann das durchaus anders sein.“
„Aber die Zinsen sind bei seriösen Finanzierungen für gesunde Unternehmen nicht das Thema“, sagt die Expertin. Günstiger als die vier oder sechs Prozent, die vielleicht eine bockige Hausbank verlangt, werde das Angebot schon ausfallen. „Solche Kredite sind jedenfalls eine gute Alternative in Notfällen“, sagt Deibert. Ein dauerhafter Ersatz für eine gute Bankbeziehung seien die Online-Anbieter jedoch nicht. „Jeder Handwerksbetrieb brauche eine Hausbank – und eine zweite Bank, denn auf einem Bein kann man nicht stehen.“
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