Fingerspitzengefühl im Handwerk: Luis Bauer erklärt, warum der Berufs des Bestatters mehr ist als die Begleitung von Trauernden.
Seine Erfahrungen hat der junge Bestatter außerdem in zwei Büchern festgehalten. Gemeinsam mit seinem Vater Johannes Bauer, Inhaber von Bestattungen Burger, veröffentlichte er 2022 den Titel „Wenn der Tod kommt, ist Sense: Unglaubliche Geschichten und skurriles Wissen aus dem Bestatteralltag“. 2026 folgte „Bestatters Diary: Der Tod ist mein Job: Geschichten aus einem ungewöhnlichen Alltag“. Mit allen Formaten verfolgt er dasselbe Ziel: das Thema Tod aus der Tabuzone holen und Berührungsängste abbauen.
Im Gespräch bei 3nach9 wird schnell deutlich, wie ausgeprägt Bauers emotionale Kompetenz im Umgang mit Menschen ist. Sich in die Angehörigen hineinversetzen zu können sei wichtig, doch ihren Schmerz könne man nie ganz nachvollziehen. „Das geht nicht“, betont der junge Bestatter. „Du hast Leute vor dir sitzen, die haben heftige Schicksale erlebt. Wenn du denen sagst: ‚Ja, ich verstehe dich‘, […] – Katastrophe.“
Stattdessen gehe es darum, für die Menschen da zu sein und aufmerksam wahrzunehmen, was sie in ihrer Situation brauchen. Wenn Bauer merkt, dass eine Familie das Thema mit Humor aufnimmt, streue er auch mal einen Witz ein.
“Was man als Bestatter braucht, ist das Vermögen, sich schnell auf die verschiedensten Personen einstellen zu können in Kombination mit einem guten Einfühlungsvermögen. Doch am Ende muss man vor allem den Grundsatz in sich tragen, dass man Menschen helfen will.”
„Das Thema Tod war bei uns immer normal“, erzählt der zwanzigjährige Luis Bauer im Interview. Ihm gegenüber sitzt Judith Rakers, Fernsehmoderatorin der Sendung 3nach9. Nach zwei Büchern und etlichen Social Media Beiträgen rund um sein Berufsfeld klärt er nun auch in der Talkshow über seine Arbeit auf. Bauer ist Bestatter.
Bestattungen begleiten Bauer bereits sein ganzes Leben. Sein Vater war Bestatter, sein Großvater ebenfalls. Und schon mit 14 Jahren unterstützte er im Familienbetrieb Bestattungen Burger in Fürth. „Du hättest doch auch Florist werden können“, hakt Rakers nach. „Wieso Bestatter?“
Bauer schätze besonders die Arbeit mit den Angehörigen. Auch wenn diese lieber nicht bei ihm sitzen würden. Er könne für sie zwar nicht rückgängig machen, was passiert ist, aber die Situation „so gut, würdevoll und schön wie möglich gestalten.“ Dazu gehöre für ihn auch die handwerkliche Seite des Berufs: die Abholung und Vorbereitung der Verstorbenen, die Einbalsamierung und Ankleidung für einen angemessenen Abschied.
„Das ist ein Handwerk, das man lernen muss“, sagt Bauer. Bereits die Abholung verlangt technisches Denken. Wie transportiert man etwa einen 140 Kilogramm schweren Verstorbenen würdevoll aus dem vierten Stock ab? Doch gerade diese Vielfalt des Arbeitsalltags ist es, die den Beruf für Bauer zum Traumberuf macht.



Mit seiner Arbeit erreicht Bauer längst nicht mehr nur Angehörige im Bestattungsinstitut. Auf Social Media folgen ihm über eine Million Menschen. Auf Instagram sind es 306.000, auf der Video-Plattform TikTok 1,4 Millionen. Auch den Youtube-Kanal Bestattungen Burger verfolgen 166.000 Abonnenten. Dort beantwortet er Fragen rund um Tod und Bestattung und räumt mit Vorurteilen auf. Der Titel eines Videos auf Instagram lautet beispielsweise „Falls [ein] Toter aufwacht, würde man das merken?“.

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