Vier junge Frauen berichten beim ffn-Thementag über Chancen und Herausforderungen im Handwerk. Die Beiträge zeigen, warum das Handwerk Frauenpower braucht und wie Betriebe davon profitieren.
Das Ziel des ffn-Thementages: ein Zeichen für mehr Frauenpower im Handwerk setzen. Die Aussagen der vier jungen Frauen – eine Maurerin, eine Schornsteinfegerin, eine Anlagenmechanikerin, und eine Tischlerin – haben wir zusammengefasst.
„Frauen gehen oft mit einer anderen Perspektive an Aufgaben heran“, sagt Maurerin Celine aus Cuxhaven. Ihre Art, Dinge noch einmal zu durchdenken, bereichere das Handwerk und kann aus ihrer Sicht wertvoll sein. Die junge Handwerkerin fühlt sich in ihrem Beruf ernst genommen, weiß aber auch, dass das nicht immer so gewesen ist. Auf die Frage, ob der Ton im Handwerk rauer sei als anderswo sagt sie: „Klar ist es ein bisschen rauer als im Büro, aber die Abwechslung tut auch gut.“
Ob der Maurerberuf nur etwas für starke Männer ist? „Keine Frau sollte Sorge und Angst haben, hier körperlich mit anzupacken“, betont Celine. Der Beruf sei auch für Männer schwer. Doch durch verschiedene Geräte und die Digitalisierung sei die Arbeit im Vergleich zu früher um einiges einfacher geworden.
“Keine Frau sollte Sorge und Angst haben, hier körperlich mit anzupacken.”
Eine der wenigen Schornsteinfegerinnen im Land ist Ronja aus Hannover. Sie schätzt an ihrem Beruf den Kontakt zu Kunden: „Wir setzen uns auch mal hin und trinken einen Kaffee, wenn uns einer angeboten wird und nehmen uns Zeit für ihre Geschichten.“ Was ist, wenn Frauen in diesem Job an körperliche Grenzen stoßen? Dann nehmen sie eine Leiter dazu oder andere Hilfsmittel „und dann schaffst du das auch“, ruft sie anderen Frauen zu.
Sie sei zu Beginn ihres Berufslebens etwas verunsichert gewesen als Frau unter vielen männlichen Kollegen. Fand die Kollegen „aber immer ganz cool“, berichtet Ronja im ffn-Interview. Sie freue sich, wenn Kunden ihr als Feedback sagen „Ich fühle mich sicher mit Ihnen, weil Sie eine Frau sind."

Lissy aus Celle ist Anlagenmechanikerin. Als sie 2016 in die Ausbildung gestartet ist, war sie an der Berufsschule die erste junge Frau. „Ich glaube, es hat sich ein bisschen herumgesprochen oder ich habe anderen Mädels damit Mut gemacht.“ Denn in der Firma, in der sie gelernt hat, haben sich nach ihr noch andere Mädchen gemeldet und auch ihre Ausbildung gemacht.
Wie fühlt sie sich als einzige Frau im Team? „Kollegen akzeptieren mich voll und ganz, so wie ich bin, weil sie mein handwerkliches Können sehen“, sagt die SHK-Gesellin. Dennoch spüre sie, dass Frauen in ihrem Gewerk noch nicht so zahlreich sind: Kunden seien mitunter erstaunt, wenn sie ihr die Tür öffnen. Manche fragten dann, ob noch ein Kollege kommt. Oder sie wollen ihr den schweren Koffer abnehmen. Doch wenn sie merken, was sie fachlich drauf hat, schwinden die Vorurteile. „Am Ende des Tages sind das dann die Kunden, die mir sagen, dass sie sich freuen, wenn ich wiederkomme“, berichtet Lissy. Das gebe ihr Selbstvertrauen in ihrem Job.
Das Schöne am Handwerk ist für Tischlerin Pauline, sich kreativ auszuleben und mit verschiedenen Materialien umzugehen. Ihrer Meinung nach gehören Frauen in jedes Team: „Sie bringen viel Sozialkompetenz mit rein“, sagt sie. Vorurteile, dass Frauen beispielsweise aufgrund ihrer körperlichen Beschaffenheit oder mangelnder Stärke nicht auf die Baustelle gehören, kann sie entkräften. „Dafür gibt es keine Argumente mehr. Es gibt mittlerweile so viele Hilfsmittel.“
Pauline wünscht sich, dass bei der Berufs- oder Kandidatenwahl im Handwerk alle bei null starten dürfen und sich die Frauen nicht erst beweisen müssen, um überhaupt anzufangen. „Ich wünsche mir, dass nach Qualität und Leistung bewertet wird und nicht aufgrund des Geschlechts vorher schon aussortiert wird“, sagt die Handwerkerin aus Isernhagen. Dabei bräuchten Frauen keine „Extrabehandlung“. Vielmehr könne sich das Miteinander auf der Arbeitsebene mit etwas mehr Wertschätzung und Akzeptanz noch verbessern.
Was erleben Frauen in sogenannten männerdominierten Handwerksberufen in ihrem Arbeitsalltag? Welche Rückmeldungen bekommen sie von Kunden und was wünschen sie sich für ihre Branche? Der Radiosender ffn hat vier junge Handwerkerinnen aus verschiedenen Gewerken besucht und interviewt. Die Ergebnisse waren am „ffn Handwerkerinnen Tag“ zu hören: Im Tagesprogramm des Senders kamen die jungen Frauen in mehreren Beiträgen zu Wort und berichteten von ihren Wegen ins Handwerk sowie ihren Erfahrungen.
Als Hinweis auf den Thementag haben sich die Moderatorinnen im Vorfeld selbst mit Blaumann, Bauhelm, Bagger und Schaufel vor die Kamera gestellt und einen eigenen Song kreiert. Auf Instagram haben sie das Video veröffentlicht:

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