Eine Federschnürung beherrschen nicht mehr viele Raumausstatter und Polsterer im Land. Das Team um Ariane Kraftschik will diese Tradition bewahren – für Kunden und Handwerker.
Eine Federschnürung zu erneuern sei aufwendig und zeitintensiv: Selbst geübte Handwerker müssten laut Kraftschik 20 bis 30 Stunden Arbeitszeit investieren. Wer genau sehen will, wie das in der Praxis aussieht, kann sich die Reels auf dem Instagram-Account der Polsterei Kraftschik anschauen. Dort gibt es in den „Werkstattnews“ wöchentliche Updates von den Aufträgen in der Werkstatt – auch von der traditionellen Federschnürung. Kraftschik ist froh, dass sie die Technik nun auch wieder an Azubis weitergeben kann, seitdem sie einen Meister eingestellt hat. Denn Ausbildung sei auch nachhaltig und unterstütze das Handwerk.
Bei diesem Möbelstück geht es um Nachhaltigkeit im doppelten Sinne: Bei diesem Sessel sollte nicht nur das Polster erneuert werden, sondern auch die Sitzfläche. Dazu gehörte auch die sogenannte Federschnürung, das Herz des Sitzmöbels. „Mit einer Federschnürung kann eine Polsterung locker 60-80 Jahre lang halten“, sagt Ariane Kraftschik, Inhaberin der Polsterei Kraftschik in Wolfenbüttel. Die Kunden des Raumausstatterbetriebs wüssten, dass Meister und Geselle die traditionelle Technik noch beherrschen. „Nicht mehr viele Betriebe können das und es wird in der Ausbildung auch nicht mehr vermittelt“, berichtet Kraftschik. Deshalb sorge der Betrieb selbst dafür, dass das Wissen von Meister zu Geselle und schließlich zum Azubi weitergegeben werde. So werde hier wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit gelebt.



„Die Restaurierung des Sessels ist absolut nachhaltig und wir unterstützen das, um die Möbel zu erhalten und das Handwerk nicht aussterben zu lassen“, sagt die 41-Jährige. Der Sessel sei vermutlich aus der Gründerzeit. Die Reparatur umfasse aber nicht nur das Ersetzen des Schnurfadens und der Federn. Das Besondere an der Federschnürung ist die Spannung unter dem Polster – und die werde von einem Gestell aus Vollholz, in diesem Fall Lärche, gehalten. Die Federn werden mit einem Schnurfaden mit verschiedenen Knotentechniken so verbunden, dass eine stabile langlebige Sitzfläche entsteht. Wenn der neue Bezug im Anschluss von den Beisitzern gut gepflegt wird, könne der Sessel weitere 20 bis 30 Jahre durchhalten.

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