Die Schreinerei Hendgen ist seit drei Generationen in der Stadt Koblenz etabliert. Wie sich der Familienbetrieb durch die Wirren der Zeit schlug und was die Zukunft bringen wird.
In schnelllebigen und wirtschaftlich unsicheren Zeiten wird dem Begriff der „Familienbande“ eine enorme Bedeutung zuteil. Die Schreinerei Hendgen aus Koblenz ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein starkes Familienband nur schwer erschütterbar ist. Mittlerweile führt Schreinermeister Rolf Hendgen den Betrieb mit seiner Frau Susi und ihrem Sohn Philipp Hendgen in dritter Generation.

Die Schreinerei blickt auf eine mehr als 85-jährige Geschichte zurück. „Es fing alles mit der Gründung einer Küferei an“, erinnert sich Hendgen. Das war im Jahr 1937 als Franz Hendgen, der Großvater des heutigen Betriebsinhabers, Weinfässer für die umliegenden Winzer herstellte. Auch Rolf Hendgens Vater, Rudi Hendgen, blieb dem alten Handwerk treu und legte Anfang der 1960er-Jahre die Böttcherprüfung ab. „Allerdings kamen Holzfässer zur damaligen Zeit aus der Mode und wurden immer mehr von Kunststofftanks verdrängt“, so Hendgen. Somit führte dieser Zeitenwandel zum ersten Meilenstein des Betriebs. Der Vater von Rolf Hendgen legte im Jahr 1968 die Prüfung zum Schreinermeister ab und aus der Küferei wurde fortan eine Schreinerei.
Die Jahre vergingen und der junge Betrieb machte sich in Koblenz und Umgebung einen Namen. Im Verlauf der Zeit erfolgte die Umstellung auf die moderne Produktion und Ende der 1990er-Jahre nahm Rolf Hendgen die Zügel in die Hand. Parallel zu seinem Start musste jedoch die erste große Hürde in der Betriebsgeschichte genommen werden: „Um die Wirtschaft stand es zu dieser Zeit schlecht und so mussten wir Kurzarbeit für unsere Beschäftigten anmelden.“ Einige Aufträge wurden noch abgearbeitet, „dann kam nichts mehr rein“, so Hendgen. Die schwere Zeit für den Betrieb dauerte rund zwei Monate. Niemand konnte vorhersehen, wie es weitergeht. „Es war für uns alle eine schreckliche Zeit“, sagt der Schreinermeister.
Doch die Schreinerei kam aus eigener Kraft aus dem wirtschaftlichen Tief. So setzten Hendgen und seine Frau ein Schreiben auf, in dem sie den Betrieb und dessen Leistungen bewarben, und schickten es an verschiedene Architekturbüros. Mit der damaligen Kunden-Kaltakquise hatten sie Erfolg. „Es gab einige Büros, die Interesse an unseren Leistungen und Aufträge zu vergeben hatten. Für uns war das ein Segen, da wir so die schlimmen Wochen überbrücken konnten. Danach ging der eigentliche Geschäftsbetrieb los“, betont Hendgen.

Bis zum heutigen Tag überzeugt der Schreinerbetrieb mit seiner Kompetenz und der Liebe zum Detail. Dank der Anschaffung einer CNC-Maschine können Aufträge effizienter ausgeführt werden. Zur Stammkundschaft gehört unter anderem eine namhafte Buchhandlung in der Stadt. „Vor einiger Zeit kaufte sie einen Spieleladen auf und wir waren am Umbau der neuen Räumlichkeit beteiligt“, so Hendgen. Sowohl für den Vater als auch für den Sohn war es ein besonderes Projekt, da Plattenmaterialien verarbeitet wurden, „die man für Privatkunden eher selten benutzt“, erläutert Philip Hendgen, der Sohn und künftige Nachfolger der Schreinerei.
Der neue Spielraum besteht unter anderem aus Regalen und kleinen Spieltürmen, die an Krümelmonster erinnern. Festgehalten wurde das Ganze in einem Bildband, der neben weltweiten Schreiner- und Architekturarbeiten das Ergebnis der Schreinerei Hendgen in Koblenz zeigt. „Darauf sind wir natürlich stolz und besonders auf die Möbel, die wir für den neuen Spielraum der Buchhandlung errichtet haben“, so Rolf Hendgen.
Auf Marketing im klassischen Sinn verzichtet das Familienunternehmen bewusst. „Wir sind in der Stadt vernetzt und unsere Aufträge bekommen wir in der Regel über die berühmte ‚Mund-zu-Mund-Propaganda‘“, sagt Rolf Hendgen. In den Medien machte der Familienbetrieb allerdings mit etwas Anderem auf sich aufmerksam. „Dabei ging es um die Vier-Tage-Woche, die wir vor etwa sieben Jahren eingeführt haben. Allerdings nutzt nur noch ein Mitarbeiter von uns dieses Arbeitszeitmodell“, betont der Schreinermeister.
Verkürzte Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich gebe es in dem Betrieb nicht. „Doch gleich im ersten Satz eines Fernsehbeitrags eines öffentlich-rechtlichen Senders hieß es, dass wir die Vier-Tage-Woche bei voller Bezahlung für unsere Mitarbeitenden anbieten. Und genau diesen Satz nahmen einige Schreiner- und Handwerkskolleginnen und -kollegen zum Anlass, sich bei uns, zum Teil kritisch, zu melden“, so Hendgen. Ein erster Satz bleibe oft in Erinnerung, sodass die Familie ihr Arbeitszeitmodell erklären und die Anrufer beschwichtigen musste.
Im weiteren Verlauf des Beitrags wurde jedoch erläutert, wie das Modell im Betrieb funktioniert, um die fehlende Arbeitszeit des fünften Arbeitstages zu kompensieren. Die Beschäftigten der Schreinerei arbeiten zehn Stunden am Tag. „Somit ist die Aussage im ersten Satz ‚bei voller Bezahlung‘ natürlich nicht falsch, denn wer die volle Arbeitszeit leistet, bekommt auch die volle Bezahlung“, erklärt Susi Hendgen. Genau das erläuterte die Familie im Nachgang gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen sowie gegenüber ihren Kunden.
Dennoch ist der Schreinermeister davon überzeugt, dass flexible Arbeitszeiten entscheidend für die Mitarbeiterbindung sind. „Das ist für uns mittlerweile ein Muss. Unsere Mitarbeiter genießen das und zu einem modernen Betrieb gehören die flexiblen Arbeitszeiten mittlerweile dazu.“ Seine Beschäftigten bleiben zum Teil über Jahrzehnte im Betrieb.
Die kommenden fünf Jahre wird Rolf Hendgen den Betrieb weiterhin leiten. Sein Sohn Philipp steht allerdings schon in den Startlöchern und übernimmt bereits heute eigenständig Projekte. Der Betrieb bleibt somit auch nach dem Ausscheiden Rolf Hendgens in Familienhand. Die Bescheidenheit des Familienunternehmens ist mehr als ihr Alleinstellungsmerkmal. Vielmehr macht sie den Charakter der Familie aus.

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