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Mehr als der Notfallkoffer

Vorsorgen für den Krisenfall: Was Betriebe jetzt tun sollten

Ob Wetterextreme, Lieferengpässe, Pandemie oder Krieg: Wer auf Krisensituationen vorbereitet ist, bleibt arbeitsfähig. So können Handwerksbetriebe sich absichern.

5 Min.25.06.2026, 10:06 Uhr (Aktualisiert am 26.06.2026, 12:14 Uhr)
Von
Martina Jahn
Martina Jahn
Martina Jahn
Notfallplan im Handwerk
Handwerksbetriebe sollten für Krisen gewappnet sein, sich informieren und vorsorgen. kebox - stock.adobe.com

Zitiervorschlag

Vorsorgen für den Krisenfall: Was Betriebe jetzt tun sollten. In: /politik-und-wirtschaft/vorsorgen-fuer-den-krisenfall-was-betriebe-jetzt-tun-sollten, 25.06.2026, /politik-und-wirtschaft/vorsorgen-fuer-den-krisenfall-was-betriebe-jetzt-tun-sollten (abgerufen am: 07.11.2026)

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Auf einen Blick

Krisen wie Unwetter, Stromausfälle oder Wirtschaftskrisen kommen oft unverhofft. Auch den reibungslosen Arbeitsalltag in Handwerksbetrieben können sie damit gefährden.

Mit dem „Notfallkoffer“ sind die meisten Betriebe gut aufgestellt. Doch auch Ersatzlösungen für Strom-, Wasser- und Internetversorgung sollten Unternehmen mitdenken, wie auch Back-ups von Daten und Informationswege zu Lieferanten und Mitarbeitenden.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist im engen Austausch mit den zuständigen Ministerien und der Bundeswehr. Was Betriebe tun sollten, um in Krisensituationen arbeitsfähig zu sein, berichtet Constantin Terton, Leiter des Bereichs Wirtschaftspolitik beim ZDH, im Interview.

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Martina Jahn
Martina Jahn

Redakteurin für Betriebsführung, Politik & Wirtschaft und Akademie & Events

Spätestens seit der Corona-Pandemie ist klar, dass das Handwerk in der Versorgung der Bevölkerung und im Kontakt mit den Menschen in den Regionen eine entscheidende Rolle spielt. In Zeiten von unsicheren wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten sollten sich Betriebe auf Krisensituationen einstellen. „Wer vorbereitet ist, bleibt handlungsfähig und unterstützt damit Wirtschaft und Gesellschaft“, sagt Constantin Terton, Leiter des Bereichs Wirtschaftspolitik beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) im Interview.

handwerk.com: Der ZDH beschäftigt sich intensiv mit Fragen der Sicherheits-, Krisen- und Verteidigungsvorsorge. Inwiefern betreffen diese Themen das Handwerk zum jetzigen Zeitpunkt?

Constantin Terton: Krisenbewältigung ist immer wieder ein Thema – auch im Handwerk. Gerade mit Blick auf die derzeitigen geopolitischen Herausforderungen mit dem Krieg in der Ukraine und im Iran, den gestörten Lieferketten, hohen Energiepreisen und dem Anstieg der Preise, leben wir in einer herausfordernden Zeit.

Eine Krise kann dazu führen, dass bewährte Abläufe nicht mehr funktionieren, wodurch dann etwa das gesellschaftliche Leben gestört ist. Die Ursachen und Abläufe können vielfältig sein, wenn wir an großflächige Stromausfälle oder Lieferengpässe denken. Aber auch Wetterkapriolen wie Hitze oder Überschwemmungen im Sommer können Krisen mit sich bringen. Deshalb geht es uns als Verband darum, Betriebe im Handwerk zu sensibilisieren, dass sie sich auf diese veränderte Lage einstellen und Vorbereitungen für den Fall einer Krise treffen.

Auf diese Notfälle sollten Betriebe vorbereitet sein

Was bedeutet eine veränderte Sicherheitslage konkret für Betriebe? Welche Risiken sollten sie stärker im Blick haben und warum?

Terton: Ein Betrieb kann sich beispielsweise fragen: Womit müssen wir im Notfall rechnen? Was könnte nicht mehr funktionieren, wenn die sogenannte kritische Infrastruktur ausfällt? Da wird es in vielen Fällen um die Wasser- oder Energieversorgung gehen, möglicherweise aber auch um den Zusammenbruch der stabilen Internetverbindung. Wenn Handwerksbetriebe sich schon jetzt mit solchen Szenarien auseinandersetzen und dafür sorgen, dass sie für diese Bereiche eine Notfalllösung haben, sind sie schon einen großen Schritt weiter.

Jeder sollte also wissen, wo er oder sie in der Wertschöpfungskette steht und welcher Bereich des Unternehmens betroffen sein könnte, wenn Teile der Infrastruktur ausfallen. Es geht aber nicht nur um den eigenen Betrieb, sondern auch die Sektoren in der Wirtschaft, die daran gekoppelt sind. Ein anschauliches Beispiel aus dem Handwerk sind die Textilreiniger: Wenn sie ausfallen und keine Krankenhauswäsche mehr reinigen können, wäre der Weiterbetrieb von Krankenhäusern gefährdet.

Weitere Beispiele finden sich im Lebensmittel- und Gesundheitshandwerk: Was ist, wenn Bäckereien nicht mehr produzieren können? Wie viele Menschen versorgen sie? Oder das Gesundheitshandwerk: Brillen, Prothesen, Zahnersatz – auch dem Bereich kommt eine besondere Bedeutung zu – wie auch Elektro- und SHK-Betrieben und so weiter. Deshalb lohnt es sich für jeden Betrieb, einen Schritt zurückzutreten und schauen, welche Bedeutung die eigene Arbeit nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für Gesellschaft und Gemeinschaft hat.

“Jeder Betrieb sollte wissen, wo er in der Wertschöpfungskette steht und welcher Bereich des Unternehmens betroffen sein könnte, falls Teile der Infrastruktur ausfallen.”

Constantin Terton, Leiter des Bereichs Wirtschaftspolitik beim ZDH

Viele Betriebe fragen sich, wie sie mögliche Ausfälle von Energie- und IT-Systemen, Lieferketten oder Personal vorbereiten können. Haben Sie konkrete Tipps?

Terton: Das Gute ist, dass Handwerksbetriebe den sogenannten „Notfallkoffer“ schon kennen. Den sollte ohnehin jeder Betrieb haben und regelmäßig kontrollieren, ob er auf dem neuesten Stand ist. Diesen Notfallkoffer gilt es jetzt, um einige Dinge anzureichern. Einige Beispiele:

  • die Handynummern und Adressen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Informationen zu ihren Arbeitswegen und genutzten Verkehrsmitteln
  • das Wissen darüber, wo sich Sicherheitskopien befinden
  • Erreichbarkeitsinformationen von Lieferanten
  • Back-ups der Systeme sowie Investition in Cybersicherheit und die Not-Stromversorgung
  • ein Back-up aller relevanten Daten sicherstellen – auch der Kundendaten, damit der Betrieb arbeitsfähig bleibt
  • Ersatzlösungen für „neuralgische Punkte“ des Unternehmens, wie Notstromaggregat, Wassertank, Kraftstoffreserven oder ein Notfallradio.

Prinzipiell geht es darum, sich rechtzeitig zu kümmern, damit ein Weiterarbeiten auch unter erschwerten Krisen-Bedingungen gewährleistet werden kann. Denn aus Erfahrungen mit der Corona-Pandemie haben wir gelernt, wie wichtig das Handwerk als Krisenhelfer ist.

Intern bedeutet das: Wissen Betriebsinhaber, welche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Feuerwehr oder beim THW aktiv sind oder im Falle eines Falles als Reservist der Bundeswehr zur Verfügung stehen müssen? Auch das sind Fragen, die heute schon geklärt werden können. Daran schließt sich dann die Frage an: Welche Personen sind unabkömmlich, damit der Betrieb aufrechterhalten werden kann? Natürlich muss niemand sagen, wo er sich ehrenamtlich engagiert. Aber die meisten Belegschaften haben so einen guten Draht zueinander, dass sie das voneinander wissen.

Constantin Terton, Leiter Wirtschaftspolitik beim ZDH
Rät Betrieben, Back-ups von Kunden und Lieferantendaten anzulegen sowie Ersatzlösungen für die Strom- und Wasserversorgung zu bedenken: Constantin Terton. ZDH

Welche Rolle nimmt das Handwerk im Gefüge der „Gesamtverteidigung“ aus Ihrer Sicht ein?

Terton: Das Handwerk hält das Land am Laufen, das ist enorm wichtig und daran kann jeder einzelne Betrieb mitarbeiten. Das ist eine Chance für das gesamte Handwerk, die Vernetzung in der Fläche wird hier deutlich: Das Handwerk ist regional und kleinteilig aufgestellt und es ist robust. Die Betriebe springen lokal ein und spielen in der Nahversorgung eine große Rolle.

„Gesamtverteidigung“ heißt im Sinne des Handwerks daher nicht zuerst, militärische Strukturen und die Kolonnen der Bundeswehr unmittelbar zu unterstützen, sondern in der zweiten Reihe die Funktionsfähigkeit von Gesellschaft und Wirtschaft sicherzustellen.

Der ZDH arbeitet eng mit Bundeswehr, Landeskommandos und anderen Institutionen zusammen. Wie profitieren die Handwerksbetriebe von diesen Strukturen und Netzwerken?

Terton: Wir sitzen regelmäßig mit Handwerkskammern und Verbänden zusammen. Auch mit Verteidigungs- und Innenministerium sowie der Bundeswehr haben wir einen regen Austausch. Wir hoffen, dass sowohl die Handwerkskammern als auch die Landesministerien und Kommunen aufeinander zugehen und dort mit in die Kommunikation einsteigen, um sicherzustellen, dass das Handwerk auf allen Ebenen mitgedacht wird. Es geht in erster Linie um Aufklärung und Sensibilisierung.

Unsere Betriebe werden von der Informationsgewinnung und –weiterleitung durch Kammern und Verbände auf Landes- und Bundesebene profitieren. Deshalb arbeiten wir daran, klare Kommunikationswege festzulegen, sodass Betriebe wissen, an wen sie sich wenden können.

Wo können sich Betriebe Unterstützung holen, was Vorsorgemaßnahmen im Krisenfall angeht?

Terton: Eine sinnvolle erste Anlaufstelle ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Dort gibt es Checklisten mit hilfreichen Tipps und Tricks, wie sich nicht nur Betriebe gut aufstellen, sondern auch Privathaushalte.

Zudem haben bereits einige Zentralfachverbände, wie beispielsweise die Bäcker Handreichungen für Betriebe erarbeitet. Handwerkskammern, Fachverbände und Innungen vor Ort haben in vielen Fällen umfassende Informationen und unterstützen.

Von unserer Seite aus ist es wichtig zu kommunizieren: Eine Krise ist nicht gleich Krieg. Sondern sie kann auch eine Störung im Betriebsablauf sein. Und darauf sollten Betriebe jederzeit vorbereitet sein, damit sie in solchen Situationen nicht unvorbereitet getroffen werden.

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