Logo handwerk.com
Logo handwerk.com
Logo
MediadatenÜber handwerk.com Unser TeamNewsletterKontakt
ImpressumDatenschutzAGB
Steuern

Finanzamt prüft hohe Bareinzahlungen genau

Bei hohen Bareinzahlungen auf das Firmenkonto hakt das Finanzamt nach. Kreative Geschichten helfen dann nicht weiter, wie dieser Fall zeigt.

3 Min.22.11.2021, 12:04 Uhr (Aktualisiert am 28.10.2026, 11:52 Uhr)
Von
Jörg Wiebking
Jörg Wiebking
Jörg Wiebking
Mehrere Bündel Geldscheine liegen auf einem Tisch, eine Hand greift nach einem Bündel.
Vorsicht bei hohen Bareinzahlungen: Das Finanzamt besteht auf einem Nachweis der Herkunft, auch wenn es sich um ein Darlehen handelt. as-artmedia - stock.adobe.com

Zitiervorschlag

Finanzamt prüft hohe Bareinzahlungen genau. In: /recht/finanzamt-prueft-hohe-bareinzahlungen-genau, 22.11.2021, /recht/finanzamt-prueft-hohe-bareinzahlungen-genau (abgerufen am: 04.11.2026)

Infos zum Zitiervorschlag

Hinweis: Wenn Sie etwas googeln, bekommen Sie neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn Sie handwerk.com als bevorzugte Quelle hinterlegen, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Sie auf. Fügen Sie handwerk.com hier als bevorzugte Quelle hinzu.

Anzeige

Auf einen Blick

Durch eine Bareinzahlung von 70.000 Euro auf ein Firmenkonto werden Staatsanwaltschaft und Finanzamt aufmerksam.

Dass es sich um ein Darlehen des im Ausland lebenden künftigen Ehegatten der Unternehmerin handelt, glaubt der Fiskus nicht. Zumal es keine Zollbelege über die Einfuhr des Betrags in bar gibt. Dass die Frau seinen Namen zum Schutz von Leib und Leben ihres Zukünftigen nicht verraten will, verbessert ihre Lage auch nicht.

Den Betrag muss die Unternehmerin nun als unversteuerte sonstige Einkünfte ungeklärter Herkunft voll nachversteuern.

Relevante Themen

SteuerrechtFinanzierung
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jörg Wiebking
Jörg Wiebking

Freier Autor für Betriebsführung, Recht und Steuern & Finanzen

Bei Bargeld und Bareinzahlungen ist das Finanzamt schnell mit dem Verdacht der Steuerhinterziehung bei der Hand. Das gilt ganz besonders für hohe Beträge, wenn der Betrieb die Herkunft nicht nachweisen kann oder – wie in diesem Fall – den Nachweis verweigert.

Unternehmerin argumentiert mit Schutz des Darlehensgebers

Der Fall: Eine Unternehmerin zahlt 70.000 EUR in bar auf ihr Firmenkonto ein, in zwei Tranchen zu 45.000 und 25.000 Euro. Eine Woche später erstattet die Bank Anzeige wegen eines Geldwäscheverdachts. Gegenüber der Bank habe die Frau angegeben, dass es sich um einen privaten Kredit handele, mit dem sie finanzielle Verpflichtungen erfüllen wolle. Die Staatsanwaltschaft leitet die Information an die Steuerfahndung weiter.

Das Finanzamt verlangt von der Frau nun Informationen über den Darlehensgeber und die Kreditkonditionen. Gegenüber dem Finanzamt erklärt die Unternehmerin, es handele sich um ein Darlehen ihres künftigen Ehegattens. Der lebe im Ausland, einem Nicht-EU-Staat. Seinen Namen werde sie aus Gründen des Identitätsschutzes nicht nennen. Dieser Mann besitze in seinem Heimatland „absoluten Schutz seiner Identität und Privatsphäre, damit der Schutz seiner Person und seines Lebens gewährleistet sei“.

Den Kreditvertrag habe sie mündlich vereinbart, mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent. Die monatliche Kreditrate von 1.000 Euro begleiche sie in bar bei persönlichen Treffen. Bisher habe sie 16.000 Euro zurückgezahlt. Die Zinsen würden nach Tilgung berechnet und gesondert gezahlt.

[Tipp: Sie wollen beim Thema Steuern nichts verpassen? Nutzen Sie den kostenlosen Newsletter von handwerk.com. Jetzt hier anmelden!]

Finanzamt: Bareinzahlung ohne Nachweis und Zollbeleg steuerpflichtig

Damit gibt sich der Fiskus nicht zufrieden und verlangt eine Kopie der Zollbestätigung für die ein- oder ausgeführten Barmittel. Denn Barmittel im Gesamtwert von 10.000 Euro sind bei der Ein- oder Ausreise der deutschen Zollstelle schriftlich zu melden. Die Antwort der Unternehmerin: Sie habe die 70.000 Euro in mehreren Beträgen erhalten, die alle „deutlich unter 10.000 Euro“ gelegen hätten.

Dem Finanzamt genügen diese Angaben nicht. Auch die für das Jahr 2018 vorgelegten Kontoauszüge genügen als Nachweis für Rückzahlungen des Darlehens nicht, da sie lediglich die Abhebung von Bargeld ausweisen.

Daher handele es sich bei den 70.000 Euro um unversteuerte sonstige Einkünfte ungeklärter Herkunft,  die nun zu versteuern seien.

Gericht: Unternehmerin hat erhöhte Mitwirkungspflicht

Der Fall landet vor dem Finanzgericht Münster. Das entscheidet im Sinne des Finanzamtes: Auch bei einem im Ausland ansässigen Darlehensgeber könne das Finanzamt nicht auf dessen Nennung verzichten Hier habe die Unternehmerin eine erhöhte Mitwirkungspflicht.

Hinzu komme, dass es sich um ein privat wie auch betrieblich genutztes Konto handele. Daher habe die Unternehmerin eine erhöhte Mitwirkungspflicht bei der Prüfung der Frage, ob es sich bei den Einzahlungen um steuerpflichtige Einnahmen oder nicht steuerpflichtige Vermögenszugänge handele.

Diese Mitwirkungspflichten habe die Unternehmerin nicht erfüllt. Folglich gehe das Finanzamt zu Recht davon aus, dass es sich bei Bareinzahlungen um nicht versteuerte Betriebseinnahmen der Unternehmerin handelt. (Urteil vom 9. Juni 2021, Az. 13 K 3250/19 E)

Tipp: Bareinzahlungen immer dokumentieren

  • Halten Sie Privat- und Firmenkonten sauber getrennt. So können Sie leichter steuerfreie private Vermögenszuwächse und steuerpflichtige Betriebseinnahmen trennen. Zudem erschwert die Trennung der Konten dem Finanzamt bei einer Betriebsprüfung den Zugriff auf Ihre privaten Transaktionen.
  • Bei Bareinzahlungen auf Ihr Firmenkonto sollten Sie immer einen Nachweis über die Mittelherkunft führen, denn sonst drohen Steuernachzahlungen und Steuerstrafverfahren.
  • Bei Kreditverträgen mit Verwandten oder künftigen Lebenspartnern gelten die gleichen Regeln wie bei Krediten mit Dritten: Machen Sie es immer schriftlich, zu marktüblichen Konditionen. Und halten Sie die Vertragsbedingungen ein, sonst wird der Fiskus berechtigte Zweifel haben und den Betriebsausgabenabzug verweigern.

Tipp: Sie wollen beim Thema Steuern nichts verpassen? Nutzen Sie den kostenlosen Newsletter von handwerk.com. Jetzt hier anmelden!

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Empfohlene Artikel

Auf einem Dokument mit dem Namen "Erbschaftssteuererklärung" liegt ein 100 Euro Schein, ein Kugelschreiber und zwei Münzen.
Direktversicherung

Wann zahlen Hinterbliebene doppelt Steuern?

Nicht verheiratete Paare sind im Todesfall im Nachteil: Auf das Geld von der Direktversicherung fallen Einkommen- und Erbschaftsteuer an.

Steuererklärung
Prokuristin Inga Köllner und Debitorenbuchhalterin Jessica Kleber (vorne im Bild) im Büro von Herden & Köllner Haustechnik in Hannover
Empfangspflicht kommt ab 2027

„Zum Glück gibt es die E-Rechnung“

Mit der E-Rechnung hat Inga Köllner bislang gute Erfahrungen gemacht. Hier sagt sie, welche Vorteile sie im Betriebsalltag spürt und wie sie sich auf die Ausstellungspflicht vorbereitet.

Digitalisierung
Ein Team feiert bei der Arbeit: Durch die Luft fliegt Konfetti und die Mitarbeitenden haben Sektgläser in der Hand.
Zehn Tipps

So setzen Sie die Weihnachtsfeier 2026 von der Steuer ab

Sie planen eine Weihnachtsfeier für Ihr Team? Diese Steuerregeln sollten Sie vor und nach der Feier beachten – damit nicht alle für Ihre Party zahlen.

Steuerrecht