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Eine Genossenschaft soll Helgolands letzte Bäckerei retten

Mit einer ungewöhnlichen Idee will eine Initiative die Inselbäckerei doch noch vor dem Aus bewahren. Für den ehrgeizigen Plan bleibt allerdings nur noch wenig Zeit.

3 Min.02.12.2025, 17:58 Uhr (Aktualisiert am 09.09.2026, 09:53 Uhr)
Von
Katharina Wolf
Katharina Wolf
Katharina Wolf
Bäckermeister Mario Peterscheck (links) und Adrian Wolf (rechts) stehen vor der Tür der alten Bäckerei in Helgoland. Die Wände des Gebäudes sind rötlich.
Sie wollen dafür sorgen, dass auf Helgoland wieder Brötchen und Brotgebacken werden: Bäckermeister Mario Peterscheck (links) und Adrian Wolf. privat

Zitiervorschlag

Eine Genossenschaft soll Helgolands letzte Bäckerei retten. In: /politik-und-wirtschaft/eine-genossenschaft-soll-helgolands-letzte-baeckerei-retten, 02.12.2025, /politik-und-wirtschaft/eine-genossenschaft-soll-helgolands-letzte-baeckerei-retten (abgerufen am: 06.11.2026)

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Katharina Wolf
Katharina Wolf

Freie Autorin für Betriebsführung und Politik & Wirtschaft

Eigentlich stand der Rettungsplan für die letzte Bäckerei auf Helgoland schon fest, doch dann kippte die Finanzierung. Jetzt nehmen die Insulaner das Schicksal ihrer letzten Inselbäckerei selbst in die Hand: Eine Genossenschaft soll dafür sorgen, dass es in Zukunft wieder handwerklich hergestellte Backwaren wie Brot, Brötchen und Kuchen auf Deutschlands einziger Hochseeinsel zu kaufen gibt.

Allerdings ist der Plan noch nicht in trockenen Tüchern: „Wir sammeln seit 8. November Absichtserklärungen von allen, die sich an der Genossenschaft beteiligen wollen“, sagt Adrian Wolf, Unternehmer und Mitinitiator der Idee. Die Zeit drängt: Schon am 7. Dezember 2025 findet die Gründungsversammlung statt. Bis dahin sollte zumindest ein großer Teil der benötigten 1,35 Millionen Euro zusammengekommen sein.

Ursprüngliche Pläne scheiterten kurz vor dem Notartermin

Der Zeitdruck entstand, weil der ursprüngliche Plan zur Rettung der Bäckerei scheiterte: Nachdem der Betrieb Ende 2024 schloss, hatte sich die Gemeinde Helgoland entschieden, ihr Vorkaufsrecht wahrzunehmen – auch um Grundstücksspekulationen zu verhindern. Mit Bäckermeister Mario Peterscheck stand ein Nachfolger für den Betrieb bereit. Doch dann habe die Bank  Anfang November 2025, eine Woche vor dem Notartermin, ihr ursprüngliches Finanzierungangebot zurück, so berichtet es Adrian Wolf. Das Vorkaufsrecht der Gemeinde endet am 31. Dezember diesen Jahres.

„Da saß der Frust bei der folgenden Bürgerversammlung natürlich tief“, sagt der Unternehmer, der eigentlich aus Süddeutschland stammt, aber auf Helgoland lebt. Er habe dann die Gründung einer Genossenschaft vorgeschlagen, die in seiner Heimat weit verbreitet seien. „Genossenschaften sind immer dann eine gute Idee, wenn die Situation für die öffentliche Hand oder einzelne schwierig zu bewältigen ist“, ist er überzeugt.

Auch Freunde und Besucher können sich beteiligen

Und so sammelt die „Initiative zur Gründung der Inselgenossenschaft Helgoland“, an der auch Bäckermeister Peterscheck beteiligt ist,  unter Hochdruck Unterstützer, auf der Insel, aber auch unter Freunden und Besuchern. „Jeder kann sich beteiligen“, betont Wolf. Bewusst liege daher der niedrigste Anteil, der gezeichnet werden kann, bei 150 Euro.

„Die Resonanz ist überwältigend, und wir sind wirklich gerührt, dass sich so viele Menschen auch von außerhalb beteiligen wollen“, sagt Wolf. „Schon jetzt haben wir Absichtserklärungen über mehr als 300.000 Euro eingesammelt.“ Weil es aber noch mehr werden müssen, rühren die Initiatoren die Werbetrommel und sprechen auch mit institutionellen Anlegern.

Neun Arbeits- und zwei Ausbildungsplätze soll es geben

„Wir wollen unsere Daseinsvorsorge krisensicherer aufstellen und insgesamt neun Arbeitsplätze auf der Insel schaffen“, sagt Wolf. Wenn alles klappt, soll der „Halunder Bakker“ – helgoländisch für Helgoländer Bäcker – ab dem zweiten Betriebsjahr auch Ausbildungsplätze als Bäcker und Konditor anbieten. Künftig könnte die Genossenschaft auch über die Bäckerei hinaus eine Großküche aufbauen und warmes Essen für Hafenarbeiter anbieten oder Kindergärten und die Schule versorgen, schildert Wolf die Pläne.

Er bleibt trotz der Kürze der Zeit optimistisch: „Niemand, den wir angesprochen haben, stand er Idee negativ gegenüber“, betont er. Gleichzeitig macht er deutlich: „Das ist jetzt der letzte Aufschlag. Wenn wir die Genossenschaft die Bäckerei nicht übernehmen kann, erlischt das Vorkaufsrecht der Gemeinde. Und dann wird es auf Helgoland wohl nie wieder einen Bäcker geben.“   

Alle Infos zur geplanten Genossenschaft finden Sie auf der Website inselgenossenschaft.de.

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